Bericht ZKM-Praxistag Frühlingssemester 2026
Bericht über den ZKM Praxistag zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) in Kunst und Kultur im Stadtmuseum Aarau und im Aargauer Kunsthaus - Jasmin Siahpoush
Am 29.5. fand der gemeinsame Praxistag der beiden CAS-Klassen «Kulturpolitik und Kulturförderung», «Kulturmarketing und Kulturvermittlung» sowie Alumni des MAS Arts Management statt. An diesem Tag holten wir die Zukunft in die Gegenwart und liessen künstlerisch-technische Visionen zur Realität werden. Umfassend und auch kritisch beleuchteten wir das wegweisende und komplexe Metathema «KI in Kunst und Kultur» inmitten der zukünftigen Kulturhauptstadt Aarau. Drei Perspektiven strukturierten dabei unseren Tag: KI im Einsatz in Kulturorganisationen (Vermittlung und Kuration), KI als künstlerisches Werkzeug und KI in der Kulturförderpraxis. Am Tagesende wussten wir, unsere Zeit war gut investiert. Wir gingen mit wertvollen Erkenntnissen aus dem Praxistag.
Vormittag – zu Gast am Stadtmuseum Aarau
Nach einem sehr herzlichen Empfang im Foyer des Stadtmuseums Aarau und der Begrüssung und Einführung in den Tag durch Prof. Dr. Leticia Labaronne und Dr. Svenia Schneider-Wulf, traten wir mit Marc Griesshammer, Leiter Stadtmuseum Aarau, in den vertiefenden Dialog zu «Digitalisierung als strategisches Thema im Museum». Eingangs verblüfft er uns im modernen Audio-Saal des Museums mit seinem eigens für den Tag mittels KI entworfenen Rap-Song. Diesen hatte er via Suno AI bereits am Vortag für uns generiert.
Es wurde deutlich, dass der digitale Wandel kein kurzfristiger Trend ist, sondern eine grundlegende gesellschaftliche Transformation. Daher verfolgt das Stadtmuseum Aarau eine proaktive KI-Strategie und fördert Offenheit, Neugierde und Experimente im Team und bei den Besuchenden. Ziel ist es, Mitarbeitende KI-kompetent zu machen, damit sie Wissen weitergeben und Besuchende unterstützen können. Auch Besuchende werden aktiv eingebunden, um Berührungsängste mit KI abzubauen und es wird eine Vielzahl an Workshops sowie Vorträgen angeboten. Wir erfuhren auch, dass das Museum sich im städtischen KI-Lab engagiert und gemeinsam mit Aarauer Institutionen Leitlinien entwickelt und hierbei auch ethische Aspekte explizit einbezieht.
Ein Prompt ein Bild, oder vielleicht doch nicht? Besuch der Ausstellung «New Realities - wie Künstliche Intelligenz uns abbildet»
Nach einer kurzen Pause richteten wir unseren Blick in die aktuelle Ausstellung, die beleuchtet, wie generative KI unsere Sehgewohnheiten und unsere Bildwahrnehmung rasant verändert. Gezeigt wurden fotorealistische, computergenerierte Bilder (u.a. von der Digitalkuratorin Maren Burghard), die zur kritischen Reflexion über Realität, Ästhetik und Ethik in der heutigen Zeit anregen. Erstaunt darüber, wie realistisch KI-Werke aussehen, durchwanderten wir das 1. Obergeschoss, begleitet von Marc Griesshammers Erläuterungen.
Mit der zentralen Fragestellung, warum wir von KI fasziniert und gleichzeitig zurückhaltend sind, beleuchteten wir unterschiedliche Aspekte in der KI-Fotografie, Vermittlung an Zielgruppen und im gesellschaftlichen Wandel unserer Zeit. Kein Bild gleicht dem anderen, selbst wenn derselbe Wortlaut gewählt wurde. Plötzlich standen viele Fragen im Raum. Sind nun die Wort Aneinanderreihungen bereits die wahre Kunst? Ist nun der Prompt mehr Pinsel als der Künstler selbst? Wie authentisch, oder manipulativ, wirken die Bilder auf junge Betrachter:innen? Wir hielten fest, dass KI (im Vergleich zu Menschen), selbst kein neues Wissen produziert und nahmen mit, dass KI-Werke, seit 2022, über den Kunstpreis gewürdigt werden.
Sokratisches Modell – oder anders gefragt, wie bekommt man heutzutage Kinder dazu weiterzudenken?
Zum Abschluss des Vormittags fanden wir uns nochmals im Saal des Stadtmuseums ein, um ausgehend vom Ausstellungsbesuch die Frage von KI in der Vermittlungspraxis zu reflektieren. Hier diskutierten wir auch den Zusammenhang von Museen, Bildung und kritischem Denken. Wir erfuhren, dass Schulbesuche im Stadtmuseum Aarau ansteigen und es ein grosses Interesse gibt, den reflektierten Umgang mit KI zu erlernen. Der erste Teil des Praxistages verdeutlichte uns, die Chancen von KI für Kulturschaffende aber auch die Notwendigkeit eines breiten gesellschaftlichen Diskurses.
Zum gemeinsamen Mittagessen begaben wir uns anschliessen in das Café Basil im Aargauer Kunsthaus.
Nachmittag - zu Gast am Aargauer Kunsthaus
Gastgeberin des Nachmittagsteils waren die Direktorin des Aargauer Kunsthaus, Dr. Katharina Ammann und der Fachspezialist Vermittlung Digitale Projekte am Kunsthaus Jan Lässig. Sie erläuterten uns zunächst die Programmarbeit des Kunsthauses und die Arbeitsschwerpunkte. Beispielsweise wurde uns anhand des internationalen Gegenwartskünstlers Omar Bar das Verständnis des Kunsthauses von der Schweiz als Raum der Kunst und damit verbunden der Frage «Was ist Schweizer-Kunst?» erläutert. Wir erfuhren auch, dass dem Aargauer Kunsthaus - ebenso wie dem Stadtmuseum - kulturelle Teilhabe und gesellschaftliche Relevanz ein wichtiges Anliegen ist.
Kreativität ist keine fixe Grösse, sondern eine Zuschreibung
Spannende Einblicke erhielten wir im Anschluss in die laufenden Vorbereitungen der im September öffnenden Ausstellung Künstliche Kreativität, die das kreative Potenzial der KI in der zeitgenössischen Kunst erforschen will. In einer Präsentation konnten wir einen ersten Blick auf ausgewählte Werke werfen und wurden in die Überlegungen und Planungen zur Vermittlungsarbeit in der Ausstellung eingeführt. Anhand der gezeigten Beispiele u.a. Robi Voigt, Botto oder Emanuel Gollob wurde deutlich, wie vielfältig Künstler:innen KI als künstlerisches Werkzeug bereits heute einsetzen. Während Botto generative Modelle nutzt, um wöchentlich Kunstwerke zu erschaffen, die von einer DAO-Community bewertet, und dann als NFT versteigert werden, lässt Robi Voigt, ein preisgekrönter deutscher Medienkünstler und Bühnenbildner, Videos über KI-Bilder laufen und schafft mit seiner audiovisuellen Denke neue Zugänge zur Kunst.
Diese Erkenntnisse zeigen, wie das Aargauer Kunsthaus aktuelle gesellschaftliche, digitale und kreative Entwicklungen in seine Vermittlungsarbeit integriert.
Praxisorientierte Innovationsarbeit – Input und Workshop von Pro Helvatia zur Kulturförderung in Zeiten von KI
Im zweiten Teil des Nachmittags setzen wir uns mit der Frage auseinander, wie sich die Kulturförderung aktuell mit dem Thema KI auseinandersetzt. Wir erhielten zunächst von Fabienne Schellenberg, Head of Innovation & Society Pro Helvetia, einen spannenden Einblick in den strategischen Einsatz der Förderer im Umgang mit diesem komplexen Themenfeld. Sie ordnete ausserdem für uns das aktuelle Engagement in den Kontext schweizweiter Bestrebungen ein. Im anschliessenden Intensivworkshop mit Xénia Geller, Spezialistin Innovation & Gesellschaft/Projektleitung "Ai x Funding bei Pro Helvetia wagten wir eine praxisbezogenen Deep-Dive. Wir wurden durch einen fiktiven künstlerischen Kreationsprozess geführt und reflektierten in drei Gruppen in den Bereichen «Film», «Musik» und «Visual Arts», an welchen Stellen KI aus Sicht der Praxis sinnvoll eingesetzt werden kann und wo bewusst darauf verzichtet werden sollte.
Nach diesem intensiven und anregenden Tag konnten wir gemeinsam mit allen Referenten:innen und dem Team des ZKM die neuen Eindrücke und Denkanstösse bei einem Ausklang gemeinsam Revue passieren lassen. Dankend nahmen wir Abschied von Aarau.
Das ZKM-Team bedankt sich herzlich bei Jasmin Siahpoush, Teilnehmerin im CAS Kulturmarketing und Kulturvermittlung, für den anschaulichen Praxisbericht! Ausserdem gilt unser Dank allen beitragenden Referent:innen sowie dem Stadtmuseum Aarau und dem Aargauer Kunsthaus für Ihre Gastfreundschaft!
Was ist der ZKM Praxistag?
Der ZKM Praxistag findet zweimal im Jahr, jeweils im Frühlings- und Herbstsemester, statt. Er erweitert das Weiterbildungscurriculum für alle Teilnehmende im MAS Arts Management und bietet Impulse sowie Austausch mit Praktiker:innen, ZKM-Alumni und anderen CAS/MAS Teilnehmenden.