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TeamBirth Switzerland

TeamBirth ist ein evidenzbasiertes und international erprobtes Kommunikationsmodell, das die gemeinsame Entscheidungsfindung in der Geburtshilfe fördert. Nun passen wir das Modell an den Schweizer Gesundheitskontext an.

Was ist TeamBirth?

TeamBirth ist ein evidenzbasiertes und international erprobtes Kommunikationsmodell, das die gemeinsame Entscheidungsfindung in der Geburtshilfe fördern soll. Entwickelt von Ariadne Labs, unter der Leitung von Amber Weiseth von der Harvard T.H. Chan School of Public Health, zielt das Modell auf eine patient:innenzentrierte und transparente Geburtsbetreuung.

Zentrales Element des TeamBirth-Modells sind die sogenannten «Huddles». Huddles sind kurze, klar strukturierte Teambesprechungen zwischen gebärender Person, deren Begleitung, Hebammen, Ärzt:innen und Pflegefachpersonen. Die Teambesprechungen finden während der ambulanten Versorgung in der Schwangerschaft, während des gesamten Geburtsverlaufs sowie im postpartalen Setting statt. In den Huddles werden Handlungsoptionen transparent dargestellt, Entscheidungen gemeinsam besprochen und Versorgungsschritte abgestimmt und gemeinsam geplant werden.

TeamBirth Switzerland

Die reproduktive Gesundheit in der Schweiz steht vor grundlegenden Herausforderungen. Kaiserschnitt- und Einleitungsraten liegen deutlich über den WHO-Empfehlungen und gehören zu den höchsten in Europa. Während die Kaiserschnittraten seit Jahren stagnieren, nehmen Einleitungen weiter zu. Diese Entwicklung verweist auf strukturelle Defizite in der gemeinsamen Entscheidungsfindung und in der interprofessionellen Zusammenarbeit rund um den Geburtsverlauf.

Gleichzeitig berichten über ein Viertel der Gebärenden in der Schweiz von fehlender Mitbestimmung, mangelnder Transparenz und Erfahrungen informeller oder struktureller Gewalt während der Geburt. Eingeschränkte Autonomie und fehlende Partizipation sind nachweislich mit erhöhten Risiken für postpartale psychische Komplikationen wie Depression oder Angst verbunden. Sie beeinträchtigen zudem Still- und Bindungsprozesse sowie das langfristige Wohlbefinden der gesamten Familie – mit relevanten Folgen für die öffentliche Gesundheit und die Versorgungskosten.

Geburtshilfe ist damit weit mehr als ein medizinisches Thema. Sie berührt grundlegende gesellschaftliche Fragen: Werden alle Menschen gleich gut versorgt? Können Gebärende dem System vertrauen? Verstehen sie, was mit ihnen geschieht und warum? Eine gute Versorgung rund um die Geburt muss deshalb den ganzen Menschen in den Blick nehmen – körperlich, psychisch und sozial. Sie muss die Bedürfnisse, Werte und Ressourcen Gebärender und ihrer Begleitpersonen ernst nehmen und aktiv einbeziehen.

Hier setzt unsere Pilotstudie am Stadtspital Zürich Triemli an: Mit der Studie zielen wir darauf ab, diese integrative Perspektive strukturell in Forschung, Lehre und Praxis zu verankern.

Zielsetzung

Ziel unseres Projekts ist es, das TeamBirth-Modell für den Schweizer Kontext anzupassen und erstmals in der Praxis zu erproben. Dabei untersuchen wir, ob und wie gut sich der Ansatz im Alltag umsetzen lässt (Machbarkeit), wie er von Fachpersonen, Gebärenden und ihren Begleitpersonen angenommen wird (Akzeptanz) und welche ersten Wirkungen er zeigt (Wirksamkeit).

Im Mittelpunkt steht ein strukturierter Ansatz, der die Kommunikation zwischen allen Beteiligten verbessert und Gebärende aktiv in Entscheidungen während der Geburt einbezieht (Shared Decision-Making).

Mit der Studie verfolgen wir folgende sekundäre Ziele:

  1. Untersuchung, ob die Implementierung von TeamBirth-Modell mit Veränderungen in patientenberichteten Erfahrungen und Outcomes (PREMs und PROMs) von Gebärenden und deren Partner:innen assoziiert ist.
  2. Untersuchung, ob sich im Zusammenhang mit der Intervention Veränderungen in der klinischen Versorgungspraxis zeigen, insbesondere hinsichtlich Interventionsraten sowie maternaler und neonataler Outcomes.
  3. Identifikation von Kontextfaktoren, Barrieren und förderlichen Bedingungen, die die Adaptation und Implementierung strukturierter Entscheidungsfindung in der Schweizer Geburtshilfe beeinflussen.
  4. Ableitung von Empfehlungen für die nachhaltige Implementierung und mögliche Skalierung des TeamBirth-Modells im Schweizer Kontext.

Methode und Vorgehen

Die Studie umfasst die kontextsensitive Adaptation, Pilotimplementierung und Evaluation des TeamBirth-Modells im Stadtspital Zürich Triemli. Hier finden jährlich circa 2'900 Geburten statt (2'932 im Jahr 2025).

In einer Vorbereitungsphase wird das Modell an den lokalen Kontext angepasst und ein Schulungskonzept (eLearning und simulationsbasiertes Training) für Gesundheitsfachpersonen entwickelt und durchgeführt.

Die Implementierung erfolgt anschliessend im klinischen Alltag und umfasst strukturierte Teamkommunikation (z. B. Huddles) sowie den Einsatz visueller Kommunikationsinstrumente zur Unterstützung der gemeinsamen Entscheidungsfindung während der Geburt.

Die Datenerhebung erfolgt prospektiv während der Implementationsphase und umfasst patientenberichtete Erfahrungen und Outcomes (PREMs/PROMs) bei Gebärenden und Begleitpersonen, Befragungen von Gesundheitsfachpersonen sowie die Erhebung klinischer Routinedaten. Ergänzend werden implementierungsbezogene Aspekte (z. B. Akzeptanz, Barrieren und förderliche Faktoren) erfasst. Zum Vergleich werden Daten aus der prä-Implementationsphase (Standardversorgung) herangezogen.

Vorgängige Massnahmen

Im September 2024 hat Amber Weiseth den Online-Vortrag «Process Innovation for Clinical Safety, Effective Communication, and Dignity in Childbirth» gehalten.

Daran angeknüpft fanden im Februar 2025 in Winterthur zwei eintägige Workshops «TeamBirth-Workshops: Gemeinsame Entscheidungsfindung in der Geburtshilfe» unter Amber Weiseths Leitung statt. Gemeinsam mit ihrem Team stellte sie Hebammen sowie interprofessionellen Geburtsteams die innovativen Ansätze von TeamBirth vor. Die Workshops haben die Grundlage für eine wachsende TeamBirth-Community und methodische Expertise in der Schweiz geschaffen. Das Stadtspital Zürich Triemli wurde als erstes Pilotspital gewonnen und weitere Einrichtungen der Region Zürich/Winterthur zeigten grosses Interesse an einer Implementierung.

Projektorganisation

Projektleitung

Projektteam ZHAW

Projektteam Stadtspital Zürich Triemli

Projektdauer

Finanzierung

Partnerschaft