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Gesundheitskompetenz in herausfordernden Kontexten

Auf einen Blick

Beschreibung

Hintergrund

Eine Befragung mit einer an die Schweiz angepassten Version des European health literacy survey (HLS-EU) zeigt, dass eine tiefe Gesundheitskompetenz am ausgeprägtesten ist bei Personen, die von finanzieller Deprivation betroffen sind, einen tiefen Bildungsstand haben und älter als 75 Jahre sind. Gleichzeitig ist finanzielle Deprivation auch verbunden mit einem schlechten Gesundheitszustand (Bieri et al., 2016). Überschneidend mit den Schweizer Ergebnissen findet auch die europäische Befragung in acht Ländern einen sozialen Gradienten in Gesundheitskompetenz, der sich noch verstärkt durch die Zugehörigkeit zu bestimmten Bevölkerungsuntergruppen, v.a. finanzieller Deprivation (Sørensen et al., 2015). Es erscheint deshalb zentral, die Bedürfnisse dieser Personen mit finanzieller Deprivation in Hinblick auf Gesundheitskompetenz besser zu verstehen und darauf aufbauend die Gesundheitskompetenz zu stärken. Liechty (2011) macht darauf aufmerksam, dass die Sozialarbeit im Gesundheitsbereich über viel Expertise in Umgang mit Patienten mit tiefer Gesundheitskompetenz verfügt – wie zum Beispiel Patientenedukation oder Empowerment von Patienten und somit Potential besteht, in der Sozialarbeit Initiativen zur Gesundheitskompetenz zu entwickeln. Nur wird dies bisher wenig genutzt (Liechty, 2011). Dies trifft auch auf Kompetenzen der allgemeinen Sozialarbeit zu. Zudem sind Personen mit finanzieller Deprivation, die sich in schlechten Lebenslagen befinden, eine äusserst heterogene Zielgruppe. Sozialberatende Organisationen können diese Personen durch ihre Niederschwelligkeit gut erreichen.

Ziele / Fragestellung

Das Projekt zielte darauf, besser zu verstehen, wie Menschen in schwierigen Lebenslagen ihre Gesundheitskompetenz erwerben und wie die Kontexte dies erschweren oder erleichtern. Weiterhin wurden die Möglichkeiten betrachtet, wie sozialberatende Organisationen einen Beitrag zur Gesundheitsförderung leisten können.

Methode

Es wurden leitfadengestützte Interviews mit KlientInnen der sozialberatenden Organisationen und Fokusgruppen mit Fachpersonen der sozialberatenden Organisationen durchgeführt.

Nutzen/Resultate

Die Ergebnisse zeigten, dass die interviewten Personen in vielen Bereichen über gut ausgeprägte Gesundheitskompetenzen verfügten (z. B. Wissen um gesundheitsförderliche oder gesundheitshinderliche Faktoren). Allerdings zeigten sich auch klare Kompetenzgrenzen und ein Bedarf an Information und Unterstützung. Barrieren für eine gute Gesundheit sind dabei nur teilweise in einer beschränkten individuellen Gesundheitskompetenz zu sehen. Vielmehr haben die Erkenntnisse bekräftigt, wie wichtig gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen sind, um die Potenziale für ein gesundes Leben und erworbene Gesundheitskompetenz ausschöpfen zu können. Belastende Faktoren waren bspw. eine prekäre finanzielle Situation und dadurch ausgelöster Stress, Mehrfachbelastungen durch Arbeit/Weiterbildung und Familie, ungenügende Entlastung von den Herausforderungen des Familienalltags, fehlende Berufs- und Lebensperspektiven sowie fehlende Unterstützung aus dem sozialen Umfeld oder durch Behörden. Als unterstützende Massnahmen haben sich beispielsweise die frühzeitige Vermittlung von gesundheitsrelevanten Informationen und Unterstützungsangeboten erwiesen, eine rasche unbürokratische Unterstützung in Notsituationen oder Unterstützung beim Aufbau und in der Pflege von tragenden sozialen Beziehungen. Zur Förderung der individuellen Gesundheitskompetenz sind Angebote im Bereich des persönlichen Coachings (Orientierung, Lebensperspektiven) denkbar sowie auch Angebote zur Weiterentwicklung spezifischer Kompetenzen (z.B. digitale Medienkompetenz).

Weiterführende Informationen