Tag der Bachelorarbeiten 2026
Kurz vor Semesterende präsentierten am 26. Juni 2026 rund 450 Bachelor-Studierende des Departements Gesundheit ihre Abschlussarbeiten in kompakten Kurzformaten. Der Science Slam sowie die Prämierung der besten Arbeiten durch die Berufsverbände zählten auch dieses Jahr zu den Höhepunkten des Tages.
Insgesamt wurden 260 Arbeiten aus den Bereichen Ergotherapie, Gesundheitsförderung und Prävention, Hebamme, Pflege und Physiotherapie vorgestellt. Rund 500 Gäste – darunter Praktikumsinstitutionen sowie Angehörige und Bekannte – verfolgten die Präsentationen gespannt vor Ort.
Auf den Punkt gebracht: der Science-Slam
Einige Bachelorarbeiten wurden dem Publikum im Science-Slam-Format präsentiert. In fünf Minuten fassten die Studierende ihre Erkenntnisse kurz und bündig zusammen. Am meisten überzeugten Pflege-Studentin Ada Ammann und Hebammen-Studentin Laura Berweger das Publikum mit ihrer originellen Darbietung zu «Gemeinsam unterwegs – Interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Hebammen und Pflegefachpersonen». Moderiert wurde der unterhaltsame Programmblock von Kilian Ziegler, Schweizer Meister im Poetry Slam 2018.
Beste Bachelorarbeiten
Bachelorarbeiten bringen Jahr für Jahr frische Perspektiven, innovative Ansätze und überraschende Ideen. Aus den vielen Arbeiten, die besten auszuwählen, ist bei weitem keine leichte Aufgabe – das betonten auch die Vertreter:innen der Berufs- und Fachverbände, welche aus einer anonymisierten Vorauswahl je eine herausragende Arbeit pro Studiengang auszeichneten.
BSc Ergotherapie
Nadine Hartmann und Sarina Kubli gingen in ihrer Bachelorarbeit dem Thema «Förderung kognitiver Gesundheit im Alter durch Aktivitäten. Die Rolle des Brain-Derived Neurotrophic Factor und seine Bedeutung für die Ergotherapie» nach. Der natürliche Alterungsprozess ist häufig mit einem Rückgang der kognitiven Leistungsfähigkeit verbunden, was sich negativ auf Alltagsaktivitäten und die Lebensqualität auswirken kann. Dabei spielt das Wachstumsprotein Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF) eine zentrale Rolle, da seine Konzentration mit zunehmendem Alter abnimmt und eng mit kognitiven Funktionen wie Gedächtnis- und Lernprozessen verknüpft ist. Die Ergebnisse einer Literaturrecherche zeigen, dass gezielte Aktivitäten den BDNF-Spiegel erhöhen und dadurch die kognitive Gesundheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität im Alter fördern können. Unklar bleibt jedoch, inwiefern sich diese Erkenntnisse in ergotherapeutische Betätigungen übertragen und alltagsnah umsetzen lassen. Mit ihrer Arbeit greifen die beiden Studentinnen ein Thema auf, das angesichts des demografischen Wandels zunehmend an Bedeutung gewinnt, und verbinden biomedizinisches Wissen überzeugend mit dem ergotherapeutischen Tätigkeitsfeld.
BSc Hebamme
Zoé Müllhaupt und Rahel Spiess bewiesen mit ihrer Bachelorarbeit «Geburt sichtbar machen. Historische und geburtshilfliche Auseinandersetzung der Darstellung der Geburt in ausgewählten Kunstwerken» interdisziplinäre Offenheit und Mut, indem sie ein geburtshilfliches Thema aus kunsthistorischer Perspektive untersuchten. Anhand ausgewählter Werke von Maina-Miriam Munsky und Natalie Lennard analysierten sie, wie Geburt visuell dargestellt wird und welchen Einfluss historische sowie geburtshilfliche Kontexte auf diese Darstellungen haben. Die Ergebnisse zeigen, dass beide Künstlerinnen Geburt nicht neutral abbilden, sondern subjektiv durch historische, geburtshilfliche und individuelle Faktoren geprägt sind. Während Munsky Geburt als medizinisch kontrollierten und durch institutionelle Strukturen geprägten Prozess darstellt, entwirft Lennard ein Gegenbild, das Selbstbestimmung und körperliche Erfahrung betont. Trotz dieser Gegensätze thematisieren beide Werke die Frage nach der Selbstbestimmung der Frau im Geburtsprozess und verorten sich innerhalb eines Spannungsfeldes zwischen medizinischer Kontrolle und Autonomie.
BSc Gesundheitsförderung und Prävention
Luzia Haberthür untersuchte mit ihrer Bachelorarbeit «Eigenverantwortung unter Vorbehalt. Gerechtigkeitstheoretische Kriterien zur Verantwortungsverteilung in der Gesundheitsförderung und Prävention» anhand welcher normativen Kriterien das Verhältnis von Eigenverantwortung und gesellschaftlicher Verantwortung in der Gesundheitsförderung und Prävention begründet werden kann und inwiefern sich diese Kriterien in der schweizerischen Nationalen Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD-Strategie) widerspiegeln. Dazu entwickelte sie einen gerechtigkeitstheoretisch fundierten Kriterienkatalog und wendete diesen auf die Schweizer Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD-Strategie) an. Die Analyse zeigt, dass die NCD-Strategie strukturelle Ungleichheiten zwar anerkennt, diese jedoch nur teilweise in konkrete Massnahmen und Verantwortlichkeiten überführt. Mit ihrer Arbeit leistet die Studentin einen wertvollen Beitrag zur ethischen Reflexion gesundheitspolitischer Strategien und liefert Fachpersonen ein praxistaugliches Instrument für eine gerechtere Interventionsplanung.
BSc Pflege
Die Früherkennung einer Sepsis ist überlebenswichtig. Da Pflegefachpersonen viel Zeit am Patientenbett verbringen, stellen sie eine Schlüsselposition in der Sepsis-Früherkennung dar. Cedric Rieder und Lea Ventura untersuchten mit ihrer Arbeit «Mehr als nur ein Score - Einfluss pflegerischer Frühwarnscores auf die Sepsis-Mortalität» den Einfluss der Anwendung von Frühwarnscores auf die inhospitale Mortalität erwachsener Sepsis-Patient:innen im Akutspital. Auf Basis von sieben Primärstudien aus PubMed und CINAHL Ultimate analysierten sie den Einsatz von Frühwarnscores, deren Implementierung sowie die Rolle der Pflege in der Sepsiserkennung. Die Ergebnisse zeigen, dass ein strukturiertes Sepsis-Screening – insbesondere mittels National Early Warning Score – mit einer signifikanten Reduktion der inhospitalen Mortalität verbunden ist. Gleichzeitig hängt die Wirksamkeit stark von pflegerischer Expertise ab, wobei gezielte Schulungen Wissen, Selbstvertrauen und Screening-Compliance deutlich verbessern. Mit ihrer Arbeit unterstreichen die Studierenden die zentrale Bedeutung der Pflege in der frühen Sepsiserkennung im Akutspital.
BSc für Diplomierte Pflegende
Assemgul Shabarbayeva befasste sich in ihrer Bachelorarbeit «Wenn die Spannung steigt: Pflegerische Interventionen im Umgang mit Aggression bei Kindern und Jugendlichen im stationären psychiatrischen Setting» mit pflegerischen Interventionen im Umgang mit aggressivem Verhalten im kinder- und jugendpsychiatrischen Stationsalltag. Ziel der Arbeit war es, diese Interventionen systematisch zu erfassen, zu analysieren und im Kontext des Evidence-based-Nursing einzuordnen. Auf Grundlage von sieben peer-reviewten Studien aus den Jahren 2016 bis 2025 wurden pflegerische Ansätze hinsichtlich ihres Aggressionsverständnisses sowie ihrer Anwendungsebenen analysiert und thematisch synthetisiert. Die Ergebnisse zeigen, dass pflegerische Interventionen auf unterschiedlichen Verständnissen von Aggression beruhen und auf verschiedenen Handlungsebenen ansetzen. Die Arbeit verdeutlicht die Vielschichtigkeit von Aggression und unterstreicht den Bedarf an klarer beschriebenen Interventionen sowie weiterer methodisch fundierter Forschung.
BSc Physiotherapie
Leonie Odermatt und Chiara Rubinig untersuchten in ihrer Bachelorarbeit «Komorbiditäten bei Endometriose – Die übersehene Verbindung», welche Warnsignale und Anamnesefragen Physiotherapeut:innen dabei unterstützen können, eine noch nicht diagnostizierte Endometriose bei Patientinnen im gebärfähigen Alter mit muskuloskelettalen Komorbiditäten frühzeitig zu erkennen. Die Arbeit zeigt, dass die muskuloskelettale Physiotherapie das Potenzial hat, als wichtige frühdiagnostische Schaltstelle zu wirken. Die identifizierten Warnsignale aus muskuloskelettalen, zyklusbezogenen und systemischen Symptomen bieten einen ersten praxisnahen Screening-Ansatz. Mit ihrer Arbeit leisten die beiden Studentinnen einen wertvollen Beitrag zur Sensibilisierung für Endometriose und zeigen auf, wie Physiotherapeut:innen dazu beitragen können, Diagnoseverzögerungen zu verkürzen.
Wir gratulieren allen Absolvierenden herzlich zu ihrer grossartigen Leistung und wünschen ihnen viel Freude und Erfüllung in ihrem beruflichen Werdegang!