Eingabe löschen
Zum Inhalt

Hauptnavigation

School of Management and Law

Servicenavigation

Zürcher KMU blicken pessimistischer in die Zukunft

Immer weniger Betriebe rechnen mit einem Umsatz- und Margenwachstum. Dabei zeigen sich grosse Unterschiede zwischen Branchen: In der Branche Bau/Architektur schätzen 70 Prozent die Geschäftslage positiv ein, in der Industrie lediglich 30 Prozent. Bei den wahrgenommenen Herausforderungen gibt es eine Trendwende: Personalmangel verliert an Bedeutung, die schwache Nachfrage macht mehr Sorgen. Dies zeigt die sechste Ausgabe des «KMU ZH Monitor» der Zürcher Kantonalbank und der ZHAW School of Management and Law.

Negativer Stimmungstrend hält an

Die Stimmung bei den Zürcher KMU hat sich 2026 insgesamt verschlechtert. Aktuell beurteilen 60 Prozent der Betriebe ihre Lage als positiv – 2025 waren es noch 64 Prozent. Auch der Blick nach vorne fällt gedämpfter aus: Der Anteil der KMU, die eine positive Geschäftsentwicklung erwarten, sank im Vorjahresvergleich von 70 auf 64 Prozent.

«Der Stimmungstrend zeigt seit mehreren Jahren nach unten», sagt Studienleiter Dr. Patrick Chardonnens von der ZHAW. Das zeigt sich auch bei den Erwartungen zu Umsatz und Marge. Betrachtet man die Differenz zwischen positiven und negativen Erwartungen, rechneten 2022 noch netto 41 Prozent der KMU mit steigenden Umsätzen. Heute sind es 12 Prozent. Und auch bei den Margenerwartungen sind die KMU pessimistischer geworden: 2026 halten sich positive und negative Einschätzungen die Waage.

Für KMU bedeutet die abgekühlte Marktstimmung weniger Wachstum – selbst bei KMU die laut eigenen Angaben genügend Marktnachfrage verzeichnen. Der Überhang an Unternehmen, die Stellen schaffen, gegenüber denen, die Stellen abbauen wollen, ist seit 2022 auf rund ein Drittel geschrumpft. Nur noch 10 Prozent mehr KMU planen einen Personalauf- statt einen Personalabbau.

Herausforderungen haben sich verschoben

Ein Grund für die verschlechterte Gesamtlage könnte die deutlich geringere Marktnachfrage sein. Seit 2023 hat sich der Anteil der KMU, die eine «ungenügende Marktnachfrage» als grosse Herausforderung einstufen, verdoppelt. Mittlerweile kämpft etwa ein Drittel der Betriebe mit einer schwachen Nachfrage. In diesem Kontext rückt bei knapp der Hälfte der KMU ein neues Thema in den Fokus: die Kundenakquise. Sie belegt Platz 3 der Top-Herausforderungen.

In Einklang mit sinkender Nachfrage, herausfordernder Kundenakquise und rückläufigem Personalaufbau hat das Dauerthema Personalgewinnung für KMU an Bedeutung eingebüsst – sie rangiert in diesem Jahr auf Platz 4. Zwischen 2023 und 2026 ist der Anteil der KMU, die Personalgewinnung als Herausforderung betrachten, von 63 auf 42 Prozent gesunken.

Als Top-Herausforderung sehen KMU «Vorschriften und Regulierungen». Das Thema hat leicht an Bedeutung gewonnen und stellt heute für die Hälfte aller KMU eine Herausforderung dar. Unverändert auf Platz 2 liegt «Digitalisierung und KI», wobei insbesondere kleinere Unternehmen diese Herausforderung verstärkt wahrnehmen.

Industrie und Handel durch geringe Nachfrage belastet

Ein detaillierter Blick auf die Umfrageergebnisse des KMU ZH Monitor zeigt deutliche Branchenunterschiede. «Wir spüren die Zurückhaltung auch bei unseren Kundinnen und Kunden – insbesondere bei Investitionsentscheiden», sagt Patrick Sulser, Leiter Spezialberatungen und -finanzierungen bei der Zürcher Kantonalbank. «Gleichzeitig zeigt sich klar, dass die Situation je nach Branche sehr unterschiedlich ist. Die breite Teilnahme am KMU ZH Monitor von Unternehmen aus verschiedenen Bereichen ermöglicht einen fundierten Einblick in die aktuelle Lage der Zürcher KMU.»

Besonders getrübt ist die Stimmung in der Industrie und im Handel. Hier beurteilt weniger als die Hälfte der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut (Industrie: 30%, Handel 47%). Die Mehrheit dieser KMU rechnet mit sinkenden Margen und der Anteil an KMU mit positiven Umsatzerwartungen ist im Branchenvergleich niedrig.

Der Anteil der KMU, die «ungenügende Marktnachfrage» als Herausforderung nennen, liegt in Industrie und Handel je etwas mehr als 11 Prozent über dem Gesamtdurchschnitt. Hinzu kommt, dass der starke Schweizer Franken die Industrie überdurchschnittlich belastet (+22,8%), während im Handel vor allem der Wettbewerbsdruck als Herausforderung gilt (+15,5%). 

Für Lichtblicke sorgen Bau und Dienstleistungen

Die verschlechterte Gesamteinschätzung der KMU zeigt sich nicht in allen Branchen gleich stark. KMU aus den Bereichen Bau/Architektur sowie wirtschaftliche und soziale Dienstleistungen blicken weiterhin positiv auf ihre Wirtschaftslage. Nach wie vor bewertet mehr als die Hälfte dieser Betriebe ihre Geschäftslage als gut (Bau/Architektur: 70%, soziale Dienstleistungen: 57%, wirtschaftliche Dienstleistungen: 52%). Die Mehrheit erwartet zudem steigende Umsätze und Margen.

In diesem Umfeld bleibt die Personalgewinnung für die Branche Bau/Architektur ein zentrales Thema. Insgesamt 67,5 Prozent der Betriebe in dieser Branche sehen darin eine Herausforderung – das sind 25 Prozentpunkte mehr als im Branchendurchschnitt. Für KMU im Bereich der sozialen Dienstleistungen zählt hingegen «Digitalisierung und KI» zu den grössten Herausforderungen. Bei den wirtschaftlichen Dienstleistungen liegt der Anteil der Unternehmen, die dieses Thema als Herausforderung nennen, um 7,8 Prozentpunkte über dem Durchschnitt.

Kontakt

Dr. Patrick Chardonnens
Telefon: +41 58 934 63 12
E-Mail: patrick.chardonnens@zhaw.ch