Swiss Managers Survey 2026: Schweizer Unternehmen stellen sich auf eine geopolitisch fragmentierte Welt ein
Geopolitische Risiken sind für Schweizer Unternehmen zur neuen Normalität geworden. Dies zeigt die 7. Ausgabe des Swiss Managers Survey, einer gemeinsamen Studie von ZHAW School of Management and Law, weiteren Business Schools und Handelskammern aus der ganzen Schweiz. Für die Erhebung wurden zwischen Mai und Juni 2026 insgesamt 332 Führungskräfte aus allen Sprachregionen und unterschiedlichsten Branchen befragt.
Unternehmen bleiben widerstandsfähig
Trotz eines zunehmend komplexen globalen Umfelds präsentieren sich Schweizer Unternehmen insgesamt robust. Rund neun von zehn Befragten bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als mindestens zufriedenstellend. Gleichzeitig hat sich die Stimmung gegenüber dem Vorjahr leicht verbessert: Der SMS Business Climate Index stieg nach seinem Tiefpunkt im Jahr 2025 wieder auf 62 Punkte. Die Erwartungen an die kommenden Monate haben sich aufgehellt, auch wenn der Optimismus insgesamt verhalten bleibt.
Besonders Industrieunternehmen berichten häufiger von sehr guten Geschäftsbedingungen als Unternehmen im Dienstleistungssektor. Insgesamt dominiert jedoch die Erwartung einer stabilen Entwicklung.
Wettbewerbsvorteile durch Qualität und Innovation
Die Studie bestätigt ein bekanntes Muster der Schweizer Wirtschaft: Unternehmen konkurrieren vor allem über Innovation, hochqualifizierte Mitarbeitende und Produktqualität. Rund 60 Prozent der Führungskräfte sehen ihre Unternehmen bei Innovation und Talenten besser positioniert als ausländische Wettbewerber. Fast 80 Prozent bewerten die Qualität ihrer Produkte als überlegen.
Gleichzeitig bleibt die Kostenstruktur die grösste Herausforderung. Drei Viertel der Befragten sehen ihre Unternehmen bei den Kosten im Nachteil gegenüber internationalen Konkurrenten. Schweizer Unternehmen setzen damit weiterhin auf ein Premium-Modell statt auf Preisführerschaft.
Lieferketten im Zentrum geopolitischer Risiken
Geopolitische Entwicklungen wirken inzwischen direkt auf die Geschäftstätigkeit vieler Unternehmen. Nur eine kleine Minderheit sieht sich keinen geopolitischen Risiken ausgesetzt. Besonders stark betroffen ist die Industrie.
Als grösste Bedrohung nennen die Befragten Unterbrüche von Lieferketten und Logistiknetzwerken. Dahinter folgen Wechselkurs- und Finanzmarktvolatilität sowie Cyberrisiken und Abhängigkeiten von digitaler Infrastruktur. Handelshemmnisse und Zölle werden zwar weiterhin als relevant wahrgenommen, stehen jedoch nicht an erster Stelle der Sorgen.
Die Mehrheit der Unternehmen geht davon aus, dass geopolitische Risiken auch künftig auf dem heutigen Niveau bleiben oder weiter zunehmen werden.
Resilienz statt Expansion
Die Reaktionen der Unternehmen zeigen eine klare Priorität: Absicherung vor Wachstum. Bereits 38 Prozent der Unternehmen haben ihre Lieferantenbasis diversifiziert, weitere 33 Prozent prüfen entsprechende Schritte. Viele Unternehmen reduzieren zudem ihre Abhängigkeit von einzelnen Märkten oder bauen zusätzliche Lagerbestände auf.
Die Folgen sind auch im Inland spürbar: 28 Prozent der befragten Unternehmen haben einen Einstellungsstopp verhängt, 22 Prozent Investitionen verschoben. Demgegenüber haben lediglich 15 Prozent neue Exportmärkte erschlossen.
Strategische Gewichte verschieben sich
Die Wahrnehmung wichtiger Wirtschaftsregionen verändert sich ebenfalls. Besonders deutlich ist der Vertrauensverlust gegenüber den USA: Rund zwei Drittel der Führungskräfte bewerten die Vereinigten Staaten heute negativer als noch vor einigen Jahren.
Während die Europäische Union für viele Unternehmen ein stabiler wirtschaftlicher Anker bleibt, gewinnt Indien zunehmend an Bedeutung. Unter den untersuchten Regionen wird Indien inzwischen am positivsten bewertet.
Geopolitik wird zur Managementaufgabe
Die Ergebnisse des Swiss Managers Survey 2026 zeigen, dass geopolitische Risiken längst nicht mehr als vorübergehende Krisenerscheinungen betrachtet werden. Vielmehr entwickeln sie sich zu einer dauerhaften Rahmenbedingung strategischer Unternehmensführung. Für Schweizer Unternehmen wird damit die Fähigkeit, Resilienz aufzubauen und gleichzeitig ihre Innovations- und Qualitätsvorteile zu sichern, zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Über die Swiss Managers Survey
Die Swiss Managers Survey ist ein gemeinsames Forschungsprojekt der ZHAW School of Management and Law, der SUPSI und der HEG Arc sowie mehrerer Handelskammern. Die Studie untersucht jährlich die Einschätzungen von Führungskräften zur wirtschaftlichen Entwicklung, Wettbewerbsfähigkeit und zu strategischen Herausforderungen Schweizer Unternehmen.