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Gesundheit

Wer nicht sprechen will, kann keine Ethik machen

Der Januar ist für Melanie Werren, Theologin, Pflegefachfrau und Ethik-Spezialistin im IPLP-Team, wohl der intensivste Monat des Jahres. Als Co-Modulverantwortliche für das Modul BA.XX.521, «Herausfordernde Berufspraxis und Kooperation», leitet sie seit vier Jahren innerhalb des Moduls die Themenwoche «Ethik für alle» zusammen mit der Physiotherapeutin Muriel Keller. Im folgenden Beitrag lernen wir die Themenwoche aus Sicht der Themenverantwortlichen kennen.

Die Themenwoche «Ethik für alle» wurde von einem interprofessionellen Team mit Vertreter:innen aus allen Studiengängen entwickelt, um ethische Dilemmata zu reflektieren, die die Studierenden in ihren Praktika erfahren. Ziel ist es, in einer interprofessionellen ethischen Fallbesprechung kommunikationsfähig zu werden und für die zukünftige Praxis zu üben: Was kann ich als einzelne Person tun, wenn ich im Umgang mit meinen Patient:innen und deren Angehörigen ein ethisches Problem erkenne? Wie kann ich meine Stimme erheben, wie kann ich argumentieren, um eine gute Lösung zu finden? Um diese Fragen geht es in den fünf intensiven Blocktagen. Melanie betont, dass Kommunikation das A und O für gelingende Lösungen ist: «Wer nicht sprechen will, kann keine Ethik machen.» 

So beginnt die Woche mit einem Argumentationstraining, in dem die Studierenden üben, ihre Meinung argumentativ gut begründet zum Ausdruck zu bringen, kurz «they learn to speak up». Melanie spricht aus Erfahrung, wenn sie die Bedeutung dieses «Speak Up» unterstreicht. In ihrer Arbeit als Pflegefachfrau fühlte sie sich oft nicht gehört. Dank ihres Studiums der Theologie mit Schwerpunkt Ethik hat sie gelernt, sich durchzusetzen, so dass ihre Stimme gehört wird, etwa wenn es um Selbstbestimmung und die Würde von Patient:innen mit Demenz geht. Machtkonflikte, soziales Gefälle oder intuitive Entscheidungen Einzelner sind einige der Gebiete, in denen ein ethischer Ansatz zur Verbesserung der Situation beitragen kann. Die perfekte Lösung für alle Involvierten gibt es nicht. Es gilt zu lernen, Spannungen auszuhalten. Genau dies möchte Melanie auch ihren Studierenden vermitteln: «Manchmal müssen wir der Sand im Getriebe sein, wenn wir feststellen, dass etwas falsch läuft, und das ist oft mühsam und anstrengend.» 

Fallbeispiel als Leistungsnachweis

Für den Leistungsnachweis wählen die Studierenden in ihren interprofessionellen Kleingruppen eines von sieben komplexen Fallbeispielen aus, welches sie mit Hilfe eines Rasters analysieren, um zu einer gemeinsamen Lösung zu gelangen.

Die Fälle handeln beispielsweise von der Ablehnung von verschriebenen Behandlungen, vom Rekonstruieren des mutmasslichen Willens oder vom Umgang mit Menschen, die sich in einer vulnerabel machenden Situation befinden, etwa weil sie sich verbal nicht mehr äussern können. Die Entscheidungsfindung in den Gruppen erfordert Diskussionsbereitschaft und verläuft oft nicht geradlinig. Der Prozess steht im Fokus und nicht so sehr das Resultat. Die Themenwoche bietet einen guten Rahmen, offen über solche Herausforderungen nachzudenken.

Was meinen die Studierenden zu dieser Woche?

Was meinen die Studierenden zu dieser Woche? Hören wir drei Stimmen dazu: «Die Nähe zur Praxis hat mir sehr gefallen.» «Wir waren als Team wirklich interessiert daran, voneinander zu lernen; ich sah einen Mehrwert in dieser Fallbesprechung und die Zusammenarbeit machte Spass.» «Die Diskussionen und Anregungen empfand ich als sehr tiefgründig». Der Unterricht steht und fällt mit dem Engagement der Dozierenden, die jeweils als Tandem «auf erfrischende Art und Weise», wie es eine Studierende formuliert, eine Gruppe von 30 Studierenden durch die Woche begleiten.

Da diese Kleingruppen interprofessionell zusammengesetzt sind, werden die unterschiedlichen professionellen Denk- und Sichtweisen direkt erlebbar. In allen Studiengängen gibt es auch professionsspezifische Ethikangebote. Die Themenwoche «Ethik für alle» ist aber einzigartig in ihrer Anlage und im Rahmen der Bachelorausbildung eine unverzichtbare Vorbereitung auf die Herausforderungen der Praxis. Melanie sieht sie als Quintessenz der «Future Skills», die wir unseren Studierenden mitgeben möchten: Bei praktisch allen 17 Kompetenzen von Ehlers «Future Skills» ist die ethische Sichtweise von zentraler Bedeutung. 

Zukunft gestalten: Die Rolle von Future Skills in der interprofessionellen Gesundheitslehre

Die Anforderungen an das Gesundheitswesen wandeln sich rasant. Um diesen Wandel aktiv mitzugestalten, rücken sogenannte «Future Skills» immer stärker in den Fokus unserer pädagogisch-didaktischen Überlegungen.

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