20 Jahre ZHAW Departement Gesundheit
Mit einem grossen Jubiläumsfest feierte das Departement Gesundheit der ZHAW am 6. Juni 2026 sein 20-jähriges Bestehen. Der Anlass bot nicht nur Einblicke in Studium, Forschung und Praxis, sondern auch Gelegenheit, auf zwei Jahrzehnte Entwicklung zurückzublicken und über die Zukunft des Gesundheitswesens zu diskutieren. Im Zentrum stand dabei eine gemeinsame Botschaft: Gute Gesundheitsversorgung entsteht durch Zusammenarbeit.
Zahlreiche Besucher:innen nutzten die Gelegenheit, den Campus Adeline Favre und seine fünf Institute im Rahmen des Jubiläumsfests kennenzulernen, hinter die Kulissen des Hochschulalltags zu blicken und sich durch vielfältige interaktive Angebote und Gesundheitsinputs inspirieren zu lassen.
Am späteren Nachmittag folgte ein Festakt für geladene Gäste. In ihren Ansprachen würdigten Prof. Dr. Regula Jöhl, Rektorin der ZHAW, Regierungsrätin und Bildungsdirektorin Dr. Silvia Steiner sowie Winterthurs Stadtpräsident Michael Künzle die Entwicklung des Departements, seine Bedeutung für die Gesundheitsversorgung der Zukunft sowie seine prägende Rolle für die Stadt Winterthur. Den Abschluss bildete eine angeregte Podiumsdiskussion zur Zukunft der Gesundheitsberufe.
Gesundheit ist Teamarbeit
In ihrer Eröffnungsrede betonte Regula Jöhl die zentrale Rolle der Zusammenarbeit im Gesundheitswesen. «Eine gute Gesundheitsversorgung entsteht dort, wo Wissen, Praxis und Zusammenarbeit aufeinandertreffen», sagte sie. Genau nach diesem Grundsatz sei das Departement Gesundheit aufgebaut worden: praxisnah, wissenschaftsbasiert und eng mit den Realitäten des Gesundheitswesens verbunden.
Die Studierenden würden früh lernen, dass gute Gesundheitsversorgung Teamarbeit sei. An der ZHAW lernen sie nicht nur im Hörsaal, sondern auch in Spitälern, in Rehabilitationszentren oder in der Begleitung von Familien rund um Schwangerschaft und Geburt. Der enge Praxisbezug ermögliche es der Hochschule zudem, rasch auf Veränderungen im Gesundheitswesen zu reagieren und neue Berufsprofile in die Ausbildung zu integrieren. Abschliessend dankte die Rektorin den Mitarbeitenden des Departements für ihr grosses Engagement.
Ein Blick auf zehn Jahre Wachstum und Meilensteine
Regierungsrätin Silvia Steiner nutzte die Jubiläumsfeier für einen Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre. Seit 2009 haben fast 6000 Studierende am Departement Gesundheit einen Bachelor- oder Masterabschluss erworben. Hinzu kamen neue Studienangebote wie der Bachelorstudiengang Gesundheitsförderung und Prävention, der Masterstudiengang Hebamme sowie der geplante Masterstudiengang Public Health.
Besonders hob Silvia Steiner das gemeinsame Doktoratsprogramm mit der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich hervor, das seit acht Jahren erfolgreich besteht. Seit dessen Einführung haben bereits 17 Absolvent:innen des Departements einen Doktortitel erworben.
Auch die Umsetzung der Pflegeinitiative zeigte sie als wichtigen Meilenstein auf. Mit zusätzlichen Studienplätzen und der Aufhebung des Numerus Clausus habe der Kanton Zürich wichtige Voraussetzungen geschaffen, um mehr Fachpersonen auszubilden. Die rekordhohen Anmeldezahlen für den Bachelorstudiengang Pflege in diesem Jahr würden zeigen, dass diese Massnahmen Wirkung entfalten.
Zugleich unterstrich Silvia Steiner die Bedeutung der zahlreichen nationalen und internationalen Kooperationen des Departements. Sie seien ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Ausbildung und Forschung im Gesundheitsbereich.
Wirkung weit über die Campusmauern hinaus
Stadtpräsident Michael Künzle würdigte die Rolle des Departements für Winterthur und die gesamte Schweiz. Seit seiner Gründung habe es sich zu einer der bedeutendsten Ausbildungs- und Forschungsinstitutionen im Gesundheitsbereich entwickelt.
«Gesundheit ist keine Selbstverständlichkeit. Ihren Wert sehen wir oft erst, wenn sie fehlt. Umso wichtiger sind Menschen, die für Patientinnen und Patienten da sind. Das Departement Gesundheit bildet sie aus und trägt damit weit über die Mauern dieses Hauses Wirkung», sagte Michael Künzle.
Gleichzeitig hob er hervor, wie eng die Entwicklung des Departements mit jener der Stadt Winterthur verbunden sei. Wo früher Industriegeschichte geschrieben wurde, würden heute Gesundheitsfachpersonen für die Herausforderungen der Zukunft ausgebildet. Die Verbindung von Praxis, Innovation und Bildung präge Winterthur bis heute.
Chancen und Herausforderungen im Gesundheitssystem
Im anschliessenden Podiumsgespräch diskutierten Urs Brügger (Gesundheitsökonom), Gianna Berger (Kantonsrätin und Pflegefachfrau), Colette Carroz (Präsidentin des Ergotherapie-Verbands Schweiz), Susanne Gedamke (Geschäftsführerin der Schweizerischen Patientenorganisation SPO) sowie Andreas Gerber-Grote (Direktor des ZHAW Departements Gesundheit) über die Zukunft des Gesundheitswesens.
Die Diskussion zeigte schnell, was die Gesundheitsberufe auszeichnet: die grosse Sinnhaftigkeit der Arbeit. Gianna Berger betonte das Entwicklungspotenzial des Pflegeberufs. Sie selbst arbeitet seit vielen Jahren in der Pflege und absolviert derzeit berufsbegleitend ein Bachelorstudium an der ZHAW. Für Colette Carroz machen die Nähe zu den Patient:innen und die Möglichkeit, individuell auf sie einzugehen, die Ergotherapie bis heute zu ihrem Traumberuf.
Ein zentrales Thema war zudem die Frage, wie Patient:innen stärker in Entscheidungen einbezogen werden können. Susanne Gedamke kritisierte, dass ihre Perspektive in interdisziplinären Diskussionen noch zu wenig berücksichtigt werde. Andreas Gerber-Grote unterstützte diese Sicht und betonte, dass das Gesundheitssystem konsequent von den Bedürfnissen der Patient:innen her gedacht werden müsse. Es greife zu kurz, lediglich mehr Ärzt:innen zu fordern. Vielmehr müsse zuerst geklärt werden, wie das Gesundheitssystem der Zukunft aussehen soll. Daraus ergebe sich, welche Fachkräfte in welcher Anzahl und auf welchen Qualifikationsstufen benötigt werden. Erst dann lasse sich ein Konzept entwickeln, das den Bedürfnissen der Patient:innen gerecht wird.
Einig waren sich die Diskussionsteilnehmenden auch darin, dass die Kommunikation im Gesundheitswesen weiter verbessert werden kann – sowohl zwischen den Fachpersonen als auch gegenüber Patient:innen und Angehörigen. Besonders an den Schnittstellen zwischen verschiedenen Berufsgruppen und Institutionen bestehe weiterhin Handlungsbedarf.
Trotz der Herausforderungen überwog zum Schluss der Optimismus. Neue Rollen in den Gesundheitsberufen, vielfältigere Laufbahnen, stärkere Interprofessionalität, attraktive Studiengänge und die wachsende Einbindung der Patient:innen wurden als wichtige Fortschritte genannt. Diese Entwicklung gelte es in den kommenden Jahren konsequent weiterzuführen.
Mit dem Jubiläumsfest feierte das Departement Gesundheit nicht nur sein 20-jähriges Bestehen, sondern schuf auch Raum für Begegnungen, Rückblicke und Gespräche über die Zukunft der Gesundheitsversorgung. Damit spiegelte der Anlass den Leitgedanken wider, der das Departement seit seiner Gründung prägt: Gesundheit entsteht im Miteinander. Oder wie es Regula Jöhl in ihrer Rede formulierte: «Gesundheit ist Teamwork. Sie entsteht dann, wenn wir lernen, Verantwortung gemeinsam zu übernehmen und zu tragen.»