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Sturzprävention

Literaturrecherche zur Erarbeitung eines interdisziplinären Sturzpfades

Auf einen Blick

Beschreibung

Zielsetzung

Ältere Menschen sind einem erhöhten Sturzrisiko ausgesetzt. Stürze führen zu Verletzungen und ziehen häufig langfristig Verlust der Selbstständigkeit und Immobilität nach sich. Stürze zu verhindern und Verletzungsrisiken bei Stürzen zu reduzieren, ist deshalb ein wichtiges Ziel, das von Medizinern, Pflegekräften, Therapeuten und Sozialdiensten verfolgt wird. Die folgenden Fragestellungen sollten mittels Literaturrecherche beantwortet werden:


1. Mit welchen Assessments und Massnahmen können Menschen im hohen Alter mit Sturzrisiko oder bereits erfolgten Stürzen identifiziert und befundet werden?

2. Welche präventiven Massnahmen und Interventionen sind geeignet, um Sturzrisiken und Verletzungsrisiken zu reduzieren?

Ziel ist die Erarbeitung eines interprofessionellen Sturzpfades für das „Kompetenzzentrum Gesundheit und Alter St. Gallen“.


Methodisches Vorgehen

Es wurden Studien der Berufsgruppen Ärzte, Pflegekräfte, Physiotherapie und der Ergotherapie vorrangig im Krankenhaus und in langfristigen Betreuungseinrichtungen betrachtet.


1. Datenbankrecherche und Freihandsuche

In medizinischen und sozialwissenschaftlichen Datenbanken wurden Artikel mit Erscheinungsdatum von 2000 bis 2010 recherchiert. Es wurden überwiegend Metaanalysen, systematische Reviews und Reviews in die Auswertung einbezogen.

Per Freihandsuche wurde nach Leitlinien gesucht. Leitlinien geben Empfehlungen für Entscheidungsprozesse und Vorgehensweisen bei bestimmten Gesundheitsproblemen und Krankheitsbildern. Sie bieten einen Überblick über geeignete Assessments, Präventionsmassnahmen und Interventionen. Die Empfehlungen der evidenzbasierten Leitlinien sind mit in die Auswertungstabellen aufgenommen worden.


2. Auswertung der Literatur

Die Literatur wurde anhand der Aussagen in den Abstracts in Tabellen sortiert nach:

1.Umweltbezogene Prävention: alle Massnahmen, die der Umweltanpassung dienen, z.B. Wohnraumanpassung, Hilfsmittel, Schuhwerk, Hüftprotektoren etc.

2.Personbezogene Interventionen: Trainingsmassnahmen wie funktionelles Training, ADL-Training, kognitives oder Verhaltenstraining, Tai Chi etc.

3.Edukation: alle Bildungsmassnahmen für Patienten, Angehörige und Personal.

4.Assessments: Tests, Tools und andere Assessments zum Grobscreening, differenzierten Erhebung von Risikofaktoren und Evaluation von Interventionen.


Ergebnisse

Es liegen zahlreiche Studien zum Thema Sturzprävention vor. In die Auswertung konnten 213 Studien einbezogen werden. Sturzprävention sollte multidisziplinär und multifaktoriell ausgerichtet sein. Überprüfung der Medikation und Umweltanpassung stellen die wichtigsten Faktoren dar. Kontinuierliche Schulung des Personals hat sich als wirksam erwiesen, während Patientenschulungen einen geringen Effekt auf die Sturzrate zeigen. Funktionelle Übungen sollten Balance- und Krafttraining umfassen und Sturzangst und Selbstwirksamkeit mit einbeziehen. Interventionen sollten individuell auf Patienten bzw. auf spezielle Risikogruppen abgestimmt werden. Über Patienten mit Demenz konnten nur wenige Studien gefunden werden. Überwachung durch Personen oder elektronische Systeme, sichere Umwelt und Edukation haben sich für diese Patientengruppe als wirksam erwiesen. Interventionen sollten die Unabhängigkeit und Aktivitätsmöglichkeiten der Patienten nicht einschränken. Fixierungen sind weder ethisch vertretbar noch reduzieren sie Verletzungen.