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Journalistik

«Journalismus ist eine gesellschaftliche Funktion und lässt sich nicht nur an Medien oder Journalisten festmachen; Journalismus ist vielmehr liquid und setzt – wo auch immer – ein aktives Publikum voraus.»

Prof. Dr. Vinzenz Wyss, Professor für Journalistik

Die Journalistik analysiert in einem gesellschaftlichen Kontext, was Journalismus leistet und wie dessen Strukturen zustande kommen, die wiederum journalistisches Handeln ermöglichen oder beschränken. Wir sind transferorientiert und transdisziplinär ausgerichtet und wenden sozial- und medienwissenschaftliche Theorien und Methoden an, um für Akteure der öffentlichen Kommunikation nützliche Erkenntnisse zu gewinnen.

Wir erkennen Innovationen zur Verbesserung journalistischer Qualität und verstehen uns als Kritikinstanz, die sich in den öffentlichen Diskurs über Medienleistungen einbringt. Journalismus verstehen wir als eine unverzichtbare gesellschaftliche Funktion, als ein liquides System organisierten Handelns, dessen empirische Erfassung immer komplexer wird. Wir untersuchen sowohl die sozialen Praktiken journalistischer Akteure inner- oder ausserhalb von Medienorganisationen als auch deren Strukturkontext, der wiederum journalistisches Handeln prägt.

Kurz erklärt: Bausteine eines Qualitätsmanagementsystems

Bausteine eines Qualitätsmanagements des Arbeits- und Forschungsbereichs Journalistik am IAM
Ein Qualitätsmanagementsystem misst, wie sich Normen, Ressourcen und Prozesse eines Medienunternehmens auf dessen Medieninhalte und Publikum auswirken.

In der Schweiz sind die Radio- und Fernsehstationen gesetzlich dazu verpflichtet, die Qualität ihrer Programme regelmässig von einer externen Evaluationsstelle prüfen zu lassen. Was aber bedeutet Qualität von Medienprodukten, wie kann sie gemessen werden und wie kann sie langfristig mit Systemen zur Qualitätssicherung gewährleistet werden?

Zur Beantwortung dieser Fragen haben wir ein Qualitätsmanagementsystem entwickelt. Es zielt erstens auf die Entwicklung und Einhaltung von qualitäts- oder verfahrensbezogenen Regeln und Standards, also auf die Etablierung einer organisationalen Verantwortungskultur ab. Diese Kultur sollte Formen der transparenten Selbstbindung – etwa Codes of Conduct, Ethik-Kodizes oder Media Accountability Systeme – einschliessen. Zweitens sind allokative und autoritative Ressourcen und Prozesse, wie qualifiziertes Personal, Mitarbeitergespräche und Weiterbildungsangebote, für ein wirksames Qualitätsmanagement zentral.

Redaktionelles Qualitätsmanagement ist dann zielführend, wenn in Redaktionen – ausgehend von Qualitätsgrundsätzen und einer Qualitätsstrategie – ausgehandelte Qualitätsziele und Standards nach innen und außen kommuniziert werden und das Erreichen dieser Ziele unter Rückgriff auf bestimmte organisationale Regeln und Ressourcen in einem fortlaufenden Prozess gesteuert und überwacht wird.

Im Rahmen einer Evaluation ermitteln wir mit sozialwissenschaftlichen Methoden (Dokumentenanalyse, Onlinebefragung, Leitfadengespräch und stichprobenartiges Beobachten vor Ort), inwiefern im redaktionellen Alltag Instrumente und Verfahren der Qualitätssicherung zur Anwendung kommen.

Forschung

Die Journalistik beschreibt, analysiert und bewertet Orientierungshorizonte, institutionelle Ordnungen (Regeln und Ressourcen wie auch Herrschaftsstrukturen) sowie soziale Praktiken des journalistischen Handelns in ihrem rekursiven Verhältnis zueinander. Daraus lässt sich ein System von Forschungs-, Lehr und Beratungsfeldern (siehe Abbildung) ableiten, die bearbeitet werden und in denen wir unsere Kompetenzen einbringen, um aus eigenen Erkenntnissen Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Ausgewählte Forschungsprojekte

Das Projekt Worlds of Journalism: Switzerland ist eine Umfrage zu den Strukturen des Schweizer Journalismus: Arbeitsbedingungen, Normen, Rollen, Tätigkeiten. Das Projekt hat eine Laufzeit von zwei Jahren und wird im Rahmen des internationalen Forschungsverbundes Worlds of Journalism durchgeführt. Projektpartnerin in der Westschweiz ist Prof. Dr. Annik Dubied (Universität Neuenburg). Lesen Sie den Kurzbericht (PDF 172,4 KB) mit den wichtigsten Ergebnissen.

Das Projekt Medienqualität Schweiz analysiert, vergleicht und bewertet das Informationsangebot der rund 30 reichweitenstärksten überregionalen Pressetitel, Newssites und Informationsformate der elektronischen Medien (Radio/TV) nach einem vorgegebenen Raster in Bezug auf relevante Qualitätsaspekte. Zusätzlich messen und bewerten wir die organisationalen Strukturen zur Qualitätssicherung der ausgewählten Medienorganisationen bzw. Redaktionen.

Das Projekt Radar Medienkritik Schweiz wird ebenfalls vom Schweizer Nationalfonds über zwei Jahre finanziert und untersucht mit Hilfe eines Mehrmethodendesigns die Struktur und den Inhalt der öffentlichen Medienkritik in der Schweiz. Projektpartner sind die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur sowie das European Journalism Observatory der Universität Lugano.

Lehre

Die Einführung in die Journalistik vermittelt Journalismus als Funktionssystem der Öffentlichkeit. Die Studierenden erkennen die Rahmenbedingungen, die das journalistische Handeln steuern und können den Einfluss organisationaler Strukturen auf den Journalismus einschätzen. Zudem lernen sie, wie Journalismus und Medien genutzt werden und wie Medienwirkungen auf Rezipienten entstehen. Sie setzen sich mit den Bedingungen auseinander, die journalistische Qualität ermöglichen – gerade unter sich verändernden Bedingungen. 

Die Studierenden kennen zentrale Prinzipien und Entscheidungslogiken der Medienethik. Sie sind in der Lage, eigenes und fremdes Handeln unter Rückgriff auf berufskulturelle Standards zu rechtfertigen oder zu sanktionieren. Darüber hinaus lernen sie, dass freie journalistische Medien auch Qualitätssicherung und Verantwortung voraussetzen. Medienkritik ist dabei ein konstitutiver Faktor, der die Medien durch Fremdbeobachtung zur Selbstbeobachtung zwingt. Schliesslich setzen sich die Studierenden unter Rückgriff auf theoretische Ansätze an konkreten Fällen mit Fragestellungen der Journalistik auseinander (z.B. Terrorberichterstattung, Genderfragen, Arbeitsbedingungen, Qualitätsdebatte, Medienpolitik und Medienförderung, Innovationen, Datenjournalismus, Partizipation).  

Auf der konsekutiven Masterstufe (MA) bieten wir mit der Partnerhochschule Hamburg Media School den Master of Digital Journalism an.

Weiterbildung

Die forschungsbasierten Weiterbildungsangebote des Forschungs-und Arbeitsbereichs Journalistik sind:

Beratung

Die forschungsbasierten Beratungsprojekte im Forschungs- und Arbeitsbereich Journalistik greifen Probleme der journalistischen Praxis auf und tragen zur Optimierung journalistischen Handelns und dessen Strukturen bei. 

Folgende Beispiele illustrieren das Beratungsangebot der Journalistik:

Im Auftrag der «Mediengewerkschaft Syndicom Schweizer Medienschaffender» untersuchen wir im Projekt «Journalistische Arbeitsbedingungen im öffentlichen und Privaten Rundfunk in der Schweiz» die angesichts der Konvergenz prekärer gewordenen Arbeitsbedingungen der Journalisten der SRG sowie im Privatrundfunk und ziehen Schlussfolgerungen für gewerkschaftliche Forderungen. Leitung: Prof. Dr. Vinzenz Wyss 

Das Projekt «ORM4Soil: Farmer driven Organic Resource Management to build Soil Fertility» (2014-2020) untersucht in Zusammenarbeit mit zehn afrikanischen Universitäten und Forschungsinstitutionen in den Ländern Mali, Ghana, Zambia und Kenia, warum Bauern in Afrika vorhandene Technologien zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit nicht einsetzen. Darauf aufbauend werden neue agrarische und kommunikative Massnahmen erprobt, welche die erkannten Hindernisse überwinden sollen.
Gesamtleitung: Forschungsinstitut für Biologischen Landbau FiBL. Projektleitung am IAM: Christoph Spurk. Projektwebsite des Schweizerischen Nationalfonds (SNF). 

Im Projekt «Qualitätsmanagement im öffentlichen und privaten Rundfunk» evaluieren wir in Zusammenarbeit mit MQA - Media Quality Assessment seit 2009 regelmässig die Qualitätssicherungssysteme von zehn Redaktionen im öffentlichen (SRF) und privaten Rundfunk der Deutschschweiz. Projektleitung: Prof. Dr. Vinzenz Wyss

Publikationen

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungs- und Arbeitsbereichs Journalistik veröffentlichen ihre Forschungsresultate regelmässig in wissenschaftlichen Publikationen.

Team