Förderung der Teilhabe am Arbeitsleben von Menschen mit Post-Covid-19-Erkrankungen
Was beeinflusst die Rückkehr zur Arbeit mit einer Post-Covid-19-Erkrankung? Dieses interprofessionelle Projekt untersucht, welche Faktoren die berufliche Reintegration von Menschen mit Post-Covid-19-Erkrankung in der Schweiz fördern oder hemmen.
Ausgangslage
Eine Post-Covid-19-Erkrankung kann wiederkehrende oder anhaltende Beschwerden verursachen, z.B. starke Müdigkeit und Erschöpfung, Belastungsintoleranz, Kurzatmigkeit oder Konzentrations- und Gedächtnisprobleme (WHO, 2021). Diese Symptome können es Betroffenen erschweren, ihre Arbeitstätigkeit wiederaufzunehmen und im gleichen Umfang oder mit der gewohnten Leistungsfähigkeit auszuführen. Die Rückkehr in das Arbeitsleben stellt für Betroffene einen wichtigen Meilenstein im Genesungsprozess dar, der Weg dorthin kann allerdings komplex sein (Hitch et al., 2023).
Eine besondere Rolle spielen dabei soziale Faktoren. Diese beeinflussen die Gesundheit, das Wohlbefinden und Alltagsaktivitäten wie die Arbeit. Solche Faktoren sind zum Beispiel das Umfeld, die Art der Beschäftigung oder sozio-ökonomische Aspekte wie das Einkommen. Sie bestimmen mit, wie fair die Gesundheitschancen verteilt sind – besonders für verletzliche Gruppen wie Menschen mit langanhaltenden gesundheitlichen Problemen, etwa nach einer Covid-19-Erkrankung. Die Einflüsse dieser Faktoren werden in diesem Projekt in Bezug auf Post-Covid-19 und die Rückkehr zur Arbeit genauer untersucht.
Zielsetzung
Dieses Projekt soll Erkenntnisse liefern, welche Faktoren die Rückkehr zur Arbeit von Menschen mit Post-Covid-19-Erkrankung beeinflussen. Das Projekt verfolgt folgende Forschungsziele:
- Untersuchen, welche sozialen und gesundheitlichen Determinanten die Rückkehr zur Arbeit von Menschen mit Post-Covid-19-Erkrankung in der Schweiz beeinflussen.
- Beschreiben der Erfahrungen von Menschen mit Post-Covid-19-Erkrankungen bei der Rückkehr zur Arbeit.
Methode und Vorgehen
Das Projektteam verwendet verschiedene Forschungsmethoden – mit qualitativen und quantitativen Befragungen. Damit werden sowohl die Sichtweisen von Menschen mit Post-Covid-19-Erkrankung als auch von Fachpersonen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie der beruflichen Wiedereingliederung erfasst.
Folgende Methoden kommen zum Einsatz:
- Q-Sorting Methode: Die Teilnehmenden ordnen in einer Befragung Einflussfaktoren auf die Rückkehr in den Beruf nach ihrer Wichtigkeit in ein Raster. Die Raster werden in der Auswertung quantifiziert.
- Qualitative Interviews: In einem persönlichen Gespräch berichten Betroffene von ihren Erfahrungen mit dem Wiedereinstieg in die Arbeit mit einer Post-Covid-19-Erkrankung.
Ergebnisse und Flyer
Die Studie zeigt, dass soziale Faktoren eine entscheidende Rolle für die Rückkehr in den Beruf (RTW) nach einer Post-Covid-Erkrankung spielen. Besonders hilfreich sind: flexible Arbeitsbedingungen, ein guter Zugang zu Gesundheitsleistungen, ein sicheres soziales Umfeld, Teilhabe an Freizeitaktivitäten sowie Unterstützung durch Fachpersonen und Arbeitgeber:innen.
Gleichzeitig wird deutlich, dass soziale Privilegien den RTW erleichtern und dass Menschen mit Post-Covid sich von Fachpersonen teils nicht ernst genommen fühlen. Interviews mit Betroffenen verdeutlichen zudem vier prägende Erfahrungen:
- Long-Covid verändert das berufliche Selbstbild; Manche Teilnehmende empfindenden einen Verlust ihrer früheren Arbeitsidentität, andere versuchen, ihre Vorstellung von Arbeit und ihrer Rolle als arbeitende Person neu zu gestalten.
- Unsichtbare Symptome führen zu sozialer Ausgrenzung: Da Long-Covid von aussen unsichtbar ist, werden Beschwerden von anderen oft nicht erkannt oder verstanden. Das beeinflusst, wie die Betroffenen im Arbeitsumfeld und im Privatleben teilhaben können.
- Der Wiedereinstieg muss oft mühsam ausgehandelt werden: Wie gut der Weg zurück in den Job gelingt, hängt stark davon ab, wie flexibel und unterstützend der Arbeitgebenden ist und welche Anpassungen dort möglich gemacht werden.
- Die Orientierung in Gesundheits- und Unterstützungssystemen ist komplex und belastend: Viele Teilnehmende berichten von grossen Herausforderungen, sich in den komplexen Hilfsstrukturen zurechtzufinden – von der Gesundheitsversorgung über betriebliche Angebote bis hin zur Versicherung. Viele haben das Gefühl, die gesamte Koordination ihrer Versorgung und Leistungen selbst tragen zu müssen.
Flyer für Arbeitgebende und Fachpersonen
Zudem wurde für das Projekt ein Community Flyer entwickelt, der die Studienergebnisse verständlich und praxisnah an Arbeitgeber:innen vermittelt. Der Flyer entstand in enger Zusammenarbeit mit Expert:innen, Fachpersonen und Personen mit Post-Covid-Erkrankungen.
Publikationen und Berichte
Der schwierige Weg zurück ins Arbeitsleben Artikel Vitamin G, November 2025
ZHAW Publikationendatenbank
Keine Publikationen gefunden.
Projektorganisation
- Projektleitung
Dr. Michael Sy
Leah Reicherzer - Projektdauer
Ende 2024 – Anfang 2026 - Projektteam
Thomas Michael Ballmer
Jacqueline Bürki
Dietlinde Arbenz-Purt
Thomas Riegler
Karoline Fink - Projektpartner
rehapunkt I Praxis für Ergotherapie
Thetriz: Therapie-, Trainings- und Beratungszentrum - Finanzierung
Stiftung für Ergotherapie Zürich
Interne Fördermittel der ZHAW - Projektstatus
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