Co-Creation in PEATLESS: Sonnenblumenstroh als Torfalternative im Fokus
Mit dem Abschluss der ersten Projektphase des EU-Forschungsprojekts PEATLESS liegen nun wichtige Erkenntnisse aus den Co-Creation-Workshops mit der Praxis vor. Dabei wurden zahlreiche organische Nebenprodukte als mögliche Torfalternativen diskutiert, darunter auch Sonnenblumenstroh, das anschliessend zusammen mit weiteren Materialien an der ZHAW vertieft untersucht wurde.
Die erste Phase des PEATLESS Projekts stand ganz im Zeichen des Austauschs mit der Praxis. Unter der Koordination unserer Forschungsgruppe Geography of Food fanden in den vier Projektländern Belgien, Italien, Spanien und der Schweiz Co-Creation-Workshops statt. Ziel war es, gemeinsam mit Produzent:innen, Berater:innen und Fachleuten zu diskutieren, welche Anforderungen torfreduzierte Substrate erfüllen müssen. Im Schweizer Workshop, der im September stattfand, wurde besonders deutlich, wie wichtig eine konstante Substratqualität ist. Für die Jungpflanzenanzucht sind stabile Struktur, Wasserspeicherung und Homogenität unverzichtbare Voraussetzungen.
Gleichzeitig zeigte sich durch den Workshop, dass eine grosse Offenheit für organische Nebenprodukte besteht, die regional verfügbar sind und bisher kaum genutzt werden. Dabei wurde unter anderem auch Sonnenblumenstroh als mögliches Substratmaterial diskutiert. Sonnenblumen werden in der Schweiz auf über 7'000 Hektaren angebaut. Nach der Körnerernte bleibt viel Pflanzenmaterial zurück, das potenziell als Substratbestandteil dienen könnte.
Ausgehend von diesen Praxisimpulsen unternahm die Forschungsgruppe Hortikultur der ZHAW eine Reihe von Versuchen, um das Potenzial von Sonnenblumenstroh zu prüfen. Im Herbst 2026 wurde Stroh aus verschiedenen Betrieben gesammelt, zerkleinert und trocken defibriert, um eine gleichmässigere Faserstruktur zu erreichen, ein Wunsch, der in den Workshops mehrfach geäussert worden war. In unterschiedlichen Mischverhältnissen wurde das Sonnenblumenstroh in Substrate eingearbeitet. Nebst chemischen und physikalischen Versuchen wurden auch Kultivierungsversuche mit Kresse und Chinakohl durchgeführt.
Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Rohes Sonnenblumenstroh weist zwar hohe pH- und Salzwerte auf, bietet aber gleichzeitig eine interessante Kombination aus Strukturstabilität und Wasserhaltevermögen. Besonders in moderaten Anteilen konnte das Material gute Ergebnisse erzielen.
Sonnenblumenstroh besitzt also ein realistisches Potenzial als Bestandteil torfreduzierter Substrate, vorausgesetzt, es wird technisch aufbereitet und gezielt dosiert. Die Erkenntnisse aus Forschung und Praxis fliessen nun insbesondere in die Entwicklung und Prüfung neuer Substratmischungen in den folgenden Projektphasen von PEATLESS.
Mehr Hintergründe zu den Versuchen mit Sonnenblumenstroh sind im Blogpost auf der PEATLESS-Projektwebseite zu finden: https://peatless.eu/sunflower-straw-peat-substitute/