Erste Hilfe für die psychische Gesundheit
Studierende des Bachelors Gesundheitsförderung und Prävention können sich im dritten Semester zu Ersthelfer:innen bei psychischen Problemen und Krisen ausbilden lassen. Der Kurs ist freiwillig – aber trotzdem gut besucht.
Wie soll man reagieren, wenn es jemandem im privaten oder beruflichen Umfeld psychisch schlecht geht? Wie überwindet man die eigene Hilflosigkeit, wie bietet man Unterstützung? Antworten auf diese Fragen erhalten Studierende des Bachelors Gesundheitsförderung und Prävention am ZHAW-Departement Gesundheit im dritten Semester: Im Modul 306, das sie in grundlegende Themenfelder ihrer Profession – Ernährung, Bewegung sowie psychische Gesundheit und Sucht – einführt, haben sie die Gelegenheit, sich zu Ersthelfer:innen bei psychischen Erkrankungen und Belastungen ausbilden zu lassen. «Seit 2021 bieten wir im Rahmen des Moduls den ensa-Kurs an, der Laien zu Ersthelfer:innen ausbildet», sagt Dozentin Alice Inauen.
Unterstützen, nicht therapieren
Der Kurs wird an vier Halbtagen durch Instruktor:innen des ensa-Programms durchgeführt. Dabei lernen die Studierenden in kleinen Klassen, wie sie bei psychischen Erkrankungen und Belastungen erste Hilfe leisten können. Sie eignen sich Wissen zu den wichtigsten Krankheitsbildern, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten an und üben in Rollenspielen konkrete Gesprächssituationen. Es gehe dabei explizit nicht darum, dass die Studierenden lernten, eine Diagnose zu stellen oder selbst zu therapieren, hebt Alice Inauen hervor. «Sie werden befähigt, eine betroffene Person anzusprechen, sie zu unterstützen und Informationen zu geben. Sie wissen auch, wie sie die Person zu professioneller Hilfe ermutigen und Ressourcen aktivieren können.» Weiter werde den Studierenden vermittelt, wie sie in akuten Krisensituationen Unterstützung leisten und Hilfe organisieren könnten.
Für Studierende besonders nützlich
Da im ensa-Kurs auch schwierige Themen wie Suizid, Psychosen oder Alkoholsucht angesprochen werden, ist er für die Studierenden freiwillig. «Wir wollen niemanden zwingen, sich in diesem Rahmen solchen Themen auszusetzen», sagt die Dozentin. Der Kurs ist trotzdem gut besucht: Um die 90 Prozent der Studierenden pro Jahrgang absolvieren ihn jeweils. Auch Studierende der anderen Bachelorstudiengänge am Departement Gesundheit belegen den Kurs – für diese wird er als Wahlpflichtmodul angeboten. Das Angebot werde geschätzt, so Alice Inauen. «Die Studierenden können ihren Bewerbungen das Ersthelfer:innen-Zertifikat beilegen – und später auch selbst die ensa-Instruktor:innen-Ausbildung machen.»
Grundsätzlich sei es sinnvoll, wenn jede und jeder erste Hilfe leisten könne. Denn: «Jeder zweite Mensch ist in seinem Leben von einer psychischen Erkrankung betroffen.» Für Studierende sei der Kurs aber besonders nützlich, findet die Dozentin. So könne das Wissen bereits während der Ausbildung genutzt werden. «Studierende sind im Vergleich zu Gleichaltrigen psychisch besonders stark belastet.» Der Kurs vermittle die Kompetenzen, mit denen die Teilnehmenden während der Ausbildung selbst psychisch gesund bleiben, aber auch Mitstudierende unterstützen könnten. Auch im Privatleben und in der späteren Berufspraxis könnten sie das Wissen anwenden, gerade wenn sie als Gesundheitsförder:innen beispielsweise in der Schuldenberatung oder der Suchprävention mit psychisch belasteten Menschen arbeiteten. «Und nicht zuletzt können die Studierenden als Multiplikator:innen das Wissen auch weitergeben.»
Selbstgewählte Vertiefung
Der ensa-Kurs ergänzt das Wissen, das Studierende im Modul 306 im Themenfeld psychische Gesundheit und Sucht erwerben. In diesem vertiefen sie sich in Tandems in ein selbstgewähltes Thema – vom jugendlichen Tabakkonsum über postpartale Depression oder Sportwettensucht bis hin zu Depressionen bei Krebsbetroffenen. «Die Themenwahl ist sehr breit. Häufig befassen sich die Studierenden aber mit einer bestimmten Zielgruppe, etwa Kindern oder Jugendlichen, oder beleuchten ein spezifisches Setting, beispielsweise die Schule», so Alice Inauen. Dieser Fokus sei sinnvoll – entspreche er doch der späteren Arbeit in der Praxis.
Weitere Informationen
Bachelor Gesundheitsförderung und Prävention
Personenprofil
- Dr. Alice Inauen Lehner, Stv. Studiengangleitung, Dozentin im Studiengang Bachelor of Science in Gesundheitsförderung und Prävention
