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Ein Videogame zur Trauerverarbeitung für ukrainische Kinder und Jugendliche in Zürich

Von Gaming bis Governance: Vier Projekte wurden im Innovationsprogramm der Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen (DIZH) bewilligt. Dank engem Praxisbezug können digitale Lösungen zum Umgang mit Notsituationen als Folge des Kriegs gegen die Ukraine beitragen.

Das Bild zeigt die ukrainische Flagge mit einer Glühbirne im Vordergrund.

Der Krieg gegen die Ukraine gilt in verschiedener Hinsicht als Zeitenwende mit Auswirkungen auf vielen gesellschaftlichen Ebenen. In kurzer Zeit ist eine sehr grosse Zahl von Menschen in eine unmittelbare Notlage geraten. Mit der Aufnahme von zahlreichen Geflüchteten ist auch der Kanton Zürich mit signifikanten Herausforderungen konfrontiert. Im Rapid-Action-Call «Umgang mit Notsituationen als Folgen des Kriegs gegen die Ukraine» werden Projekte unterstützt, die mit rasch realisierbaren Massnahmen auf diese Krisensituation reagieren. Deren Erkenntnisse können auch für den Umgang mit weiteren Notsituationen eingesetzt werden. Die Projekte, die mit insgesamt 400'000 CHF gefördert werden, beschäftigen sich mit digitalen Plattformen, Videogame und digitaler Transformation.

Where am I? Ein Videogame zur baukulturellen Integration und Trauerverarbeitung für ukrainische Kinder und Jugendliche in Zürich

Über ein innovatives Videogame sollen sich geflüchtete Kinder aus der Ukraine besser in Zürich integrieren und wohlfühlen. Sie können auf virtuellem Weg spielerisch die Stadt Zürich erkunden und gleichzeitig Ortsbezüge zu ihrer Heimatstadt herstellen. In einem 3D-Modell werden prägende Gebäude von Zürich modelliert, z.B. der Hauptbahnhof, die ETH Zürich oder der Letzigrund, und können beliebig durch entsprechende Gebäude aus ukrainischen Städten ersetzt werden, z.B. Vozdvyzhenka, die St. Andreas Kirche oder das NSK Olympiyskiy Stadion.

Andri Gerber, Professor Städtebaugeschichte

"Wir hoffen damit einen konkreten Beitrag zu leisten und keine Spielerei."

Andri, wie bist du auf die Idee mit diesem "Spiel" gekommen?

Wir haben in den Medien oft Bilder von Jugendlichen in Bunkern oder Notunterkünften gesehen, die über ihre Tablets oder Smartphones gebückt sassen. Für viele die einzige Art vor einer schrecklichen Realität zu flüchten, aber auch um Informationen zu suchen. Unser Spiel soll ihnen helfen, sich mit Zürich vertraut zu machen, gleichzeitig aber auch die Möglichkeit geben, die eigene Heimat virtuell auf die Stadt zu überlagern. Es soll ein Palimpsest entstehen, bei dem Zürcher Monumente durch Ukrainische ersetzt werden können. 

Was ist dein Bezug zur Ukraine?

Persönlich war ich noch in der Ukraine. Als Architekt und Historiker kenne ich aber das baukulturelle Erbe dieses Landes sehr gut, vor allem die brutalistische Nachkriegsarchitektur, wie die grossartige Metrostation in Dnipro von 1960. Ich kenne Personen, die dort Flüchtlinge aufgenommen haben. Eine Ukrainerin, die jetzt in Zürich wohnt, wird uns bei der Übersetzung des Games helfen.  

Wie aufwendig ist das Programmieren dieser Landschaft?

Wie immer ist es weniger eine Frage der virtuellen Landschaft als der Mechanik und des Graphical User Interface. Hier hilft uns unserer Praxispartner Blindflug Studios. Für die Modellierung der Stadt und der Monumente werde ich mit unseren Studierenden an der ZHAW arbeiten. Wir hoffen im Herbst fertig zu sein. Das setzt aber eine gute Planung voraus. Es ist natürlich auch eine Ehrensache und Herzensangelegenheit. Wir hoffen damit einen konkreten Beitrag zu leisten und keine Spielerei. Das wird sich zeigen, wenn wir mit dem Projekt fertig sein werden und das Spiel zur Anwendung kommt. 

Informations- und Meldeplattform Ukraine-Flüchtlinge

Die private Unterbringung von Geflüchteten wird auch zukünftig von grosser Relevanz sein. Dabei sind vulnerable Gruppen wie Frauen, Kinder oder Minderjährige, die allein unterwegs sind, durch Missbrauch und Übergriffen gefährdet. Im Austausch mit zivilgesellschaftlichen und staatlichen Organisationen wird eine Onlineplattform entwickelt, die Geflüchteten aus der Ukraine Orientierung bietet und sie vor Ausbeutung schützt. Zudem unterstützt die Informationsplattform private Gastgebende im Umgang mit geflüchteten Menschen.

Government as/is a platform: Orchestrierung der Krisenbeteiligten in der Flüchtlingskrise durch digitale Plattformen im Kanton Zürich

Das Projekt nutzt die Vorteile digitaler Plattformen und deren Prinzipien, um die Koordination und Orchestrierung der relevanten Akteur:innen im Kanton Zürich im Zusammenhang mit der UkraineKrise zu verbessern. Ziel ist ein Orchestrierungsframework für die Plattformisierung der öffentlichen Verwaltung in Hinsicht auf die technischen, organisatorischen und kulturellen Aspekte, indem das Engagement der Zivilgesellschaft und des privaten Sektors mit den Ressourcen des Staates verknüpft und die Zusammenarbeit besser orchestriert wird. Das Projekt trägt dazu bei, dass Menschen auf der Flucht eine bessere Orientierung in der Datenflut um das zur Verfügung stehende Angebot an Hilfsleistungen haben und administrative Prozesse rund um das Leben in der Schweiz nutzen können.

Economic Priorities in Post-War Ukraine

Das Projekt soll dazu beitragen, wirtschaftliche und strukturelle Reformen zu ermöglichen, sobald der Frieden in der Ukraine erreicht ist. Unter anderem werden dabei Erkenntnisse aus der Schweiz in Bezug auf die dezentrale Verwaltung und digitale Transformation einfliessen. In Zusammenarbeit mit der ukrainischen Regierung und politischen Entscheidungsträger:innen und Wissenschaftler:innen aus der Region wird das Projekt ein Konzept für rasche Wirtschaftsreformen in der Zeit des Wiederaufbaus liefern – unter anderem in den Bereichen E-Governance, digitale Transformation und Nachhaltigkeit. Damit kann das Projekt dazu beitragen, dass geflüchtete Menschen in ihrer Heimat eine Perspektive haben.

Weitere Informationen zu den geförderten Projekten gibt es hier.