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School of Management and Law

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MINTlog

Transparenz und Wirksamkeit in der Schweizer MINT-Nachwuchsförderung: Ein systematisches Monitoring zeigt, mit welchen Programmen Kinder und Jugendliche für eine MINT-Laufbahn gewonnen werden können.

Ausgangslage und Zielsetzung

Die Schweiz ist auf qualifizierte Fachkräfte in Mathematik, Informatik, Natur­wissen­schaften und Technik (MINT) angewiesen, leidet aber unter Fach­kräfte­mangel in Berufen wie Ingenieur­technik oder Elektronik. Insbesondere bei Mädchen und jungen Menschen mit bildungs­fernem Hintergrund bleibt viel Potenzial ungenutzt. Um dem entgegen wirken zu können, scheint eine frühe Förderung von MINT-Kompetenzen unbestritten. MINT-Kompetenzen umfassen dabei nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch Zukunfts­kompetenzen wie Kreativität und kritisches Denken, deren Bedeutung durch die digitale Transformation und den zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz weiter anwächst. Daher ist es wichtig, junge Menschen auf diese Entwicklungen vorzubereiten – und zwar nicht ausschliesslich im Hinblick auf den Fachkräftemangel.

Zahlreiche MINT-Nachwuchs­förder­programme für Schulen (im Folgenden MINT-Programme genannt) setzen hier an und wollen die Einstellung von Schüler:innen gegenüber MINT verbessern. Trotz feststellbarer leichter Ver­besserungen in den letzten Jahr­zehnten stellt sich jedoch die Frage: Warum bleiben die Berührungs­ängste mit MINT und der Fach­kräfte­mangel bestehen? Auf diese Frage gibt es momentan kaum fundierte Antworten, da MINT-Programme in der Schweiz fragmentiert sind. Aufgrund dieser Fragmentierung ergeben sich drei konkrete Herausforderungen, siehe Grafik 1.

Mit MINTlog adressieren wir diese Heraus­forderungen und schaffen Transparenz über die lang­fristige Wirksam­keit einer fragmentierten MINT-Nachwuchs­förder­landschaft.

Wirksamkeit messen wir dabei anhand der Entscheidung für eine MINT-Laufbahn (z. B. Wahl des Ausbildungsberufs, Schwerpunkt am Gymnasium, Studienfach). Dies ist ein objektives Mass, welches aufgrund der guten Daten­verfügbarkeit in der Schweiz genau abgebildet werden kann (siehe dazu mehr im Kapitel Daten). Zudem reicht die Messung eines gesteigerten Interesses angesichts des anhaltenden Fach­kräfte­mangels in gewissen MINT-Bereichen sowie der Unter­repräsentation von Mädchen und Personen mit bildungs­fernem Hinter­grund allein nicht aus. Da für die lang­fristige Wirkung von MINT-Programmen bisher kaum Evidenz vorliegt, liefert dieser Ansatz die not­wendige Grund­lage für eine echte Nachwuchs­sicherung. 

MINTlog fokussiert dabei auf die folgenden Frage­stellungen: 

  1. Teilnahme: Welche Schüler:innen nehmen wie häufig an MINT-Programmen teil?

  2. Kumulation: Wie wirksam ist die wiederholte Teilnahme an MINT-Programmen?

  3. Effektivität: Welche MINT-Programme sind besonders wirksam?  

Damit schaffen wir die notwendige Basis für eine politische Steuerung und strategische Koordination von MINT-Programmen, sodass junge Menschen entlang ihres Bildungs­weges gezielt gefördert werden können.

Vorgehen

MINTlog setzt einen innovativen Ansatz um: den Auf­bau eines Logbuchs aller MINT-Programme an Schweizer Schulen, an denen Kinder und Jugendliche in den letzten 15 Jahren teilgenommen haben. Das Projekt soll:

  • die Durchführung von MINT-Programmen in der Schule und die Teil­nahme von Schüler:innen systematisch erfassen und klassifizieren,

  • die Charakteristiken der Programme in der Schweiz beschreiben (z. B. geo­grafische Reich­weite, Ziel­gruppe oder Art des Angebots),

  • aufzeigen, welche Schüler:innen an wie vielen MINT-Programmen im Verlaufe der Schul­zeit teilnehmen (z. B. Anzahl Stunden in ruralen vs. urbanen Gebieten),

  • den kumulativen Effekt der Programme auf die Bildungs­entscheidungen der Schüler:innen aufzeigen (z. B. Ausbildungs­beruf, Schwer­punkt am Gymnasium, Studien­fach) und 

  • Unterschiede in der Wirksamkeit der Programme analysieren (z. B. hinsichtlich Alter und Geschlecht der Teil­nehmenden, Dauer und Inhalt der Programme, Ziele der Programme wie etwa Stärkung von Problem­löse­fähigkeiten oder kritischem Denken, Erfüllung von Qualitäts­kriterien).

Daten

Neben um­fassenden Be­fragungen von Programm-Anbietenden nutzen wir Daten des Bundes­amtes für Statistik, welche es uns erlauben, die Bildungs­wege aller Schüler:innen in der Schweiz seit 2010 detailliert zu analysieren. Diese Voll­erhebung ermöglicht zudem eine robuste Validierung der Ergebnisse durch den Vergleich von Programm­teilnehmenden mit geeigneten Kontroll­gruppen (z. B. aus benach­barten Schulen oder Vorgänger­kohorten).

MINTlog fokussiert auf die Entscheidung für eine MINT-Laufbahn als objektives Mass für Wirksamkeit. Dass die Wirksamkeit bereits in den einzelnen Programmen bei der Förderung fachlicher Kompetenzen (z. B. Mathematik), überfachlicher Fähig­keiten (z. B. Problemlösen) sowie positiven Ein­stellungen gegenüber MINT (z. B. Selbst­wirksamkeit, Interesse) ansetzt, berücksichtigen wir dabei indirekt durch die Verknüpfung der Bildungs­wege der Daten des Bundesamtes für Statistik mit spezifischen Programm­charakteristiken. So können wir die zugrunde liegenden Wirkungs­kanäle identifizieren: Wir können beispielsweise analysieren, ob Programme mit dem konkreten Ziel, Problem­löse­fähigkeiten zu verbessern, eher zur Wahl einer MINT-Lauf­bahn beitragen als rein informative Angebote beispielsweise zu MINT-Berufen.

Wirkung

MINTlog soll Transparenz über die MINT-Nach­wuchs­förder­landschaft in der Schweiz schaffen. Die System­transparenz ist eine notwendige Grund­lage einer wirksamen politischen Steuerung, einer strategischen Koordination zwischen Förderern und einer wirksameren Ge­staltung von MINT-Programmen, mit welchen junge Menschen gezielt angesprochen werden können. Zudem werden dadurch Schulen, Eltern sowie die breite Bevölkerung für Chancen­gleichheit sensibilisiert. 

Langfristig unterstützt MINTlog den Aufbau einer evidenz­basierten und flächen­deckenden MINT-Nachwuchs­förder­strategie und trägt dazu bei, Human­kapital aufzubauen, den MINT-Fach­kräfte­mangel zu entschärfen und die individuelle Steuerungs­fähigkeit junger Menschen zu verbessern. Dies ist insbesondere im Zuge der digitalen Transformation und KI zentral, da MINT-Kompetenzen eine Voraus­setzung für digitale Mündigkeit und gesell­schaftliche Teilhabe darstellen. Zudem trägt MINTlog auch zur Chancen­gleichheit bei.

Projektdauer

Projektdauer: 3 Jahre (Januar 2027 – Dezember 2029)

Zukunftsaussichten und Institutionalisierung

MINTlog ist nicht als ein­malige Bestands­aufnahme konzipiert, sondern legt den Grund­stein für ein kontinuierliches Monitoring. Das hier beantragte Projekt umfasst eine erste Folge­befragung, um Trends und Entwicklungen abzubilden. In Zukunft könnte MINTlog so angelegt werden, dass es durch regel­mässige Wieder­holungen verstetigt und als dauer­haftes Instrument der Qualitäts­sicherung in der Schweizer MINT-Programm­landschaft institutionalisiert werden kann. 

Projektteam

Dr. Thomas Bolli 
Projektleitung

Thomas Bolli ist Dozent am Center for Labor, Digital and Regional Economics an der ZHAW School of Management and Law und ehemaliger Direktor des Swiss Education Lab an der Professur für Bildungs­systeme der ETH Zürich. Er ist Initiator des Projekts, verantwortet die operative Leitung sowie die Umsetzung der Arbeits­pakete und koordiniert die Zusammen­arbeit zwischen den Projekt­partnern. Thomas Bolli bringt seine lang­jährige Expertise in quantitativen Methoden, Evaluation und Forschung im MINT-Bereich sowie als Fach­person für Berufs­lauf­bahnen ein, um die Wirksamkeit von MINT-Förder­programmen fundiert zu analysieren. Dabei stellt er insbesondere die praxis­nahe, robuste und wirkungs­orientierte Auf­bereitung der Ergebnisse sicher. 

Lena Dändliker
Senior Researcher

Lena Dändliker ist Direktorin des Swiss Education Lab an der Professur für Bildungs­systeme der ETH Zürich und Mitglied der Stiftung CEMETS Global. In ihrer Rolle über­nimmt sie einen zentralen operativen Anteil am Projekt und ist als haupt­verantwortliche Koordinatorin der Hilfs­assistierenden mass­geblich für die Daten­sammlung verantwortlich. Sie bringt ihre Expertise in quantitativen Methoden, im Umfrage­management sowie in der Evaluation von MINT-Förder­programmen ein und unterstützt das Projekt mit ihrer Forschungs­erfahrung im MINT-Bereich. 

Die Stiftung CEMETS Global (Center on the Economics and Management of Education and Training Systems) hat ihre Wurzeln an der Professur für Bildungs­systeme der ETH Zürich. Aufgrund der Auflösung der Professur per Ende 2026 werden die Aktivitäten an der Professur in eine nicht­gewinn­orientierte von der ETH unabhängige Stiftung nach Schweizer Recht mit Sitz in Zürich überführt. Die Registrierung der Stiftung CEMETS Global in das Handels­register erfolgte im April 2026.

Prof. Dr. Susanne Metzger
Expertin für MINT-Bildung

Susanne Metzger ist Expertin für MINT-Bildung mit fundierter Kennt­nis der MINT-Land­schaft. Sie ist Professorin für Natur­wissenschafts­didaktik (Pädagogische Hoch­schule FHNW und Universität Basel), Physikerin sowie Vor­sitzende der Fach­kommission MINT der Akademien der Wissen­schaften Schweiz und Leiterin des Nationalen Netz­werks MINT-Bildung. Sie verfügt über jahrelange Erfahrung in der Konzeption und Durch­führung von fach­didaktischen Forschungs- und Entwicklungs­projekten. Entsprechend bringt sie ihre Expertise in die konzeptionellen und strategischen Arbeiten ein. Zudem begleitet sie die operative Projekt­arbeit, insbesondere in der Ent­wicklung inhaltlicher Grund­lagen wie der Klassifizierung der Programme und der Entwicklung der Erhebungs­instrumente sowie bei der Dis­semination.

Prof. Dr. Ursula Renold
Expertin für Bildungssysteme

Ursula Renold ist Professorin für Bildungs­systeme an der ETH Zürich und ehe­malige Direktorin des Schweizerischen Bundes­amts für Berufs­bildung und Technologie. Zudem ist sie Stiftungs­gründerin sowie CEO und Präsidentin des Stiftungs­rates der Stiftung CEMETS Global1. Sie verfügt über lang­jährige Erfahrung in der Konzeption, Durch­führung und wissen­schaftlichen Begleitung von Reform­prozessen im Bildungs­bereich. Auch sie bringt ihre Expertise insbesondere in Form von konzeptioneller und strategischer Unter­stützung ein. Zudem trägt sie zur Ein­ordnung der Ergebnisse im Kontext des gesamten Bildungs­systems sowie ihrer Bedeutung für den Arbeits­markt und bildungs­politische Entscheidungen bei.

Neben den Projekt­mitarbeitenden werden Hilfs­assistierende insbesondere für die Kontakt­aufnahme mit den Anbietern und Daten­erhebung ein­gesetzt und zur allgemeinen Unter­stützung im Projekt hinzu­gezogen.

Weitere Partner

Das Projekt wird von der strategischen Initiative MINTplus der ETH Zürich unter der Leitung von Dr. Judith Zimmermann, Leiterin Abteilung Lehre und Lernen, und Laurence Kissling, Leiterin MINTplus-Initiative, unterstützt, welche sich in Zusammen­arbeit mit verschiedenen Partner­organisationen für einen systemischen Wandel in der MINT-Förderung einsetzt.