Neue Publikation in Cultural Trends beleuchtet nachhaltiges Management von Kunst- und Kulturorganisationen am Beispiel des Getty
Wie kann Nachhaltigkeit in Kunst- und Kulturorganisationen strategisch verankert werden? Welche Bedeutung spielen Governance, Nachhaltigkeitsrollen und Kompetenzen bei der Transformation des Kultursektors?
Diesen Fragen widmet sich ein neuer Artikel im Cultural Trends Journal, basierend auf einem Gespräch zwischen Dr. Laura Johanna Noll, Stellvertretender Leiterin des ZHAW Zentrum für Kulturmanagement und Executive Education Lead bei Culture for the Planet und Camille Kirk, Sustainability Director am Getty.
Der Artikel „Cultural Sustainability and Cultural Leadership: Camille Kirk (Sustainability Director, Getty) in Conversation“ beleuchtet Nachhaltigkeit aus der Perspektive des Kunst- und Kulturmanagements und geht der Frage nach, welche organisatorischen und persönlichen Voraussetzungen notwendig sind, um Nachhaltigkeit langfristig in Museen, Theatern oder Opernhäusern zu verankern.
Nachhaltigkeit als organisationsweite Aufgabe
Im Zentrum des Gesprächs steht die Frage, wie Nachhaltigkeit zu einer organisationsweiten Aufgabe werden kann, anstatt auf einzelne Personen oder Abteilungen beschränkt zu bleiben.
Camille Kirk beschreibt Nachhaltigkeit dabei nicht nur als ökologische Verantwortung, sondern als Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit kultureller Organisationen. Gleichzeitig betont sie die besondere Rolle der Künste bei der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Herausforderungen: Museen können Räume schaffen, in denen Menschen Zukunftsfragen reflektieren, neue Perspektiven entwickeln und gesellschaftliche Veränderungsprozesse aktiv mitgestalten.
Strategische und operative Ansätze aus der Praxis
Anhand von Beispielen aus der Praxis des Getty werden verschiedene strategische und operative Massnahmen vorgestellt. Dazu gehören:
- die Elektrifizierung von Infrastruktur und Transport,
- energieeffiziente Gebäudelösungen,
- nachhaltigere Ausstellungspraktiken sowie
- die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in Beschaffungsprozesse.
Als zentrales Lernfeld bezeichnet sie die Bereitschaft, neue Ansätze zu testen, Erfahrungen zu sammeln und Prozesse kontinuierlich weiterzuentwickeln. Nachhaltigkeit versteht sie als fortlaufenden Lern- und Veränderungsprozess – sie vertritt eine Philosophie des «Leapfrogging» als kontinuierliche Suche nach «good practices» statt nach der perfekten Lösung.
Welche Kompetenzen es für Transformation braucht
Im Gespräch diskutieren Dr. Laura Johanna Noll und Camille Kirk auch die Fähigkeiten und Kompetenzen, die für eine erfolgreiche Nachhaltigkeitstransformation erforderlich sind. Neben Fachwissen benötigen Mitarbeitende in Kunst- und Kulturorganisationen Systemdenken und Kompetenzen in Kommunikation, Projektmanagement, Finanzen und Change Management. Vor allem müssen sie die Fähigkeit besitzen, Menschen und Organisationen mit Begeisterung durch Veränderungsprozesse zu begleiten.
Anknüpfung an die Forschung von Culture for the Planet
Das Gespräch wurde im Rahmen des SNF-Bridge Forschungsprojektes Culture for the Planet geführt, in dem Dr. Laura Johanna Noll als Executive Education Lead untersucht, welche Führungsansätze, Kompetenzen und Fähigkeiten notwendig sind, um die Nachhaltigkeitstransformation in Kunst und Kultur langfristig erfolgreich zu gestalten.
Eine zentrale Erkenntnis des Artikels: Nachhaltigkeit sollte nicht als eigenständige Mission von Kulturorganisationen verstanden werden, sondern als Voraussetzung dafür, dass Museen, Theater und Opernhäuser auch unter sich verändernden ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen langfristig relevant bleiben.
Das vollständige Interview lesen
Für den in Cultural Trends veröffentlichten Artikel stehen 50 kostenlose E-Print-Links zur Verfügung. Interessierte können das vollständige Interview zwischen Dr. Laura Johanna Noll und Camille Kirk hier kostenfrei herunterladen.