Brücke zwischen der Schweiz und Litauen: Gemeinsam für eine stärkere Mütter- und Neugeborenenversorgung
Seit 2025 verbindet das Institut für Hebammenwissenschaft und reproduktive Gesundheit der ZHAW und Litauen eine gemeinsame Mission: die ambulante Versorgung von Müttern und Neugeborenen durch Hebammen in Litauen nachhaltig zu verbessern. Erste gegenseitige Besuche in Kaunas und Winterthur haben den Grundstein für einen lebendigen Austausch gelegt.
Das Institut für Hebammenwissenschaft und reproduktive Gesundheit (IHG) der ZHAW beteiligt sich aktiv an einem internationalen Kooperationsprogramm zwischen der Schweiz und Litauen. Ziel ist es, die Gesundheitsversorgung von Schwangeren, Wöchnerinnen und Neugeborenen in Litauen zu stärken. Besonders im ambulanten Bereich gibt es dort bislang Lücken, die nun durch Wissenstransfer und Partnerschaft geschlossen werden sollen.
Schweizer Beitrag an die EU
Die Zusammenarbeit ist Teil des zweiten schweizerisch-litauischen Kooperationsprogramms 2024-2029. Es basiert auf einer Absichtserklärung aus dem Jahr 2019 zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU), um den sozioökonomischen Zusammenhalt in ausgewählten EU-Staaten zu fördern.
In Zusammenarbeit mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) wurde das IHG angefragt, das Programm im Bereich maternale Gesundheit in der ambulanten Hebammenversorgung zu unterstützen.
Ausgangslage in Litauen
Historisch bedingt ist die Geburtshilfe in Litauen stark arztzentriert geprägt. Zwar haben Hebammen in den letzten Jahren mehr Autonomie gewonnen und können in manchen Kliniken physiologische Geburten eigenständig begleiten. Doch in der ambulanten Schwangerschafts- und Wochenbettbetreuung spielen sie nach wie vor kaum eine Rolle.
Hausbesuche nach der Geburt werden oft von Pflegefachkräften übernommen; eine regelmässige hebammengeleitete Nachsorge fehlt im regulären System. Da entsprechende Kompetenzen für diese ambulante Versorgungsphase im litauischen Gesundheitssystem bisher nicht systematisch gefördert werden können, setzt genau hier das Kooperationsprojekt an.
Perspektivenwechsel in Kaunas
Im November 2025 reiste eine Delegation des IHG nach Kaunas, Litauen. Während des dreitägigen Besuchs erhielt das Projektteam detaillierte Einblicke in das litauische Gesundheitssystem, in die Arbeit von Hebammen im klinischen Bereich sowie ins Bachelorstudium an der Lithuanian University of Health Sciences. Im Fokus standen intensive Gespräche über die Organisation der Hebammenausbildung und Versorgungsstrukturen. Zudem wurden konkrete Möglichkeiten für Austauschbesuche litauischer Fachkräfte in der Schweiz erkundet.
Gegenbesuch in Winterthur
Im Mai 2026 folgte der Gegenbesuch: Eine litauische Delegation reiste an die ZHAW Gesundheit nach Winterthur. Neben einer Einführung in das Schweizer Gesundheitssystem und den Einblicken in die modernen Skills- und Simulationsräume der ZHAW stand Workshadowing bei regionalen Praxispartnern auf dem Plan.
Die Rolle des IHG
Mit diesem Engagement setzt sich das IHG aktiv für die Weiterentwicklung des Hebammenberufs in Europa ein. Konkret geht es um den Aufbau von Partnerschaften, den internationalen Wissensaustausch auf akademischer Ebene und die Entwicklung nachhaltiger Praxisprojekte. Die Kooperation stärkt zugleich die europäische Ausrichtung der ZHAW-Hochschulstrategie.
Wie es weitergeht
Die Brücke steht, nun wird sie weiter ausgebaut. Auf Basis der bisherigen Zusammenarbeit werden weitere Projekte geplant. Vorgesehen sind unter anderem Weiterbildungsmodule für litauische Fachkräfte, zum Beispiel zur psychischen Gesundheit von Frauen im peripartalen Zeitraum.