Balance finden «mit» und «ohne» KI zwischen Algorithmus und Empathie
Wie gestalten wir Digitalisierung, künstliche Intelligenz (KI) und Robotik im Immobilien- und Facility Management verantwortungsvoll? Am IFM Day 2026 diskutierten die über 120 Teilnehmenden mit den Impulsreferentinnen und -referenten über den Einsatz von KI, Robotik und Zukunftskompetenzen.
Als Schweizer Kompetenzzentrum für Immobilien- und Facility Management organisiert das Institut für Facility Management (IFM) jedes Jahr einen Begegnungstag für Fachleute aus Lehre und Praxis. Thema des IFM Day 2026 am 6. März war «Mensch – Maschine – Moral». In ihrer Begrüssung sprach die Co-Institutsleiterin Isabelle Wrase den Wandel im Institut, in den Studiengängen sowie im Facility Management an – mit den Worten «Willkommen im KI-Zeitalter». Die Frage sei, wie wir junge Menschen so ausbilden, dass sie im Zeitalter der KI bestehen können. Impulse hierauf sollten nicht nur Dozierende und Forschende geben, sondern Austausch mit der Praxis ist gesucht.
KI trifft Mensch – aus verschiedenen Perspektiven
Der IFM Day brachte mit seinen Referentinnen und Referenten verschiedene Perspektiven ein. Der erste Blickwinkel kam von der Philosophin Suzann-Viola Renninger mit ihrem Impulsreferat zu «KI trifft Mensch». Sie stellte darin drei Thesen auf, die sie auf KI bezog. Erstens sei Syntax etwas anderes als Semantik. Nur weil KI die Regeln anwenden könne, also die Syntax kenne, habe sie noch lange nicht die Bedeutung, z.B. von Worten oder Sätzen, verstanden, also die Semantik. In der zweiten These ging es um die Einheit von Körper und Geist beim Menschen und seine Interaktion mit der Umwelt. In der Folge trägt der Mensch die Verantwortung für die Entscheidung und nicht KI. Die dritte These plädierte dafür, dass wir auch im KI-Zeitalter immer noch gleich lernen müssen. Und Lernen sei am besten, wenn es anstrengend sei – am besten ohne KI.
Im zweiten Impulsreferat zu «Physical AI in Human Centred Services» zeigte Theresa Schmiedel, Leiterin des ZHAW-Instituts für Wirtschaftsinformatik, welche humanoiden Roboter es für welche Anwendungen gibt, und ging auf deren Mangel ein. Bislang fehlt der physischen KI die soziale Intelligenz. Diese sei nicht einfach ein «netter Dialog», sondern essenziell. Wesentliche Dimensionen sind «Wissen» und «Werte», die es Robotern ermöglichen, Gutes zu tun. Theresa Schmiedel nannte als Beispiel eine Situation in einem Altersheim, wenn eine Bewohnerin oder ein Bewohner an einen Termin erinnert werden soll. Vielleicht habe die Person den Termin ja gar nicht vergessen, sondern einfach keine Lust. Der Roboter muss sie nicht einfach erinnern, sondern Überzeugungsarbeit leisten können.
Christian Coenen, Dozent am IFM, widmete sein Referat dem Thema «Wie Zukunftskompetenzen entstehen – und warum wir jetzt anders lernen müssen». Früher war man das «Produkt» eines Bildungssystem und fertig ausgebildet. Doch dieses «fertig» gäbe es nicht mehr. Das Lernen werde zum eigentlichen neuen Wissen. Er plädiert in Anlehnung an Beta-Versionen bei Computerprogrammen für ein Beta-Mindset: Mit diesem sei man gleichzeitig handlungsfähig und immer noch lernbereit. KI macht uns zwar schneller, aber wir wachsen nicht. Beim neuen Lernen geht es also darum, wie wir in einem Zeitalter intelligenter Maschinen sicherstellen können, dass Menschen weiterhin über sich hinauswachsen.
Perspektiven im Dialog in den Workshops
Im Anschluss wurden in drei Workshops die Themen der Impulsreferate vertieft und viel diskutiert. Dabei zeigten sich alle Workshop-Leitenden von der hohen Kompetenz in ihren Räumen begeistert. In Workshop «KI & Robotik: Nicht die Technologie ist moralisch heikel, sondern unser Umgang damit» machte Suzann-Viola Renninger ein Gedankenexperiment mit den Teilnehmenden. Sie stellte die Frage, wie wir denn sicher sein können, dass das Gegenüber ein Mensch ist und nicht etwa ein wirklich fortschrittlicher humanoider Roboter. Theresa Schmiedel nahm sich zusammen mit der IFM-Dozentin Nicole Gerber dem Thema «Roboter im Alltag: Perspektiven für heute und morgen» an und sammelte mit den Teilnehmenden Inputs für den Einsatz von Robotern. Dabei zeigte sich, dass der Umgang mit Notfällen ein wichtiges Thema ist. Im Workshop «High Tech & High Touch in REFM: Zukunftskompetenzen zwischen Algorithmus und Empathie», geleitet von Christian Coenen zusammen mit Irene Arnold, Studiengangleiterin am IFM, zeigte sich, dass es darum geht, die Balance zwischen «mit KI» und «ohne KI» zu finden, damit wir über uns hinauswachsen können.
Ausblick auf kommende Konferenzen
- «Transdisciplinary Workplace Research Conference 2026», 2. bis 5. September 2026 in Zürich - https://www.zhaw.ch/de/lsfm/institute-zentren/ifm/veranstaltungen/twr2026
- «Building Management 2026: Optimierung im Betrieb», 8. September 2026 in Zürich - https://www.zhaw.ch/de/lsfm/weiterbildung/fachtagungen/konferenz-smart-building-management
- «BAUSIM2026», 9. bis 11. September 2026 in Zürich - https://www.zhaw.ch/de/engineering/institute-zentren/icp/bausim2026
- «IFM Day 2027», 5. März 2027 in Wädenswil
Downloads und weitere Informationen
- Medienmitteilung Balance finden «mit» und «ohne» KI zwischen Algorithmus und Empathie (PDF 120 kB)
- IFM Day: www.zhaw.ch/ifm-day
Kontakt
- Christian Coenen, Institut für Facility Management, ZHAW-Departement Life Sciences und Facility Management, christian.coenen@zhaw.ch
- Beatrice Huber, Media Relations ZHAW-Departement Life Sciences und Facility Management, +41 58 934 53 66, beatrice.huber@zhaw.ch