Eingabe löschen

Kopfbereich

Schnellnavigation

Hauptnavigation

Editorials Jahresbericht 2023

Der Gesellschaft verpflichtet

Freiheit ist ein hohes Gut. Gerade in der Hochschullehre und -forschung. In der Schweiz ist diese Freiheit sogar in der Bundesverfassung garantiert. Das mag vielen hierzulande als selbstverständlich erscheinen. Doch das ist es nicht. Vor allem in der heutigen Welt voller vorschneller Gedanken und lauter Anklagen. Es braucht Orte des leisen Abwägens und des behutsamen Differenzierens. Es braucht freie Hochschulen, an denen kritisches Denken Platz hat.

Doch Freiheit bedeutet immer auch Verantwortung. Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, weil diese die Hochschulen trägt. Und Verantwortung gegenüber dem Staat, der einen verlässlichen Rahmen für Lehre und Forschung schafft.

Die Zürcher Regierung möchte der Beziehung zwischen Hochschule und Staat einen neuen Rahmen geben – mit einer Eigentümerstrategie. Diese Strategie soll einerseits die Freiheit der Hochschulen sicherstellen. Andererseits regelt sie die Aufsicht durch den Kantonsrat und den Regierungsrat. Ich sehe die Rolle der Politik darin, den Hochschulen den Rücken freizuhalten, indem sie die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung stellt. Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Politik strategische Ziele vorgeben kann. Der Kanton erwartet von den Hochschulen, dass sie transparent Auskunft über ihre Entwicklung geben. Das sind die Bestandteile der neuen Eigentümerstrategie. Sie bringt allen Beteiligten Vorteile und ermöglicht es den Hochschulen, ihre hervorragende Arbeit zu leisten – im Dienste der Wissenschaft und der Gesellschaft.

Gerade Fachhochschulen können der Gesellschaft sehr viel zurückgeben. Sie lehren und forschen nahe am Alltag der Menschen. Sei es, indem sie neue Wege des nachhaltigen Bauens suchen oder über Gesundheitsprävention nachdenken. Sei es, indem sie Kunst schaffen und die Kreativwirtschaft unseres Kantons stärken. Oder sei es, indem sie unsere Zukunft gestalten mit der Ausbildung der Vorbilder der nächsten Generation – den Lehrerinnen und Lehrern.

Die Nähe der Fachhochschulen zur Gesellschaft zeigt sich insbesondere bei den berufsorientierten Studiengängen. Sie ermöglichen Verbindungen zwischen der Berufsbildung, den Unternehmen und den Hochschulen. Nicht von ungefähr stösst das Erfolgsmodell der Fachhochschulen im Ausland – gerade in Zeiten hoher politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit – auf grosses Interesse. Fachhochschulen bilden Fachkräfte aus, die auf dem Markt gesucht sind.

Fachkräfte sind nicht nur Sachverständige. Sie lernen in ihrer Ausbildung auch, ihr Wissen verantwortungsvoll einzubringen. Und das ist wichtiger denn je. Denn unsere Welt dreht sich immer schneller, und der Ruf nach vermeintlich einfachen Lösungen wird immer lauter. Umso wichtiger werden Orte wie unsere Hochschulen, an denen Menschen in Ruhe über Lösungen nachdenken können. Diese Freiheit muss das oberste Gut unserer Hochschulen bleiben. Dafür werde ich mich weiterhin einsetzen.

Dr. Silvia Steiner, Regierungsrätin und Präsidentin des Fachhochschulrats

Aktuelle Herausforderungen angehen

Die Gesellschaft steht vor vielfältigen Herausforderungen, zu deren Bewältigung die Hochschulen beitragen. Zu den drängends­ten Herausforderungen gehört der Klimawandel und damit die Entwicklung nachhaltiger Energiesysteme. ZHAW ­Forschende suchen unter anderem im Rahmen des nationalen Energieforschungsprogramms SWEET – Swiss Energy research for the Energy Transition – in trans­ und interdisziplinären Konsortien Lösungen für den Umbau des Schweizer Energiesystems. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Umsetzung der Energie­strategie 2050 und zur Erreichung der Schweizer Klimaziele. Forschungsteams der ZHAW gelang es, unterschiedliche Poten­ ziale zur effizienten Energieproduktion aufzuzeigen – den Beitrag etwa, den alpine Solaranlagen oder Agri-­Photovoltaik für die Versorgungssicherheit leisten und damit die Stromversorgung ohne den Zubau von fossilen Kraftwerken sichern könnten. Weitere Projekte erforschen die Substitution fossiler Energieträger wie den Einsatz von Wasserstoff als Brennstoff in Gasturbinen oder saisonale Energiespeicher, durch deren Ausbau diese Substitution durch erneuerbare Energien einfacher machbar sein wird.

Um der Klimawende, der wachsenden Weltbevölkerung und den limitierten natürlichen Ressourcen zu begegnen, engagiert sich die ZHAW unter dem Motto «Regenerative Food for Planetary Health» für eine nachhaltige Ernährung – mit besonderem Fokus auf den lokalen und regionalen Einfluss auf die Ernährungszukunft der Schweiz. Im neu eröffneten "Future­ of­ Food­"-Campus in Wädenswil erforschen Mitarbeitende und Studierende die gesamte Wertschöpfung von Lebensmitteln, vom Rohstoff über die Ver­arbeitung bis hin zum Qualitätsmanagement und Marketing, und unterstützen deren Transformation. So arbeiten sie an nachhalti­gen Verpackungsstoffen aus organischen oder rezyklierbaren Materialien oder testen, wie sich Fermentation gezielt einsetzen lässt, um Lebensmittel genussvoller sowie besser verdaulich zu machen. Oder sie erforschen, wie wertvolle Reststoffe aus der Lebensmittelverarbeitung für die Ernährung nutzbar gemacht werden können – wie Schokoladenglace mit Zusatz von Kakao­bohnenschalen oder Spaghetti mit Weizenkleianteilen.

Der Beitritt zur Hochschulallianz European Engineering Learning Innovation and Science Alliance (EELISA) ermöglicht der ZHAW, mit hochrangigen Universitäten aus dem EU­Raum zu kooperie­ren und Partnerschaften innerhalb Europas zu stärken. Die Verankerung im europäischen Hochschulraum ist unter anderem wichtig, um Studierende für die globale Arbeitswelt vorzubereiten und für Forschungskooperationen im Rahmen von EU­Projek­ten. Erste Erfolge neben der Unterzeichnung von Consortium und Grant Agreements sind Teilnehmende an ZHAW-­Kursen im EELISA­-Kurskatalog wie Aquaponik und – auf Initiative der ZHAW – die Gründung einer Ecological-­Engineering­-Community, in der Studierende sowie akademisches und technisches Personal die Entwicklungen zu aktuellen gesellschaftlichen Themen bearbeiten. Mit den EELISA-­Days im November und gemeinsa­men Aktivitäten wie Vorlesungen, Ausstellungen oder Hackatons mit über 3 600 Teilnehmenden wurde der Austausch gestärkt.

Die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen erfordern neue Lösungen. Die ZHAW gestaltet diese aktiv mit.

Dr. Michael Alkalay, Mitglied des Fachhochschulrats, Referent ZHAW

Dr. Matthias Kaiserswerth, Mitglied des Fachhochschulrats, Referent ZHAW

Ulrich Jakob Looser, Mitglied des Fachhochschulrats, Referent ZHAW

Prof. Dr. Dr. h.c. Andrea Schenker-Wicki, Mitglied des Fachhochschulrats, Referentin ZHAW

Wichtige Weichen gestellt

Die Schweiz ist historisch, kulturell, wirtschaftlich und bildungs­geschichtlich ein Teil von Europa. Mit der Teilnahme an EU-Forschungsprojekten, der Mitgliedschaft in der European University Association (EUA) und den Kooperationen im Studierenden­austausch arbeitet die ZHAW seit Jahren an der Verankerung im europäischen Hochschulraum, ganz im Sinne ihrer Hochschul­strategie. Um den globalen Herausforderungen in Lehre und Forschung gerecht zu werden, reicht dies jedoch nicht mehr. Gefordert ist eine institutionelle Zusammenarbeit in einer European University, in Allianzen von Hochschulen, die von der Europäischen Kommission anerkannt und unterstützt werden.

Ein wichtiger Schritt hierfür wurde 2023 unternommen. Seit Januar ist die ZHAW Mitglied einer European University, der Hochschulallianz European Engineering Learning Innovation and Science Alliance (EELISA), einem Zusammenschluss von zehn Hochschulen aus acht europäischen Ländern. Gemeinsam möchten sie einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Hochschul­bildung in Europa leisten. Die ZHAW wird sich insbesondere in zwei Schwerpunkten einbringen: In Employability und Partners­hips, in der sie durch ihre Anwendungs-­ und Praxisorientierung sowie der engen Zusammenarbeit mit Wirtschaftspartnern und Verbänden viel Wissen und Erfahrung mitbringt, sowie im Schwerpunkt Innovation und Entrepreneurship. Ein verein­fachter Studierendenaustausch, ein gemeinsames Modulangebot und der Aufbau von Joint ­Degrees sowie Doktoratsprogrammen, Zugang zu Austausch­-Plattformen für nachhaltige Entwicklung sowie Forschungskooperationen im Rahmen von EU-­Projekten bieten der ZHAW weitere spannende Perspektiven.

Unter anderem im Rahmen von EELISA möchte sich die ZHAW mit Open Innovation, einem Kernelement der Open-Science-Bewegung, befassen. Dabei geht es um das Teilen von Wissen und Infrastruktur mit dem Ziel, Innovationen zu fördern. Die Aufgabe von Hochschulen, kollaborative Innovationsprozesse zu unterstützen, zeigt sich beispielhaft am Proof of Concept Lab in Winterthur. Oder auch am neuen Future-of-Food-Campus in Wädenswil. Hier arbeiten Forschende und Studierende gemeinsam an Elementen einer nachhaltigen, genussvollen und gesunden Ernährung für die Zukunft. Die ZHAW fördert Open Innovation auch mit der strategischen Initiative ZHAW entrepreneurship. Damit wird die Weiterentwicklung der ZHAW als Entrepreneurial University unterstützt.

Wichtige Weichen sind gestellt – jetzt können wir weiter vorwärts gehen.

Prof. Dr. Jean-Marc Piveteau, Rektor