Programm 8. Winterthurer Ergo-Gipfel
Wir freuen uns auf einen inspirierenden Ergo-Gipfel mit Ihnen!
8.30 Uhr - Empfang und Kaffee
9.00 Uhr - Begrüssung
9.05 Uhr - Referate Gipfelstürmer:innen
- Anspruch und Grenzen von Selbstbestimmung: Eine kritische Betrachtung in der Ergotherapie
Gaby Bracher, Fachverantwortliche Ethik Ergotherapie-Verband Schweiz EVS, Dozentin und Beraterin - Wir müssen uns um die Beziehung kümmern! Beziehungsfokussiert zu Autonomie und Teilhabe
Prof. Dr. Helen Strebel, Professorin für Therapiewissenschaften Hochschule Bielefeld - Bergführer:in oder Weggefährt:in? Selbstbestimmung und Fürsorge im therapeutischen Kontext
Team SEGEL (Schwierige Entscheide – Gemeinsame Lösungen), partizipatives Forschungsteam der Ostschweizer Fachhochschule und der Hochschule Luzern
10.10 Uhr - Seilschaften Gipfelstürmer:innen
Wählen Sie, mit welchem Gipfelstürmer oder welcher Gipfelstürmerin Sie in einer Gruppe diskutieren möchten.
10.30 Uhr - Pause
11.00 Uhr - Referate Erstbesteiger:innen
- Selbstbestimmt altern – aktuelle Erkenntnisse aus der ergotherapeutischen Forschung
Thomas Ballmer, Dozent und Mitarbeiter Forschungsstelle Ergotherapie ZHAW - Von der Information zur Mitgestaltung: Gesundheitskompetenz als Brücke zur aktiven Teilhabe
Prof. Dr. Hanna Schwendemann, Professorin und Studiengangsleitung Master Gesundheits- und Pflegepädagogik Internationale Hochschule IU - Selbstbestimmt entscheiden: Möglichkeiten des Kantons Zürich für ein autonomes Leben
Dr. Angela Wyder, Projektmitarbeiterin SEBE - selbstbestimmt entscheiden, Kantonales Sozialamt – Abteilung Soziale Angebote - Chancengleichheit – politische Grundlagen für eine gesellschaftliche Partizipation von Menschen mit Behinderung
Matyas Sagi-Kiss, Wirtschaftsjurist, Geschäftsleitungs-Mitglied SP Zürich, Präsident Behindertenkonferenz Kanton Zürich & Präsident Pro Infirmis Zürich - Entscheiden für andere – rechtliche Grundlagen und Aufgaben von Stellvertreter:innen
Muriel Keller, Dozentin für Physiotherapie und Ethik ZHAW und USZ, Beraterin GVP-ACP am USZ
12.00 Uhr - Seilschaften Erstbesteiger:innen
Wählen Sie aus, mit welcher Erstbesteigerin oder welchem Erstbesteiger Sie in einer Gruppe diskutieren möchten.
12.30 Uhr - Mittagspause und Netzwerken
14.00 Uhr - Basislager Runde 1: Referate und Seilschaften
Wählen Sie eines der eingereichten drei Kurzreferate aus und diskutieren Sie in der anschliessenden Seilschaft mit.
| Titel | Beschrieb | Referent:in |
|---|---|---|
| Welchen Einfluss hat die Mobilität auf die Teilhabe und Gesundheit von Menschen mit Behinderungen und/oder chronischen Erkrankungen? | Personen mit Behinderungen und/oder chronischen Erkrankungen begegnen im Leben vielen Mobilitätseinschränkungen, welche den Zugang zu Orten und Aktivitäten sowie ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beschränken. Im Forschungsprojekt “Mobility, community participation, and health of persons with disabilities (MOBILE). A national mixed-methods study.” untersuchen wir die Bedeutung von Mobilität und gesellschaftlicher Teilhabe von Personen mit Behinderungen und/oder chronischen Erkrankungen sowie deren individuellen Transportbedürfnisse. Zudem möchten wir feststellen, ob es Unterschiede gibt zwischen Personen mit und ohne Behinderungen und/oder chronischen Erkrankungen bezüglich Besuchshäufigkeiten wichtiger Orte, Vielfalt der Transportmittel, Zufriedenheit mit der gesellschaftlichen Teilhabe und ihrer Lebensqualität. Des Weiteren untersuchen wir, ob Zusammenhänge zwischen den genannten Faktoren bestehen. Basierend auf den Ergebnissen entwickeln wir politische Handlungsempfehlungen für den Schweizer Kontext, um den Zugang zu Orten und Aktivitäten sowie die gesellschaftliche Teilhabe von Personen mit Behinderungen und/oder chronischen Erkrankungen ihrer Bedürfnisse entsprechend zu erhöhen und die Diskriminierung zu reduzieren. | Sara Frey, Doktorandin ZHAW |
| Low Cost, High Impact: Frugal Design trifft Ergotherapie | Im digitalen Zeitalter sind Ergotherapeut:innen mit sich wandelnden Anforderungen konfrontiert, die technologische Entwicklungen, Nachhaltigkeitsfragen und veränderte Versorgungsstrukturen einschliessen. Um Studierende gezielt darauf vorzubereiten, integriert die OST – Ostschweizer Fachhochschule im Bachelorstudiengang Ergotherapie den Ansatz des Frugal Design. Dieser zielt auf die Entwicklung funktionaler, ressourcenschonender und kostengünstiger Lösungen ab und steht in engem Zusammenhang mit dem Megatrend Sustainability. Angesichts steigender Gesundheitskosten, begrenzter Ressourcen und wachsender Anforderungen an nachhaltige Versorgung gewinnt dieser Ansatz zunehmend an Bedeutung. Seine Prinzipien weisen eine hohe Nähe zur Ergotherapie auf, insbesondere in Bezug auf Alltagsorientierung, Teilhabe und kontextbezogene Interventionen. Denn es muss nicht immer eine High-Tech-Lösung her – meist führen auch einfache Mittel und Medien zum (Therapie-)Erfolg. Der Kongressbeitrag zeigt auf, wie Frugal Design curricular verankert ist und sowohl in theorie- als auch projektorientierten Modulen umgesetzt wird. Studierende entwickeln dabei beispielsweise Hilfsmittel ausgehend von konkreten Betätigungsproblemen und realen Nutzungskontexten von Klient:innen, teilweise im interprofessionellen Austausch mit Lernenden der Mechatronik. | Julia Mischner, Wissenschaftliche Mitarbeiterin OST - Ostschweizer Fachhochschule |
| Gesundheitsgerechtigkeit und berufliche Teilhabe bei Post-COVID: Ein interprofessionelles Community-Health-Projekt aus der Schweiz | Der Wiedereingliederungsprozess von Menschen mit Post‑COVID‑Syndrom (PCC) in die Arbeitswelt stellt nach wie vor eine Herausforderung für Ergotherapeut:innen, sowie weitere Gesundheits‑ und Sozialfachpersonen dar. Über die direkte klinische Versorgung hinaus übernehmen Ergotherapeut:innen in diesem Prozess zentrale Rollen in der Interessenvertretung, interprofessionellen Zusammenarbeit und Förderung von Gesundheitsgerechtigkeit Diese Kurzpräsentation stellt ein auf Prinzipien der Gesundheitsgerechtigkeit basierendes Hochschul‑Community‑Partnerprojekt in der Schweiz vor. Das Projektumfasst vier Komponenten: (1) Mixed‑Methods‑Ansatz oder Analysesozialer Determinanten der Gesundheit im Hinblick auf die berufliche Wiedereingliederung; (2) eine qualitative Erhebung zu Erfahrungen von Menschen mit PCC auf dem Weg zurück zur Arbeit; (3) einen Stakeholder‑Workshop; sowie (4) die Entwicklung eines Community‑Health‑Flyers.Im Basislager soll die Übertragbarkeit auf unterschiedliche Versorgungskontexte, Implikationen für die ergotherapeutische Praxis und Ausbildung sowie Potenziale für nachhaltige interprofessionelle Zusammenarbeit diskutiert werden. | Michael Sy, Projektleiter ZHAW |
14.30 Uhr - Basislager Runde 2: Referate und Seilschaften
Wählen Sie eines der eingereichten drei Kurzreferate aus und diskutieren Sie in der anschliessenden Seilschaft mit.
| Titel | Beschrieb | Referent:in |
|---|---|---|
| Der Partizipationsprozess im GSR Autismuszentrum | Im GSR Autismuszentrum bieten wir Intensive Frühintervention (IFI) für Kinder im Autismus-Spektrum und ihre Familien an. Wir pflegen innerhalb des Teams und in der Zusammenarbeit mit den Familien einen ICF-basierten, partizipativen Ansatz. Mit unserem Beitrag geben wir Ihnen Einblick in den Partizipationsprozess im GSR Autismuszentrum. Eltern als ExpertInnen für ihr Kind sind von Anfang an im Entscheidungsprozess involviert. Gemeinsam mit den Eltern werden der Partizipationsstatus und die Partizipationswünsche erfasst. Die Eltern bringen die Sichtweise und Wünsche des Kindes ein. Das Partizipationsgespräch dient im GSR Autismuszentrum als Instrument zur Definition von Partizipationszielen und Massnahmen. Die Umsetzung dieser Massnahmen geschieht in Kooperation von Eltern und dem Kernteam des Kindes. | Priska Gabrielli, Ergotherapeutin GSR Autismuszentrum |
| Entscheidungsfindung beim Einsatz von Rehatechnologien in der Neurorehabilitation: Implikationen für KI-basierte Clinical Decision Support Systems | Technische Fortschritte in der Neurorehabilitation eröffnen neue Möglichkeiten für Therapieplanung, stellen Therapeut: innen jedoch vor komplexe Entscheidungen. Clinical Decision Support Systeme (CDSS) könnten hier helfen, es ist jedoch noch wenig darüber bekannt, an welchen Punkten Unterstützung sinnvoll ist und welche Faktoren berücksichtigt werden müssen. Ziel dieser qualitativen Studie, Teil eines SNF-geförderten Projekts, ist es, Entscheidungsprozesse beim Einsatz von Rehatechnologien zu untersuchen: Welche Entscheidungen treffen Therapeut: innen, wann und auf welcher Wissensbasis, und welche Situationen werden als besonders herausfordernd erlebt? Leitfadengestützte Interviews wurden qualitativ ausgewertet, um Einblicke in Clinical Reasoning und Decision Making zu gewinnen. Die Ergebnisse zeigen, wie patientenbezogene, technikbezogene und organisatorische Faktoren abgewogen werden, wo Therapeut: innen autonom agieren und wo sie Unterstützung suchen. In der Session werden zentrale Ergebnisse präsentiert und gemeinsam mit den Teilnehmenden Anforderungen an KI-gestützte Entscheidungsunterstützung in der Neurorehabilitation sowie deren Auswirkungen auf therapeutische Praxis, Berufsethik und professionelle Rolle diskutiert. | Yara Peterko, Doktorandin ZHAW |
| Themeneinreichung aus der Praxis für Bachelorarbeit und Projektwerkstatt | Das Modul Bachelorarbeit und das Praxismodul Projektwerkstatt bilden den Hauptteil des 6. Semesters des BSc Studiengang für Ergotherapie der ZHAW. Seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit, die beiden Module zu kombinieren. Dabei erarbeiten die Studierenden im Rahmen der Bachelorarbeit die wissenschaftlichen Erkenntnisse und setzen diese in der Projektwerkstatt praktisch um. In diesem Basislager informieren wir die Teilnehmenden über die Möglichkeit einer Themeneinreichung und die notwendigen Voraussetzungen. Sie erhalten anhand von Beispielen eine Vorstellung möglicher Kombinationen von Bachelorarbeit und Projektwerkstatt. In den letzten Jahren haben mehr als die Hälfte der Studierenden eine Kombination von Bachelorarbeit und Projektwerkstatt gewählt, welche mit der Praxis für die Praxis entstanden ist. Die letzte Evaluation zeigt, dass bei gelungenen Projekten ein klarer Mehrwert und eine WIN-WIN-WIN-Situation für alle Beteiligten (Praxis, Studierende, Ergotherapie-Studiengang) entsteht. Besonders in Zeiten von KI bieten solche Abschlussarbeiten die Möglichkeiten einer praktischen Implementierung der gewonnenen Erkenntnisse. | Dietlinde Arbenz & Daniela Senn, Dozentinnen ZHAW |
15.00 Uhr - Basislager Runde 3: Referate und Seilschaften
Wählen Sie eines der eingereichten drei Kurzreferate aus und diskutieren Sie in der anschliessenden Seilschaft mit.
| Titel | Beschrieb | Referent:in |
|---|---|---|
| Partizipationsmethoden in der Ergotherapie: Kinder sprechen und entscheiden mit | Partizipative und kreative Forschungsmethoden eröffnen Kindern die Möglichkeit, ihre Perspektiven aktiv einzubringen. Sie schaffen Räume, in denen Kinder nicht lediglich als Befragte auftreten, sondern als Mitgestaltende am Forschungsprozess, im Alltag oder in der Therapie beteiligt sind. Dieses Vorgehen entspricht dem in Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention verankerten Anspruch auf Beteiligung. Darüber hinaus garantiert die Konvention jedem Kind das Recht auf Spiel. Spiel wird dabei als vom Kind selbst initiierte, freiwillige und zweckfreie Aktivität verstanden, die aus intrinsischer Motivation heraus entsteht und um ihrer selbst willen ausgeübt wird. Es geht somit weit über eine bloße Freizeitbeschäftigung hinaus: Spiel ist Ausdruck kindlicher Autonomie, Kreativität sowie sozialer Zugehörigkeit und stellt einen zentralen Erfahrungs- und Entwicklungsraum dar. Ziel des Kurzreferats ist es, ein vertieftes Verständnis partizipativer Methoden sowie deren Anwendung in der ergotherapeutischen Praxis, Lehre und Forschung zu vermitteln. Anhand ausgewählter Projekte und aktueller Forschungsergebnisse werden unterschiedliche partizipative Ansätze mit Kindern vorgestellt und hinsichtlich ihrer Umsetzung in verschiedenen Lebenswelten beleuchtet, beispielsweise in der Freizeit, im häuslichen Umfeld oder im schulischen Kontext. | Christina Schulze, Professorin ZHAW |
| Masterarbeit: Die Erfahrungen von Ergotherapeut:innen mit dem Canadian Occupational Performance Measure (COPM) und sein Beitrag zu einer klientenzentrierten, evidenzbasierten Praxis | Hintergrund: In der Universitären Altersmedizin Felix Platter wurde bis zu Beginn dieses Projekts kein Assessment zur Befundung der Handlungsperformanz in der Ergotherapie der geriatrischen Rehabilitation genutzt. Daher wurde das COPM wissenschaftlich begleitet eingeführt. Es unterstützt den Fokus der Ergotherapie auf die Handlung im Alltag zu lenken. Aus handlungswissenschaftlicher Sicht ist die Implementierung des COPM im Rahmen der Betätigungsgerechtigkeit (occupational justice) zu sehen. Die Klient:innen werden im Spitalsetting aktiv in die Befunderhebung und Therapieplanung einbezogen. Auf Basis der Einschätzung von Handlungsperformanz und -zufriedenheit wird ihre Partizipation und Selbstbestimmung gefördert. Als validiertes Assessment trägt das COPM zur evidenzbasierten Praxis bei. Diese Masterarbeit ist eine qualitative Evaluationsstudie mit Fokus auf der Nutzung des COPM aus Perspektive der Ergotherapeut:innen Ziel: Erkenntnisse über die Nutzung des COPM aus ergotherapeutischer Sicht Konzept: Fokusgruppeninterviews mit Ergotherapeut:innen in der UAFP zum Thema Nutzung des COPM aus ihrer Perspektive Ergebnisse: Datensammlung im Januar 2026, erste Ergebnisse ab Februar 2026 | Susanne Nisslé, Studentin fh Gesundheit Tirol, Ergotherapeutin Universitäre Altersmedizin Felix Platter |
| Ergotherapeutische Domiziltherapie - Begründung, Chancen und Herausforderungen aus Sicht von Ergotherapeut*innen im Fachbereich Neurologie in der deutschsprachigen Schweiz | Der demographische Wandel unserer Gesellschaft sowie die stete Veränderung des Gesundheitssystems fordert angepasste Massnahmen für die Gewährleistung einer guten Gesundheitsversorgung. Die ergotherapeutische Domiziltherapie bietet hierbei ein mögliches Angebot, um Klient*innen mit neurologischen Diagnosen in ihrem Wohnumfeld zu unterstützen. Damit die Gesundheitsversorgung von Betroffenen und medizinischen Fachkräften optimiert werden kann, ist es essenziell, die Erfahrungen derjenigen zu verstehen, die Dienstleistungen anbieten. Diese Masterarbeit erfasst die Begründungen, Chancen und Herausforderungen der ergotherapeutischen Domiziltherapie aus Sicht von Ergotherapeut*innen in der deutschsprachigen Schweiz im Fachbereich Neurologie. Die Präsentation enthält eine kurze Beschreibung der Datenerhebung, der Fokus liegt jedoch auf den Ergebnissen, um die Grundlage für eine Diskussion mit den Teilnehmenden zu gewährleisten. Dabei wird vertieft auf die Begründungen, Chancen und Herausforderungen eingegangen, welche die Teilnehmenden beschrieben haben. Zudem werden weiterführende Empfehlungen für die Praxis beschrieben, um die Überleitung zur Diskussionsrunde optimal zu gestalten. | Carola Grob, Ergotherapeutin Ergotherapie Steiger |