«Ein Berufsfeld, mit dem ich mich identifizieren kann»
Hohe Gestaltungsfreiheit und eine gute Work-Life-Balance: Diese Aspekte schätzen Absolvierende des Bachelorstudiengangs Gesundheitsförderung und Prävention an ihrem Berufsfeld, wie eine Umfrage ergab. Diese zeigte aber auch: Der Einstieg in den Beruf muss proaktiv gestaltet werden.
Das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben scheint im Berufsfeld von Gesundheitsförderung und Prävention (GP) zentral zu sein und gut berücksichtigt zu werden. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse einer Online-Befragung hin, bei der Absolvierende des Bachelors letztes Jahr zu ihrer beruflichen Situation, der Berufsidentität und dem Studium befragt wurden. 133 ehemalige Studierende der Abschlussjahrgänge 2019 bis 2024 nahmen daran teil – was 56 Prozent aller Absolvierenden des Studiengangs entspricht. Die Teilnehmenden, die in der GP arbeiten, äusserten eine hohe Zufriedenheit mit der Arbeitszeit und dem Arbeitsklima, der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, der Handlungs- und Entscheidungsfreiheit sowie dem Niveau an Verantwortung.
Zürich als Hotspot
Die Befragung zeigt weiter, dass rund 23 Prozent der Erwerbstätigen in der Privatwirtschaft arbeiten, beispielsweise im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) eines Unternehmens oder bei einer Coaching-Firma. Je 20 Prozent sind bei regionalen Fachstellen, in der öffentlichen Verwaltung oder bei nationalen NGO tätig. Was dabei auffällt: Fast die Hälfte hat eine Anstellung im Grossraum Zürich. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass dort neben vielen grossen Unternehmen mit einem BGM auch zahlreiche Organisationen im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention angesiedelt sind. Dazu gehören neben national tätigen Organisationen wie Radix oder Pro Mente Sana auch viele regionale Fachstellen im Bereich Sucht, Schulden oder sexuelle Gesundheit.
Sinnstiftendes Studium
Die Absolvierenden, die im Feld GP tätig sind, nannten in der Befragung verschiedene Gründe, weshalb sie sich erneut für das Studium entscheiden würden. Dazu gehörten unter anderem die berufliche Relevanz und der Praxistransfer («Gut vorbereitet; kann Gelerntes anwenden»), die persönliche Entwicklung und Sinnhaftigkeit («Sinnstiftend, stärkt Identifikation») oder die Breite und Anschlussfähigkeit der Ausbildung («Generalistisch – Türen stehen offen»).
Eine der Umfrageteilnehmenden kommentierte: «Der Weg über diesen Studiengang hat mich zu einem Berufsfeld geführt, mit dem ich mich identifizieren kann. (...) Ich bin sehr glücklich, im BGM zu arbeiten, und der Studiengang hat mich darauf vorbereitet.»
Allerdings wurde auch Kritik geäussert – etwa an der Ausrichtung des Studiums. Dieses sei zu generalistisch aufgebaut, es brauche Vertiefungen. «Das Thema war zu breit, ich möchte mehr Expertenwissen», so eine der Rückmeldungen in der Befragung. Bemängelt wurden weiter die fehlende Anschlussfähigkeit, beispielsweise in Form eines Masterstudiengangs, und Herausforderungen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt, der wenige und häufig Stellen mit kleinem Pensum biete.
Proaktive Laufbahngestaltung
Der Einstieg in die Berufspraxis werde mit Vorteil proaktiv gestaltet und breit angelegt, sagt Karin Nordström. «Absolvent:innen, die sich breit orientieren und in Stellenangeboten passende Stellen erkennen, auch wenn sie nicht explizit so ausgeschrieben sind, tragen zur wachsenden Bekanntheit des Studiums und des Berufsbilds bei. Für viele Stellen sind Gesundheitsförder:innen eigentlich geeignet – sie werden aber nicht explizit so ausgeschrieben.» Für die Absolvierenden bedeutet dies laut der Studiengangleiterin, dass sie «proaktiv und initiativ sein, sich vernetzen und ihre Laufbahn aktiv gestalten sollten.»
Um sie dabei besser zu unterstützen, habe man im Rahmen des Studiengangs verschiedene Massnahmen ergriffen, etwa ein überarbeitetes Konzept zur Laufbahnberatung oder das Teilen von offenen Stellen über LinkedIn. Und: «Wir fördern gezielt sogenannte Future Skills und überfachliche Kompetenzen. Diese unterstützen Absolvierende dabei, sich in einem sich wandelnden Arbeitsmarkt zurechtzufinden, neue Anforderungen flexibel zu bewältigen und ihre Beschäftigungsfähigkeit auch über ihr ursprüngliches Berufsfeld hinaus zu sichern.»
Den Beruf sichtbarer machen
Auch die Berufsidentität und das Berufsbild, bei denen es gemäss der Befragung noch Luft nach oben gibt, soll im Studium vermehrt gestärkt werden. «Es braucht mehr Sichtbarkeit und Anerkennung der noch jungen Profession», sagt Karin Nordström. Der Studiengang fördere dies mit Massnahmen in der Fachwelt und für Studierende. So beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe des Dozierendenteams zum Thema Berufsbild mit Massnahmen zur Sichtbarmachung des Berufs und der im Studiengang erworbenen Kompetenzen und wird ihre Aktivitäten künftig vermehrt auch über geeignete Kommunikationsmittel sichtbar machen. Aktuelle Projekte in Zusammenarbeit mit Gesundheitsförderung Schweiz und SSPH+ tragen laut der Studiengangleiterin ebenfalls dazu bei.
Weiter haben Studierende die Möglichkeit, sich die Teilnahme an nationalen und internationalen Kongressen und Netzwerktreffen teilweise im Wahlpflichtbereich anrechnen zu lassen. «Mittel- bis langfristig ist auch ein Berufsverband für Gesundheitsförder:innen ein Thema», sagt Karin Nordström.
Nicht zuletzt werden für die Bachelorabsolvierenden künftig auch die akademischen Anschlussmöglichkeiten verbessert: Ab Herbstsemester 2027 bietet das Departement Gesundheit den Masterstudiengang Public Health an.
Personenprofil
- Prof. Dr. Karin Nordström, Studiengangleitung BSc Gesundheitsförderung und Prävention