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Fördert das Elektro-Rollstuhl-Training die Mobilität und Teilhabe von Kleinkindern mit infantiler Zerebralparese?

Dieses Projekt konnte aufzeigen, dass das Elektro-Rollstuhl-Training die Entwicklung von Kleinkindern mit Zerebralparese positiv beeinflusst.

Foto: Permobil

Kinder mit einer Bewegungsstörung aufgrund einer Hirnschädigung sind in ihrer Fortbewegung eingeschränkt. Sie können dadurch ihre Umwelt nicht ihrem Alter entsprechend erkunden und nur beschränkt an Aktivitäten Gleichaltriger oder der Familie teilhaben. Bisher werden diese Kinder in der Schweiz häufig erst im Jugend- und Erwachsenenalter mit Elektro-Rollstühlen (E-Rollstuhl) versorgt. Die Studie untersuchte, ob ein Elektro-Rollstuhl-Training die Entwicklung und Selbstständigkeit der Kleinkinder fördern kann.

Kinder mit Zerebralparese (CP) haben vielfältige körperliche und z.T. auch kognitive Einschränkungen. Sie können sich deshalb bei einer schweren Behinderung nicht selbstständig fortbewegen. Ihnen steht nur ein kleiner Ausschnitt der Umwelt zum Erkunden zur Verfügung. An Aktivitäten Gleichaltriger können sie nur eingeschränkt und mit Hilfe anderer teilhaben. Durch den Gebrauch des Elektro-Rollstuhls können bereits Kleinkinder eine altersgemässe Mobilität erlangen. Das fördert, wie internationale Studien zeigten, ihre gesamte Entwicklung, die Selbständigkeit und das Selbstwertgefühl. Bislang ist das frühe Elektro-Rollstuhl-Training in der Schweiz jedoch noch kaum bekannt und etabliert. Elektro-Rollstühle werden oft erst im Jugend- oder Erwachsenenalter zur Förderung der Selbständigkeit abgegeben.

Ziele der Studie

Das Ziel dieser Studie war, die Wirksamkeit eines Elektro-Rollstuhl-Trainings bei Kindern mit CP im Alter von zwei bis vier Jahren auf die Ausführung von Alltagsaktivitäten, die soziale Interaktion und die Lernfähigkeit im Umgang mit dem E-Rollstuhl zu überprüfen.

Studiendesign und Methoden

Die Methode war eine Einzelfallstudie mit Zeitreihendesign. Das heisst, bei zwei Kindern im Alter von 2 und 4 Jahren wurden mit wiederholten Messungen Phasen mit und Phasen ohne Einsatz des Elektro-Rollstuhls verglichen. Eine Phase dauerte jeweils drei Monate. Das Elektro-Rollstuhl-Training wurde am KER-Zentrum des Ostschweizer Kinderspitals durchgeführt. Das Therapieeinheiten umfassten wöchentlich 45 bis 60 Minuten. Das Training basierte auf der Arbeit von Nilsson und Durkin (2014), die verschiedene therapeutische Strategien empfehlen, um die Mobilität von Kindern mit dem E-Rollstuhl zu fördern. Dazu gehören unter anderem die Auswahl von Lernaktivitäten mit geeignetem Schwierigkeitsgrad für das Kind (z.B. üben drinnen oder draussen) oder die Verwendung spezifischer Anleitungen (z.B. kurze und klar verständliche Anweisungen oder ausführliche Erklärungen).


Gemessen wurde die zurückgelegte Strecke in Metern pro Sitzung sowie verschiedene Parameter anhand der standardisierten Messinstrumente: 

  • Assessment of Learning Powered Mobility Use (ALP), 
  • Assessment of Motor and Process Skills (AMPS), 
  • Paediatric Evaluation of Disability Inventory (PEDI),
  • Evaluation of Social Interaction (ESI). 

Für jedes Kind wurde der individuelle Verlauf über fünf Phasen deskriptiv und grafisch dargestellt.

Ergebnisse

Die Daten der zwei Kinder zeigten klinisch bedeutungsvolle Interventionseffekte beim ALP, AMPS und ESI sowie teilweise klinisch bedeutungsvolle Effekte gemessen mit dem PEDI. 

Dies bedeutet, dass das Elektro-Rollstuhl-Training nicht nur die Mobilität von kleinen Kindern mit CP steigert, sondern auch ihre Lernfähigkeit, die Qualität ihrer sozialen Interaktion und die Qualität der Ausführung von Aktivitäten des täglichen Lebens verbessert. Den Resultaten zufolge könnte das Elektro-Rollstuhl-Training auch in der Schweiz bereits bei Kindern ab zwei Jahren durchgeführt werden. Für die Evaluation empfehlen wir verschiedene Assessments für Elektro-Rollstuhl-Mobilität und für Partizipation.

Ausserdem empfehlen wir, die Generalisierbarkeit dieser Ergebnisse anhand von Studien mit grösserer Fallzahl zu überprüfen. Dies könnte entweder in der Form randomisierter kontrollierter Studien oder im Rahmen eines internationalen Registers für Elektro-Rollstuhl-Mobilität umgesetzt werden.

Publikationen und Berichte

Finanzierung

  • Cerebral – Schweizerische Stiftung für das cerebral gelähmte Kind
  • Stiftung für Ergotherapie
  • Ebnet Stiftung
  • STAB - Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur

Projektorganisation

  • Projektleitung
    Prof. Dr. Brigitte Gantschnig
  • Projektdauer
    2015-2019
  • Projektteam
    André Meichtry, Msc, ZHAW
  • Partner
    Zentrum für Kinderneurologie, Entwicklung und Rehabilitation (KER-Zentrum)
    Ostschweizer Kinderspital St. Gallen, vertreten durch Susanne Rönnfeld
    Dr. Lisbeth Nilsson, Ergotherapeutin, internationale Expertin für «Powered Mobility», Lund University, Schweden
  • Finanzierung
    Stiftung Cerebral
    Stiftung für Ergotherapie Zürich
    STAB - Stiftung für Abendländische Kultur
    Ebnet Stiftung
  • Projektstand
    Abgeschlossen