Eingabe löschen

Kopfbereich

Schnellnavigation

Hauptnavigation

Take care – Psychische Gesundheit von PatientInnen in der ärztlichen Praxis

Bei Kindern und Jugendlichen sind psychische Probleme oftmals schwer zu erkennen. Das frühe Erkennen von Entwicklungsschwierigkeiten ist aber zentral, um einem negativen Verlauf entgegenzuwirken. Um Jugendliche, Eltern und Fachpersonen für die psychische Gesundheit zu sensibilisieren, haben die ZHAW-Institute für Gesundheitswissenschaften und Angewandte Psychologie in einem gemeinsamen Forschungsprojekt Flyer und Broschüren zum Thema erarbeitet.

Viele psychische Störungen entstehen bereits im Kindes- und Jugendalter. Wenn den psychischen und seelischen Problemen nicht die notwendige Aufmerksamkeit gewidmet wird, können diese zu einer länger andauernden Störung werden, die bis zum Erwachsenenalter bestehen bleiben kann. Diese belasten die betroffene Person, ihr Umfeld und können aus Sicht des Gesundheitssystems zu hohen Folgekosten führen. Daher gehören die Stärkung der psychischen Gesundheit sowie die Früherkennung von psychischen Störungen zu den zentralen Public-Health-Aufgaben im Kindes- und Jugendalter.

Da psychische Störungen in den Kinder- und Hausarztpraxen oft nicht oder erst spät erkannt werden, wurde je eine Broschüre für Eltern von 6- bis 12-jährigen Kindern und Jugendliche sowie je eine Fachinformation zur Sensibilisierung von Kinder- und Hausärztinnen und -ärzte erstellt.

Informationsbroschüren

Die Broschüren und Fachinformationen für Kinder und Jugendliche stehen ab dem 15. Juli 2020 als PDF und zur Bestellung als Druckversion zur Verfügung.

Die Psyche von Kindern und Jugendlichen stärken

Bauchweh, Kopfschmerzen oder Hautausschläge: Wenn die Kinderseele aus dem Gleichgewicht gerät, können körperliche Beschwerden auftreten. «Kinder drücken ihre psychischen Probleme oft mit physischen Schmerzen aus, weil sie für ihren Körper, im Gegensatz zu ihren Gefühlen, bereits Begriffe kennen», sagt Agnes von Wyl, Leiterin der Fachgruppe Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie am Psychologischen Institut der ZHAW. Bei Jugendlichen sei es noch schwieriger, psychische Probleme zu erkennen: «Sie äussern sich meist nicht zu ihrer seelischen Not.»

Oft wird bei körperlichen Beschwerden nicht sofort an eine psychische Störung gedacht. So bleibt diese meist lange unentdeckt – mit Folgen. «Unbehandelte psychische Störungen können bei Kindern und Jugendlichen schwerwiegende Auswirkungen haben, beispielsweise in Form schlechter schulischer Leistungen oder sozialer Probleme», sagt Frank Wieber, stellvertretender Leiter der Forschungsstelle Gesundheitswissenschaften am gleichnamigen ZHAW-Institut. «Sie können aber auch dazu führen, dass eine in der Kindheit und Jugend bereits bestehende sozioökonomische Benachteiligung im Erwachsenenalter anhält.»

Deshalb ist es wichtig, dass Probleme frühzeitig erkannt und mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt besprochen werden. Hierfür müsse aber sowohl bei den Eltern als auch bei den Fachpersonen das Bewusstsein für psychische Beeinträchtigungen bei vordergründig vor allem körperlichen Leiden geschaffen werden. Und da gebe es durchaus noch «Luft nach oben», sind sich die Wissenschaftlerin und der Wissenschaftler einig. «Es geht zum Beispiel darum, dass Kinderärzte bei Jugendlichen mit Bauchweh auch daran denken, dass diese womöglich gemobbt werden», illustriert Agnes von Wyl.

Forschungsprojekt «Take Care»

Knapp 17 Prozent der Schweizer Bevölkerung leiden an psychischen Störungen oder Erkrankungen unterschiedlicher Ausprägung. In ca. einem Drittel der Fälle liegen Komorbiditäten vor. Psychische und nicht-übertragbare Erkrankungen weisen national und global steigende Inzidenz- und Prävalenzzahlen auf und stellen für die Betroffenen und die Gesellschaft ein relevantes Public-Health-Problem dar.

Damit Menschen, die neben einem somatischen auch ein psychisches Krankheitsbild aufweisen, optimal versorgt werden können, muss das Bewusstsein für psychische Beeinträchtigungen geschärft werden. Dies ist insbesondere wichtig, wenn die körperlichen Leiden der Betroffenen unmittelbar und sichtbar sind, während die psychischen Leiden eher im Hintergrund stehen. Hier sollten Massnahmen für die Haus- und Kinderärztinnen und -ärzte zur Sensibilisierung für psychische Gesundheitsprobleme und für die Förderung der psychischen Gesundheit zur Verfügung gestellt werden.

Zielsetzung

Um eine vermehrte Integration der psychischen Gesundheit in der Kinder- und Hausarztpraxen zu fördern zielte das Projekt darauf ab, geeignete Instrumente zu recherchieren oder zu entwickeln, die Kinder- und Hausärztinnen und -ärzte unterstützen, psychische Störungen früher zu erkennen.

Methode und Vorgehen

Zur Klärung des Handlungsbedarfes und der Bedürfnisse der Kinder- und Hausärzteinnen und -ärzte wurden Fokusgruppen in der Deutschschweiz und im Tessin durchgeführt. Aufbaubauend auf diese de Ergebnisse wurde ein Massnahmenpaket beschlossen. Mit Hilfe wissenschaftlicher Literaturrecherchen, Fokusgruppen und Experteninterviews wurden unter Beteiligung der relevanten Fachgesellschaften ressourcen-orientierte Materialen zur Förderung der psychischen Gesundheit und Früherkennung von psychischen Störungen erarbeitet.

Ergebnisse

Als Endergebnis liegen ressourcen-orientierte Informationsbroschüren zur Stärkung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen vor, sowie Fachinformationen für Kinder- und Hausärztinnen und -ärzte. Diese Informationsbroschüren tragen zur Sensibilisierung der Eltern von Schulkindern und Jugendlichen für psychischen Erkrankungen bei und bieten konkrete Tipps für die Gesundheitsförderung.

Die Fachbroschüren liefern wichtige Hintergrundinformationen und unterstützen die Früherkennung von psychischen Erkrankungen in der pädiatrischen und hausärztlichen Praxis.

Zwei Fachrichtungen – ein Forschungsziel

Das Forschungsprojekt «Take Care» wird zusammen von den beiden Departementen Gesundheit und Angewandte Psychologie durchgeführt.

Projektleitung

Projektorganisation