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«Adeline Favre hätte hier gerne studiert»

Bunt, musikalisch und bewegt: Am Freitag, 28. August, wurde der neue Campus des ZHAW-Departements Gesundheit auf dem Sulzerareal in Winterthur feierlich eingeweiht. Rund 130 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesundheitswesen lernten das Haus Adeline Favre kennen – und erfuhren mehr über dessen Namensgeberin.

Bunter Regen: Hunderte Ballon schwebten am Eröffnungsakt langsam vom 5. Stock ins Erdgeschoss.
Silvia Steiner, Regierungspräsidentin und Bildungsdirektorin des Kantons Zürich, sprach an der Feier von einem grossen Tag für den Bildungsstandort Zürich.
Tänzerin Madeleine Campos tanzte am Eröffnungsakt zu den Klängen eines Brass-Quintetts.

Sie besass als erste Frau im Kanton Wallis einen Führerschein. Sie verfolgte hartnäckig und gegen alle Widerstände ihre beruflichen Ziele. Und sie half in ihrer langen Karriere als Geburtshelferin 8000 Kindern auf die Welt. Adeline Favre aus dem Val d'Anniviers ist in ihrem Heimatkanton eine Legende und eine der bekanntesten Hebammen der Schweiz. Und sie ist Namensgeberin des Haus Adeline Favre, dem neuen Standort des ZHAW-Departements Gesundheit, der Ende August nach dreijähriger Bauzeit feierlich eingeweiht wurde. «Das Departement Gesundheit hätte sich kein besseres Vorbild auswählen können», sagte Silvia Steiner, Regierungspräsidentin und Bildungsdirektorin des Kantons Zürich, an der Einweihungsfeier. «Adeline Favre bewies Durchsetzungsvermögen und Mut – Tugenden, die heute mehr denn je gefragt sind.» Im Doppelhörsaal des Haus Adeline Favre sprach Steiner vor rund 130 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesundheitswesen von «einem grossen Tag für den Bildungsstandort Zürich, für die Stadt Winterthur, die ZHAW und das Departement Gesundheit». Sie hoffe, so Steiner, dass in dem Neubau – ganz im Sinne der Namenspatronin – «viele neue Erkenntnisse und Ideen geboren werden».

Wie eine kleine Stadt im Süden

Martin Neukom, Baudirektor des Kantons Zürich, hob in seiner Ansprache die Transformation Winterthurs vom Industriestandort zur Bildungsstadt hervor – ein Prozess, den er als Winterthurer in den letzten Jahren selbst miterlebt habe. Zum Haus Adeline Favre habe er ein paar persönliche Bezüge, so Neukom. Als Kantonsrat habe er damals im Parlament über das Projekt beraten und bis 2019 – vor seinem Amtsantritt als Regierungsrat – von seinem damaligen Arbeitsort am Katharina-Sulzer-Platz den Baufortschritt beobachten können. «Es ist ein Gebäude mit Ausstrahlung für das Gesundheitswesen.»

ZHAW-Rektor Jean-Marc Piveteau ging auf die spezielle Architektur im Innern des neuen Gesundheitscampus ein. «Bei meinem ersten Besuch hat mich der Innenhof an eine kleine Stadt im Süden erinnert – mit den vielen Terrassen und verwinkelten Plätzen.» Die Architektur mit den zahlreichen Möglichkeiten für den Austausch mache die Zusammenarbeit geradezu zum Programm, sagte Piveteau. Und diese Zusammenarbeit, die Kooperation zwischen den Professionen «wird insbesondere im Gesundheitswesen immer wichtiger». Die Bedeutung der zwischenmenschlichen Beziehungen und des Austauschs sei auch eine Konstante im Leben der Namenspatronin gewesen. «Ich bin mir deshalb sicher: Adeline Favre hätte hier gerne studiert.»

Ballone und Flamenco

Zur Eröffnungsfeier waren auch Marie-Noëlle Bovier und Fabienne Salamin, eine Nichte und eine Grossnichte von Adeline Favre, aus dem Wallis angereist. Wie ihre bekannte (Gross-)Tante ergriffen auch sie den Beruf der Geburtshelferin. «Adeline hat uns mit dem Hebamme-Virus angesteckt», sagte Bovier.

Nach den Ansprachen und einem musikalischen Intermezzo durch ein Brassquintett mit Musikern der Zürcher Hochschule der Künste fand auf einem der zentralen Plätze im zweiten Obergeschoss die symbolische Taufe des Haus Adeline Favre statt: Dabei schwebten zunächst Hunderte bunter Ballone vom 5. Stock in den Innenhof hinab, danach bewegte sich die Tänzerin Madeleine Campos im feuerroten Kleid zu den Klängen des Bläserquintetts über die Bühne.

Im Anschluss an den Eröffnungsakt hatten die Gäste Gelegenheit, das Haus Adeline Favre auf Rundgängen genauer kennenzulernen und dabei den einen oder anderen versteckten Winkel des verschachtelten Gebäudes zu entdecken. Die Rundgänge waren jeweils einem Thema gewidmet, etwa der Architektur, der an verschiedenen Orten in den Beton gemeisselten Kunstwerke der Zürcher Künstlerin Judith Albert, der technischen Infrastruktur oder dem Unterricht.

Verschoben: Tag der offenen Tür

Der neue Gesundheitscampus hätte diesen Herbst eigentlich auch mit der Winterthurer Bevölkerung und weiteren Interessierten gefeiert werden sollen. Der für den 26. September 2020 geplante Tag der offenen Tür musste aufgrund der Corona-Pandemie und der derzeit geltenden Vorgaben für Grossanlässe jedoch verschoben werden. Der Anlass findet nun am 2. Oktober 2021 statt.