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Digital Linguistics

In unserem Forschungs- und Arbeitsbereich entwickeln und verwenden wir digitale Zugänge zur Analyse von gesellschaftlichem und professionellem Sprachgebrauch. Wir denken dabei «Digitalität» mehrdimensional: als Aspekt von Theoriebildung, von Methodenentwicklung, von Datenaufbereitung sowie als zu untersuchende Ausprägungen in der Gesellschaft. Dies setzen wir in drei Schwerpunkten um: Diskurslinguistik, Korpuslinguistik und Textproduktionsforschung.

Diskurslinguistik

Forschungsdesign «Diskurslinguistik in Anwendung» für die transdisziplinäre Umsetzung mit PraxispartnerInnen zur korpuszentrierten Analyse öffentlicher Kommunikation (vgl. Dreesen; Stücheli-Herlach 2019)

Unter einem Diskurs verstehen wir nicht in erster Linie bestimmte Debatten oder Diskussionen, sondern die kommunikativen Bedingungen, die das Denken und Sprechen über ein Thema prägen und leiten. Nach diesem Verständnis sorgen wiederkehrende sprachliche Äusserungen dafür, dass in regelhafter Art und Weise über ein Thema geschrieben und gesprochen wird. Die Analyse dieser wiederkehrenden Muster ermöglicht und unterstützt Sprachhandeln von Akteuren im Diskurs. Diskurslinguistik wird ein- oder mehrsprachig durchgeführt. Wir arbeiten mit dem korpuszentrierten Forschungsdesign «Diskurslinguistik in Anwendung» (DIA).

Korpuslinguistik

Word embedding-Modell zum Wort «Elite» und äquivalentem Wortgebrauch, um datengeleitet semantische Unterschiede zwischen rechtpopulistischen Medien und Orientierungsmedien herauszufinden (vgl. Bubenhofer; Calleri; Dreesen 2019)

Wir nutzen Korpuslinguistik, um den Sprachgebrauch in Form von grossen Datenmengen modellieren und analysieren zu können. Die Daten werden linguistisch aufbereitet und mit Metadaten verknüpft, sodass grammatische, semantische und pragmatische Strukturen ermittelt werden können. Die Analysen erfolgen datenbasiert oder datengetrieben und werden zur Generierung und Überprüfung von Hypothesen genutzt. Die Ergebnisse werden zur Vermittlung visuell und interaktiv aufbereitet. Wir arbeiten zu speziellen Fragestellungen mit projektspezifischen ein- oder mehrsprachigen Korpora und darauf abgestimmten korpus- und computerlinguistischen Methoden.

Textproduktionsforschung

Caption: Visualisierung des Entstehungsprozesses eines kurzen Textes. Die Autorin springt während der Produktion im Text vor und zurück, ändert an verschiedenen Stellen und unterbricht zum Lesen bzw. Nachdenken. Nicht alle produzierten Zeichen sind im Endprodukt, dem Text, enthalten, mehr als 500 werden während dem Schreiben wieder gelöscht.

Das Verfassen von kurzen und längeren Texten ist ein bedeutender Teil unserer Kommunikation und eine Grundlage gesellschaftlicher Partizipation. Wir untersuchen, wie Texte entstehen: welche Schreibstrategien verfolgen AutorInnen, wie benutzen sie verschiedene elektronische Werkzeuge, wie und wie intensiv redigieren sie? Dazu beobachten wir AutorInnen beim Schreiben und zeichnen Prozessdaten auf (keystroke-logging). Die Modellierung der Produktion von linguistischen Einheiten und Diskursstrukturen erlaubt die Ableitung von Kriterien, Bedingungen und Voraussetzungen für gelingende Kommunikation, Empfehlungen für zielgruppenspezifische Schreibstrategien und Vorschläge zur Entwicklung von Werkzeugen.

Forschungsprojekte

Wissenschaftliches Netzwerk «Diskurse – digital: Theorien, Methoden, Fallstudien»

Das Netzwerk vereint WissenschaftlerInnen, die in ihren Projekten an der Analyse digitaler Diskurse arbeiten und dabei digitale Methoden der Korpuslinguistik bzw. Digital Methods nutzen. Ziel des Netzwerks ist es, das Programm und das Methodeninventar der Diskurslinguistik in zwei Richtungen zu erweitern: Zum einen sollen die spezifischen Beschreibungskategorien und Analysewerkzeuge für Diskurse in digitalen Medien (u.a. Links, Hashtags) systematisiert werden. Zum anderen sollen Methoden und Instrumente der Korpuslinguistik und Digital Methods im Hinblick auf die Anforderungen der Diskurslinguistik evaluiert und ausgebaut werden. Gefördert durch die DFG; Projektlaufzeit: September 2016 bis September 2019. Eine Abschlusspublikation ist in Vorbereitung.

Seamless Writing: Expanding Technologies to Support Thesis Writing (SWETLANA)

«Thesis Writer» ist eine digitale Lernumgebung, die Studierende beim Verfassen ihrer Abschlussarbeiten unterstützt und Bildungsinstitutionen bei deren Anleitung und Organisation zur Seite steht. Ein Prototyp dazu ist an der ZHAW bereits in Gebrauch: thesiswriter.zhaw.ch. Er wird im Projekt «SWETLANA» weiterentwickelt und an verschiedenen Hochschulen eingesetzt und getestet. Unsere Abteilung ist verantwortlich für die schreibdidaktische Ausrichtung der Plattform und die Gestaltung von rhetorischen Unterstützungstools auf korpuslinguistischer Basis. Das Projekt ist Teil des IBH-Lab «Seamless Learning» der Internationalen Bodensee-Hochschule. Laufzeit: November 2017 – Dezember 2020.

Writing Technology for the 21st Century

Schreiben ist für die gesellschaftliche Teilhabe unerlässlich. Dieses Projekt wird einen systematischen Überblick über die Forschung zu aktuellen digitalen Schreibwerkzeugen erstellen und wichtige Erkenntnisse darüber liefern, wie AutorInnen sie nutzen. Es trägt so dazu bei, deren Bedürfnisse besser zu verstehen und wichtige Herausforderungen für die Forschung im Bereich der digitalen Textproduktion zu identifizieren. Gefördert durch die Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen (DIZH).

Vollständige Liste aller laufenden und abgeschlossenen Projekte

Daten

Der Forschungs- und Arbeitsbereich «Digital Linguistics» baut und pflegt das Swiss Applied Linguistics Corpus (kurz: Swiss-AL). Das Korpus ist eine mehrsprachige (Deutsch, Französisch, Italienisch) Sammlung von Texten von ausgewählten Webseiten. Es wurde konzipiert, um datenbasierte und datengetriebene Forschung zum gesellschaftlichen und politischen Diskurs in der Schweiz zu ermöglichen. Es enthält derzeit 8 Millionen Texte (ca. 1,55 Milliarden Token), darunter Nachrichten und Fachpublikationen, Regierungs- und Parlamentsdokumente, Websites von Parteien, Unternehmen und Universitäten, Stellungnahmen von Wirtschaftsverbänden und NGOs. Swiss-AL ist damit das grösste mehrsprachige Korpus der Schweiz. Bisher wurde Swiss-AL erfolgreich in der Forschung zu den öffentlichen Diskursen der Schweiz über Energie und Antibiotikaresistenz eingesetzt. Darüber hinaus werden weitere spezialisierte Textkorpora aufgebaut und gepflegt, etwa als Grundlage für die Wahl zum Wort des Jahres.

Ethik-Codex

Bei der Arbeit mit digitalen Daten ergeben sich eine Reihe von ethischen Herausforderungen, insbesondere auch dann, wenn nicht nur Grundlagenforschung, sondern angewandte Forschung und Dienstleistungen damit verbunden sind. Diese Herausforderungen werden einerseits durch die rechtlichen Grundlagen des Datenschutzes juristisch geregelt. Andererseits bleibt ein nicht unerheblicher Anteil von Fragen und Problemen, die zusätzlich zu regeln sind.

Der Forschungs- und Arbeitsbereich «Digital Linguistics» erarbeitete deshalb einen Codex, der die internen wie nach aussen gerichteten Tätigkeiten der Gruppe leiten soll.

Publikationen

Lehre

Wir unterrichten in allen Studiengängen des Departements Angewandte Linguistik zu Themen der Korpus- und Diskurslinguistik sowie Textproduktion und betreuen Abschlussarbeiten auf Bachelor- und Master-Stufe. Ausserdem veranstalten wir internationale Workshops und Weiterbildungen für Forschende im Bereich der sozial- und kulturwissenschaftlich interessierten angewandte Linguistik und Textproduktionsforschung.

Weiterbildung

Team

Wir sind ein Team erfahrener LinguistInnen aus den Bereichen Korpuslinguistik, Computerlinguistik, Textlinguistik, Diskurslinguistik, Politolinguistik, Schreibprozessforschung, Semantik, Grammatik, Didaktik, historische Linguistik und Lexikografie.

Ehemalige Teammitglieder