The Global Pulse: Team MESH
Drei ZHAW-Alumni gründen ein Unternehmen für Circular Supply Chains: Direkt nach ihrem Master in Circular Economy Management wagten Till Fülscher, Louis Ecker und Dominik Arpagaus den Schritt in die Selbstständigkeit. Im Gespräch erzählen sie, wie ihre Idee im Studium an der ZHAW entstand – und warum genau jetzt der richtige Zeitpunkt zum Gründen war.
Was genau bietet eure Firma MESH an?
Dominik: Kurz gesagt: Wir bauen digitale Zwillinge von Lieferketten, um Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Prozesse zirkulär auszurichten und zu optimieren.
Till: Die Idee ist während unserer Masterarbeiten entstanden. Ich habe mich mit der Frage beschäftigt, was man aus der Theorie komplexer Systeme für zirkuläre Lieferketten lernen kann – und festgestellt, dass viele Unternehmen an der Schnittstelle zwischen qualitativen und quantitativen Methoden scheitern. Gemeinsam mit Dominik und Louis haben wir daraufhin die im Master kennengelernte Methodik des System Dynamics Modeling auf diese Fragestellungen angewendet. Damit können Unternehmen Szenarien simulieren, Entscheidungen datenbasiert treffen und ihre Lieferketten nachhaltiger gestalten.
Ihr habt euren ersten Kunden schon im Studium gewonnen, könnt ihr dazu mehr erzählen?
Dominik: Ja, den ersten Kunden haben wir tatsächlich schon während unserer Zeit an der ZHAW gefunden. Im Rahmen einer Case Study im dritten Semester haben wir mit Burri Public Elements zusammengearbeitet – einem Zürcher Metallbauer, der etwa die bekannten Landi-Bänke produziert. Der Auftrag im Rahmen des Studiums war eigentlich eine CO₂-Berechnung für Beleuchtungsstrukturen. Da sich die Datenerhebung verzögerte, entwickelten wir stattdessen ein Tool, mit dem die Firma später selbst Berechnungen durchführen konnte. Das kam so gut an, dass wir kurz darauf einen bezahlten Folgeauftrag erhielten – noch bevor es MESH offiziell gab.
Wie hat sich eure Idee seit der Gründung weiterentwickelt?
Till: Die grösste Veränderung betrifft unsere Kommunikation. Anfangs erklärten wir viel zu detailliert, was wir machen. Unternehmen wollen aber vor allem wissen, welchen konkreten Mehrwert sie haben. Wir mussten lernen, unsere Botschaft zu schärfen und uns auf das Wesentliche zu fokussieren.
Louis: Und wir haben gemerkt, dass viele Firmen gar nicht die Daten haben, mit denen sie arbeiten müssten. Heute begleiten wir sie daher früher im Prozess – schon beim Aufbau der Datenbasis.
Für mich war die ZHAW damals die einzige Hochschule, die Kreislaufwirtschaft als zentrales Studienthema anbot. Ich wollte etwas mit Sinn machen – das Studium hat mir diese Perspektive eröffnet.
Louis Ecker, Team MESH
Wo seht ihr MESH in den nächsten Jahren?
Dominik: Aktuell testen wir unsere Dienstleistung mit mehreren Pilotprojekten. Wenn wir fünf bis sechs erfolgreich abgeschlossen haben, möchten wir unsere Methodik in eine Software überführen. Ziel ist, das Wissen zu skalieren: Statt nur Beratungsdienstleistungen anzubieten, könnten auch andere Firmen unsere Software nutzen, um ihre Kunden zu beraten. So vergrössert sich der Impact – und genau das ist unser Antrieb.
Wie funktioniert eure Zusammenarbeit im Gründerteam?
Till: Wir haben klare Rollen: Ich bin für die technische und strategische Seite zuständig, Dominik kümmert sich um das Operative, Louis bringt seine Supply-Chain-Perspektive ein. Wir haben alle denselben Master absolviert, daher verstehen wir uns fachlich und menschlich sehr gut.
Louis: Das Vertrauen ist entscheidend. Während der Projektarbeiten im Studium haben wir gemerkt, dass wir gut zusammenarbeiten – ohne Konflikte oder Trittbrettfahrer. Das war die beste Grundlage für ein gemeinsames Unternehmen.
Ihr habt euer Unternehmen direkt nach dem Studium gegründet. War das nicht ein grosses Risiko?
Till: Im Gegenteil – es war und ist der perfekte Zeitpunkt, weil das Risiko nie kleiner ist als jetzt. Wir haben keine grossen Verpflichtungen und können unseren Lebensstandard aus der Studienzeit beibehalten. Natürlich braucht es Mut – aber der Zeitpunkt ist ideal. Und es ist unglaublich erfüllend, zu sehen, dass die eigene Idee funktioniert und man mit Menschen arbeitet, die man sich selbst ausgesucht hat.
Warum habt ihr euch für den Master in Circular Economy Management an der ZHAW entschieden?
Dominik: Ehrlich gesagt war es bei mir Zufall. Ich hatte den Bachelor gerade abgeschlossen und bin über die Werbung zum neuen Studiengang gestolpert. Heute bin ich froh, dass ich mich spontan beworben habe.
Till: Ich wollte von der Psychologie in eine technischere Richtung wechseln – und die ZHAW bot genau das: Nachhaltigkeit mit einem praxisnahen, interdisziplinären Ansatz.
Louis: Für mich war die ZHAW damals die einzige Hochschule, die Kreislaufwirtschaft als zentrales Studienthema anbot. Ich wollte etwas mit Sinn machen – das Studium hat mir diese Perspektive eröffnet.
Was bleibt euch aus der Studienzeit besonders in Erinnerung?
Louis: Die Praxisnähe. Durch Exkursionen und Unternehmensprojekte hatten wir ständig Bezug zur realen Wirtschaft – das war enorm lehrreich. Besonders spannend war die Exkursion zur FIFA in Zürich, wo wir mit der Nachhaltigkeitsverantwortlichen des Verbands über Menschenrechte und ökologische Verantwortung gesprochen haben. Das Gespräch hat uns zum Nachdenken gebracht: Sie meinte, wenn sie bei der FIFA auch nur drei Prozent CO₂ einsparen könne, habe das mehr Wirkung, als wenn sie bei einer NGO hundert Prozent richtig mache. Dieser Gedanke – wo man den grössten messbaren Impact erzielen kann – begleitet uns bis heute.
Dominik: Auch die Case Studies waren entscheidend. Ohne sie hätten wir unseren ersten Kunden nie gewonnen.
Louis: Etwas, was uns auch stark in Erinnerung geblieben ist, ist die Zeit, die wir in den Pausen zwischen den Vorlesungen zusammen verbracht haben. Auf dem Campus in Wädenswil gab es zwei Tischfussballtische, die wir jeden Dienstag in Beschlag nahmen - jede freie Viertelstunde wurde gekickert, und wer nicht auftauchte, bekam eine kleine Beschwerde-Nachricht. Das hat uns zusammengeschweisst – und heute lachen wir noch oft darüber.
Was gebt ihr heutigen oder zukünftigen Masterstudierenden mit, die selbst ein Unternehmen gründen möchten?
Dominik: Einfach machen! Probieren, testen, anpassen – man merkt schnell, was funktioniert und was nicht.
Till: Und so früh wie möglich mit potenziellen Kunden sprechen. Nicht warten, bis die Idee perfekt ist – das Wichtigste lernt man im Austausch mit der Praxis.
Weitere Einblicke in die ZHAW Abteilung International Business:
Weiterbildung International Management
BSc in International Management
MSc in International Business
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