Wie Aktivitäten die kognitive Gesundheit im Alter stärken – eine ausgezeichnete Bachelorarbeit
Können Aktivitäten dazu beitragen, die kognitive Gesundheit im Alter zu erhalten? Dieser Frage widmeten sich Nadine Hartmann und Sarina Kubli in ihrer Bachelorarbeit am Institut für Ergotherapie der ZHAW. Für ihre wissenschaftlich fundierte und praxisrelevante Arbeit wurden die beiden Absolventinnen mit dem Förderpreis des Ergotherapie-Verbandes Schweiz (EVS) ausgezeichnet.
Die Zahl älterer Menschen nimmt zu – und damit auch die Bedeutung der kognitiven Gesundheit. Ergotherapeut:innen begleiten ältere Menschen dabei, ihre Selbstständigkeit und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Welche Rolle Aktivitäten dabei spielen und welche neurobiologischen Mechanismen dahinterstehen, untersuchten Nadine Hartmann und Sarina Kubli in ihrer Bachelorarbeit «Die Förderung kognitiver Gesundheit im Alter durch Aktivitäten – Die Rolle des Brain-Derived Neurotrophic Factor und seine Bedeutung für die Ergotherapie».
Neurobiologie trifft Ergotherapie
Im Zentrum der Arbeit steht der Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF), ein Protein, das eine wichtige Rolle für die Anpassungs- und Lernfähigkeit des Gehirns spielt. Ziel der Autorinnen war es, den aktuellen Wissensstand dazu zusammenzutragen, wie körperliche, kognitive und achtsamkeitsbasierte Aktivitäten den BDNF-Spiegel beeinflussen und welche Bedeutung diese Erkenntnisse für die ergotherapeutische Praxis haben. Dass der Praxisbezug im Mittelpunkt steht, zeigt sich bereits an der Entstehung der Arbeit: Die Fragestellung wurde von der Praxis für Handrehabilitation und Ergotherapie in Zürich eingebracht.
Für ihr Literaturreview analysierten Hartmann und Kubli vier aktuelle Studien. Die Ergebnisse zeigen, dass gezielte Aktivitäten den BDNF-Serumspiegel erhöhen und gleichzeitig positive Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit haben können. Dazu zählen beispielsweise körperliche Aktivitäten wie Tanzen oder Kampfsport, aber auch kognitives Training mit Rätseln, Gedächtnisübungen oder Gesellschaftsspielen. Einzelne Studien weisen zudem darauf hin, dass solche Interventionen die Selbstständigkeit im Alltag, die soziale Teilhabe und die Lebensqualität älterer Menschen fördern können.
Relevanz für die Praxis
Die Bachelorarbeit macht deutlich, dass ergotherapeutische Interventionen nicht nur alltagsrelevante Betätigungen fördern, sondern möglicherweise auch neurobiologische Prozesse unterstützen können, die für gesundes Altern bedeutsam sind. Damit verbindet sie ergotherapeutisches Denken mit aktuellen Erkenntnissen aus der Neurobiologie und eröffnet neue Perspektiven für Forschung und Praxis.
Gleichzeitig ordnen die Autorinnen die vorhandene Evidenz kritisch ein. Sie zeigen auf, dass weitere qualitativ hochwertige Studien notwendig sind, um die Zusammenhänge zwischen Aktivitäten, BDNF und kognitiver Gesundheit besser zu verstehen und langfristige Wirkungen nachzuweisen.
Förderpreis für wissenschaftliche Qualität und Praxisbezug
Der Ergotherapie-Verband Schweiz (EVS) zeichnet jährlich Bachelorarbeiten aus, die sich durch besondere Berufsrelevanz und Innovationskraft auszeichnen. Der Förderpreis wurde am 26. Juni 2026 am Tag der Bachelorarbeiten des Departements Gesundheit der ZHAW verliehen. In ihrer Laudatio würdigte Manuela Scheck, die mit Jeannine Hertel als Vertreterinnen der Sektionen Bern/Solothurn und Aargau des EVS die diesjährige Jury bildete, die wissenschaftliche Qualität und den Praxisbezug der Arbeit.
«Besonders überzeugt hat uns, dass ihr bekannte ergotherapeutische Themen aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. Das Verbinden von ergotherapeutischem Denken mit Erkenntnissen aus der Neurobiologie ist spannend und bereichernd.»
Die Jury hob zudem hervor, dass die Arbeit einen praxisnahen Beitrag zur evidenzbasierten Weiterentwicklung der Ergotherapie leistet und zentrale Zusammenhänge zwischen Aktivitäten, neurobiologischen Prozessen und kognitiver Gesundheit im Alter differenziert aufzeigt.
Wir gratulieren Nadine Hartmann und Sarina Kubli herzlich zum EVS-Förderpreis und zu ihrer ausgezeichneten Bachelorarbeit.
Themen einreichen
Jeweils bis 31. März können Sie Themen für Ergotherapie Bachelorarbeiten und Projekte für das Folgejahr einreichen. Alle Infos finden Sie hier: