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School of Management and Law

The Global Pulse: Dominik Meier

Vom System Engineer zum CIO Advisor und Dozenten: Ein Interview mit Dominik Meier über den Wert des lebenslangen Lernens, die Verbindung von IT und Business und den Mut zum Neuanfang.

Dominik, kannst du dich kurz vorstellen und uns erzählen, wie dein Weg an die ZHAW begann?

Ich bin 42 Jahre alt, verheiratet, Vater eines Sohnes und lebe in Winterthur. Mein Bildungsweg war nicht ganz geradlinig: Ich hatte ursprünglich ein Studium an der Fachhochschule Furtwangen begonnen, aber nicht abgeschlossen. Als ich 2012 in die Schweiz kam, liess mich dieser „unfertige“ Punkt in meiner Biografie nicht los. Acht Jahre nach dem ersten Versuch packte mich der Ehrgeiz – ich wollte diesen Bachelor unbedingt nachholen. Ich wohnte damals in Dübendorf, arbeitete in Uster und schaute mir zuerst die FHNW an. Doch nach einem Tipp, mir auch die ZHAW in Winterthur anzuschauen, war die Entscheidung schnell gefallen: Der Studiengang Wirtschaftsinformatik passte perfekt zu meinen Zielen.

Warum hast du dich für Wirtschaftsinformatik entschieden?

Ich habe 2003 eine Lehre als IT-System-Elektroniker abgeschlossen, eine sehr technische Ausbildung, die ich jahrelang als System Engineer in der Praxis ausgeübt habe. Doch ich habe früh verstanden: IT ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Werkzeug, um Unternehmen erfolgreich zu machen. Mich hat die Brücke zwischen Technik und Business fasziniert. Die logische Konsequenz war für mich, meinen technischen Hintergrund mit der Business-Perspektive zu verknüpfen. Zudem war mir wichtig, berufsbegleitend zu studieren. Mit knapp 30 wollte ich meine Karriere nicht für das Studium pausieren, sondern beides parallel vorantreiben.

Wo stehst du heute beruflich und wie hast du diese Position erreicht?

Heute arbeite ich bei der isolutions AG in Zürich als Senior CIO Advisor und Group Lead. Mich reizt dort besonders die Verbindung von strategischer Kundenarbeit, Leadership und der Möglichkeit, Business und Technologie konkret zu verbinden. Mein Weg dorthin war geprägt von Höhen und Tiefen. Ich sage offen: Ich bin in meiner Karriere auch schon gescheitert. Aber das Wichtigste war für mich immer, wieder aufzustehen und nach vorne zu schauen. Diese Resilienz ist heute eine meiner grössten Stärken. Ich habe aus negativen Situationen oft mehr gelernt als aus den Erfolgen.

Neben deiner Haupttätigkeit bist du heute auch selbst als Dozent an der ZHAW tätig. Gab es einen Moment, in dem du wusstest: Ich will die Seiten wechseln?

Es ist tatsächlich eine besondere Dynamik: Einige meiner damaligen Dozierenden sind heute meine Arbeitskolleg:innen. Für mich gehört lebenslanges Lernen einfach zum Beruf dazu. Ich habe mich schon immer für Didaktik und die systematische Wissensvermittlung interessiert. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich mich erfahren und sicher genug fühlte, diesen Schritt zu gehen. Ich wollte junge Erwachsene auf ihrem Weg begleiten und meine Erfahrungen weitergeben. Das sage ich auch meinen Studierenden immer wieder: Ich weiss, wie sie sich fühlen, weil ich schon in ihrer Situation war – und das ist noch gar nicht so lange her. Dass ich an der ZHAW Bachelor, Master und CAS absolviert habe, zeigt meine Verbundenheit zu dieser Institution. Ich habe mich dort als Student immer extrem gut aufgehoben gefühlt.

“Im MBA war die Gruppe extrem heterogen, mit erfahrenen Führungskräften aus allen Branchen. Dieser Austausch hat meinen Horizont enorm erweitert.”

Du hast auch den MBA an der ZHAW School of Management and Law absolviert. Was hat dir an dieser Weiterbildung besonders gefallen?

Die Kombination aus betriebswirtschaftlichen Grundlagen und den Executive Leadership Modulen war für mich der Schlüssel. Obwohl ich viele Themen durch meine Erfahrung schon kannte, gab es im Unterricht regelmässig Aha-Momente. Man betrachtet Dinge mit 40 einfach anders als mit 20. Besonders geprägt haben mich die Offsite-Seminare, etwa auf dem Lilienberg oder die Krisensimulation im Riverside. Unter Zeitdruck und in extremen Szenarien lernt man die Gruppendynamik und die verschiedenen Charaktere noch einmal ganz neu kennen. Auch Fächer wie Strategisches Management und Finance haben mein Gesamtverständnis massiv geschärft.

Welchen Einfluss hatte das Studium auf deine persönliche Entwicklung?

Ich verstehe heute die grossen Zusammenhänge in einem Unternehmen wesentlich besser und kann mir schneller eine fundierte Meinung bilden. Aber auch menschlich bin ich gewachsen – vor allem durch meine Kommiliton:innen. Da ich aus der IT komme, war ich oft in einer IT-Blase. Im MBA war die Gruppe extrem heterogen, mit erfahrenen Führungskräften aus allen Branchen. Dieser Austausch hat meinen Horizont enorm erweitert.

Welche Hobbys oder Leidenschaften verfolgst du neben der Arbeit?

Ich bin sehr polysportiv, aber meine grosse Leidenschaft seit fast 20 Jahren ist der Langstreckenlauf. Ich laufe regelmässig Marathons. Das Laufen lehrt mich Disziplin, Ausdauer und mentale Stärke. Alles Eigenschaften, die ich eins zu eins in den Berufsalltag mitnehme. Inzwischen beziehe ich auch meinen Sohn spielerisch in diese Aktivitäten mit ein.

Haben dir die Kontakte, die du an der ZHAW geknüpft hast, im persönlichen oder beruflichen Leben weitergeholfen oder haben sie heute noch einen Einfluss?

Ja, auf jeden Fall. Es gibt eine Gruppe von fünf bis zehn Personen aus meinem Bachelorstudium, mit denen ich heute noch regelmässig Kontakt habe. Wir gehen zusammen Skifahren oder unternehmen sonst etwas in unserer Freizeit. Aus ehemaligen Kommilitonen sind über die Zeit echte Freunde geworden. Das Netzwerk, das ich an der ZHAW aufgebaut habe, ist also wirklich nachhaltig.

Welchen Rat hast du für aktuelle oder zukünftige Studierende?

  1. Traut euch: Wartet nicht auf den perfekten Zeitpunkt – der kommt selten. Wenn ihr den Wunsch zur Weiterbildung habt, macht es jetzt!
  2. Sorgt für Rückhalt: Ein stabiles Umfeld aus Familie, Freunden und einem unterstützenden Arbeitgeber ist das A und O.
  3. Bleibt gelassen: Setzt euch ambitionierte Ziele, aber macht euch nicht zu viel Druck. Es wird anstrengende Phasen geben. Rückschläge sind Teil des Lernprozesses.
  4. Nutzt das Netzwerk: Tauscht euch aus! Man lernt von den Mitstudierenden oft genauso viel wie von den Dozierenden. Und geniesst die Zeit – sie vergeht schneller, als man denkt.

Ein abschliessendes Wort?

Am Ende des Tages ist IT ein schnelles Geschäft und Technologien verändern sich ständig. Aber Business wird immer noch von Menschen für Menschen gemacht. Authentizität, Vertrauen und gute Werte sind die Basis für langfristigen Erfolg. Wenn man als Mensch reift, kommt der geschäftliche Erfolg meist von ganz allein.