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Persönlichkeitsentwicklung – Lehren und Lernen nah am Menschen

Studierende, Dozierende und Mitarbeitende werden ihn ihrem ZHAW-Alltag immer wieder mit Druck konfrontiert. Wie damit umgehen, sich trotzdem wohlfühlen und kreativ sein? Diesen Fragen ging die 9. ZHAW-Persönlichkeitstagung mit einem überraschenden und interaktiven Programm nach.

«Betrachten Sie das Leben als Roulette»

Unter Druck kreativ sein – was viele Menschen vor eine schier unüberwindbare Herausforderung stellt, ist für das Ensemble eines Improvisationstheaters täglich Brot. So auch für das Roseway Improtheater, welches den interaktiven, amüsanten und musikalischen Einstieg in die 9. Persönlichkeitstagung der ZHAW in den Räumen des Departements Architektur gestaltete. Dieses Intro schien auch Daniel Süss in seinen einführenden Worten zu beeindrucken. «Es ist wichtig, sich an neue Dinge zu wagen, um seine Identitätsentwicklung voranzutreiben», erklärte der stellvertretende Direktor des ZHAW-Departements Angewandte Psychologie und Leiter des Psychologischen Instituts. Der Psychologe führte durch das Programm der Persönlichkeitstagung, welche unter dem Titel «Kreativität – Wohlbefinden – Identität» stattfand. 

«Use it or loose it»

Mehrere Inputs für neue Erfahrungen lieferte denn auch die erste Referentin, Monika Wigger von der Katholischen Hochschule Freiburg, in ihrem Referat «Kreativ-sinnliches Wahrnehmen, Handeln und Begegnen als erweiterter Möglichkeitsraum». Darin zeigte sie in vielen praxisbezogenen Beispielen auf, dass sinnliches Wahrnehmen ein aktiver Prozess, eine Begegnung mit der Umwelt, subjektiv, mit allen Sinnen und auch ohne Worte möglich ist. Ihre Message an unsere Hirne als «anwendungsorientierte Organe» ist klar: «Use it or loose it», so die Professorin für Ästhetik und Kommunikation. «Bewegen Sie sich auf das Leben zu, gehen Sie in die Natur, versinken Sie in Betrachtung oder Tat und nehmen Sie die Welt mit all ihren Sinnen wahr», empfahl Wigger. Denn Kunst mache glücklich: «Es geht nicht um das Ergebnis, sondern um das Wohlbefinden, dass beim Prozess entsteht.» 

Das Leben als Roulette betrachten

Stefan Spiegelberg, Dozent und Leiter Career Services ZHAW am Departement Angewandte Psychologie, erzählte in seinem Referat «Dem Zufall auf die Sprünge helfen. Gelassen(er) vom Studium ins Berufsleben» aus dem Nähkästchen als Berater von Jugendlichen und Erwachsenen. «Es ist schade, dass man sich bei einem solch spannenden Thema wie Berufseinstieg oder Neuorientierung von Angst und Druck einschränken lässt.» Er rät davon ab, sein Leben durchplanen zu wollen. «Betrachten Sie das Leben als Roulette», rät Spiegelberg. Und wer bereits auf eine Laufbahn zurückblicken könne, solle bei der Retrospektive darauf achten, wie oft der Zufall darauf Einfluss gehabt habe. «Zelebrieren Sie die planvolle Offenheit», rät er. Diese basiert darauf, dass man seine Richtung und seine Werte kenne und dann auf andere zugehe, aktiv werde und dabei seine Komfortzone auch verlasse, so Spiegelberg.

Der letzte Input lieferte Philipp Esch, Dozent am ZHAW-Departement Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen unter dem Titel «Wenn es Wirklichkeitssinn gibt, muss es auch Möglichkeitssinn geben». Esch ging darin auf die Gestaltbarkeit des Lebens ein: «Umso mehr mir die Gestaltbarkeit meines Lebens bewusst ist, umso kreativer bin ich und umso höher ist mein Wohlbefinden.» Aus diesem Grund stifte er seine Studierende zu mehr Möglichkeitssinn und zum Anzweifeln von Standpunkten an. «Zwar macht Anzweifeln kaum Spass, aber Zweifeln muss geübt werden, um das Glück der Erkenntnis zu erfahren», so Esch. Nebst Möglichkeitssinn ist für den Dozenten auch die Resonanzerfahrung essentiell für Kreativität: «Die Resonanzerfahrung kann dann eintreten, wenn das Subjekt so nah an der Sache ist, dass es in der Sache drin ist und die Sache in ihm.»  

Theater, Lego oder Stressbewältigung

Die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu sammeln, hatten die rund 140 Teilnehmenden der Persönlichkeitstagung dann am Nachmittag in verschiedenen Diskussionsforen und Workshops. So bestand die Möglichkeit, sich in Improvisationstheater oder Improvisationsmusik zu versuchen, Feldenkrais und Handlettering auszuprobieren oder sich mit philosophischen Betrachtungen zum Thema Identität auseinanderzusetzen. Auch eine vertiefte Beschäftigung mit planvoller Offenheit in der beruflichen Laufbahn oder die Auseinandersetzung mit einem achtsamen Umgang mit Stress waren möglich. Wer lieber mit den Händen als mit dem Kopf dachte, konnte dies im Workshop «Wohlbefinden mit LEGO® Serious Play» ausleben.