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School of Management and Law

Nachhaltigkeit im Schweizer Kreditgeschäft: etabliert mit weiterem Potential

Mit der zweiten Ausgabe der Swiss Sustainable Lending Market Study analysieren das Institut für Financial Management der ZHAW School of Management and Law gemeinsam mit Swiss Sustainable Finance erneut, wie Schweizer Banken Nachhaltigkeit in ihrem Kredit- und Hypothekargeschäft integrieren. Die Studie basiert auf einer Befragung von 23 Banken mit regionalem, nationalem und internationalem Fokus und zeigt: Nachhaltigkeit ist im Schweizer Lending-Markt angekommen – wird aber bislang oft risiko- und regelgetrieben umgesetzt.

Strategische Verankerung: mehr Struktur, begrenzte Tiefe

Rund drei Viertel der befragten Banken verfügen inzwischen über eine Nachhaltigkeitsstrategie für ihre Finanzierungsaktivitäten, knapp 90 Prozent haben Nachhaltigkeitsaspekte in ihren Kreditrichtlinien verankert. Gegenüber der ersten Erhebung zeigt sich damit eine klare Zunahme an Formalisierung, Governance-Strukturen und spezialisierten Rollen.

Inhaltlich bleibt die Umsetzung jedoch heterogen. Nachhaltigkeit wird primär aus Risiko-, Reputations- und Regulierungsperspektive adressiert. Ausschlusskriterien und ESG-Risikobetrachtungen sind weit verbreitet, während chancenorientierte Ansätze – etwa die gezielte Finanzierung von Transformation oder nachhaltigen Geschäftsmodellen – weiterhin eine Nebenrolle spielen. Finanzielle Risiken werden von den Banken bislang überraschend selten als zentraler Treiber genannt.

Net-Zero-Ziele und physische Klimarisiken: Fokus auf Hypotheken und 2030

Die Mehrheit der Banken hat Net-Zero-Ziele und Übergangspläne definiert. Interim-Ziele existieren meist nur bis 2030; längerfristige Zielpfade sind die Ausnahme. Physische Klimarisiken werden bislang deutlich häufiger im Immobiliengeschäft berücksichtigt als im Firmenkundengeschäft. Ihr Einfluss auf Kreditkonditionen ist gering und erfolgt primär indirekt über Bewertungen, Versicherbarkeit oder Belehnungsgrenzen.

Kund:innenberatung: reif im Retail, fragmentiert bei Unternehmen

Am stärksten institutionalisiert ist Nachhaltigkeit in der Beratung von Retailkund:innen, insbesondere im Hypothekargeschäft. Energieeffizienz, Renovationsberatung, Förderprogramme und der Einsatz externer Tools sind hier weitgehend etabliert – nicht zuletzt aufgrund regulatorischer Vorgaben.

Im KMU- und Grosskundensegment zeigt sich hingegen ein fragmentiertes Bild. Nachhaltigkeit ist zwar häufiger Bestandteil der Beratung als noch in der letzten Erhebung, wird jedoch stark sektorspezifisch adressiert. Besonders in emissions- und regulierungsintensiven Branchen findet ein aktiver Dialog statt. Zeitmangel auf Seiten der Kundschaft und bei Banken, fehlende Daten und begrenzte interne Ressourcen bremsen eine breitere Integration.

Kredit- und Hypothekarprodukte: Risikologik dominiert

Im Kreditgeschäft dominiert weiterhin die auf Risiken orientierte Sichtweise. Ausschlussstrategien sind weit verbreitet, ESG-Integration erfolgt selektiv und vor allem bei Grossunternehmen. Nachhaltigkeitsbezogene Kreditprodukte wie Sustainability-Linked Loans oder Green Loans werden nur von einer Minderheit der Banken systematisch eingesetzt. Viele Institute sehen konventionelle Finanzierungsinstrumente als ausreichend für nachhaltige Investitionen an.

Im Hypothekargeschäft ist die Marktreife höher. Energieeffizienz ist der zentrale Nachhaltigkeitsfaktor, gestützt durch etablierte Zertifikate wie GEAK oder Minergie. Nachhaltige Hypothekenprodukte gewinnen an Bedeutung, während andere ökologische oder soziale Dimensionen bislang eine untergeordnete Rolle spielen.

Fazit: vom Risikomanagement zur aktiven Gestaltung

Die Studie zeichnet das Bild eines Marktes, in dem Nachhaltigkeit im Kreditgeschäft zwar etabliert ist – allerdings primär als Instrument des Risikomanagements und der Compliance. Der nächste Entwicklungsschritt liegt darin, Nachhaltigkeit stärker strategisch zu nutzen: durch konsistentere Integration in Kreditprozesse, längere Planungshorizonte, bessere Daten und eine aktivere Begleitung der Transformation von Unternehmen und Immobilienbeständen.

Die Swiss Sustainable Lending Market Study 2025 bietet hierfür eine fundierte Standortbestimmung und zahlreiche Anknüpfungspunkte für Praxis und Weiterentwicklung. Ein vertiefter Blick in die Studie lohnt sich.

→ Zur Studie

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Kontakt

Andreas Schweizer
Dozent / Projektleiter für Corporate Banking & Sustainable Financing
+41 (0) 58 934 78 94
andreas.schweizer@zhaw.ch