Forschung mit und für Familien
Mit der innovativen Family Systems Care Unit bildet das Departement Gesundheit der ZHAW seit fünf Jahren Studierende und Pflegefachpersonen in einem Reallabor in familiensystemischer Pflege aus. Ein aktuell veröffentlichter Fachartikel zeichnet die Erfolgsgeschichte auf.
Familien sind Systeme. Wird ein Mitglied krank oder leidet auf andere Weise gesundheitlich, so ist nicht nur das Individuum davon betroffen, sondern auch dessen Umfeld – in vielen Fällen dessen Familie. Eine familienzentrierte Pflege berücksichtigt die Bedürfnisse des Individuums, der Familien und der Gemeinschaften. Seit 2000 werden in der Schweiz Advanced Practice Nurses (APN) ausgebildet. Damit sie die notwendigen Fähigkeiten erwerben, um mit komplexen Systemen und steigenden Anforderungen im Gesundheitswesen klarzukommen, bedarf es auch neuer Wege in der Ausbildung.
Die Family Systems Care Unit (FSCU) am Institut für Pflege verknüpft reale Beratungen für Familien in gesundheitlich belasteten Situationen auf innovative Weise mit Lehre und Forschung. Diese Beratungen werden von erfahrenen APNs angeboten, die mehrheitlich auch in der Lehre und Forschung arbeiten. Das vor fünf Jahren gegründete «Labor des realen Lebens» ergänzt den Unterricht zu familiensystemischer Pflege, sodass Studierende auf allen Ausbildungsstufen einen kontinuierlichen, praxisnahen Kompetenzaufbau bis hin zum Expertenwissen durchlaufen können. Echte Beratungsgespräche können von Studierenden live durch eine Einwegscheibe beobachtet und mit dem Beratungsteam reflektiert werden. Auf Video aufgezeichnete Beratungsgespräche können in Masterarbeiten analysiert werden. Ausgewählte Videoaufnahmen werden im Unterricht eingesetzt.
Bis im Sommer 2025 haben 34 Familien das therapeutische Angebot im Rahmen der FSCU genutzt. Über fünfzig Studierende und Pflegefachpersonen haben die Gespräche verfolgt und das klinische Team bei der Vor- und Nachbereitung der Gespräche unterstützt. «Das Faszinierende ist, dass im FSCU real-live Labor Lehre, Forschung und praxisorientierter Wissenstransfer simultan verknüpft werden», sagt Elisabeth Stark, Projektkoordinatorin Family Systems Care Unit. «Pflegeexpert:innen beraten und begleiten Familien in gesundheitlich herausfordernden Situationen. Gleichzeitig fungiert das reale Beratungssetting als wesentlicher Treiber für die Kompetenzentwicklung in Family Systems Care und ermöglicht Lernprozesse vom Bachelor- über den Masterstudiengang bis hin zur Weiterbildung für Pflegefachpersonen und andere Gesundheitsprofessionen.»
Wer sich vertieft mit dem innovativen familienzentrierten Ausbildungsmodell auseinandersetzen möchte, findet im renommierten «Journal of Family Nursing» einen detaillierten Rückblick auf die ersten fünf Jahre FSCU.