Rückblick Dreiländertagung 2026: Künstliche Intelligenz und Digitale Transformation des Staates
Die Dreiländertagung vom 27.3.2026 widmete sich den aktuellen Entwicklungen und Perspektiven der Einführung von KI und der digitalen Transformation in der öffentlichen Verwaltung, mit besonderem Fokus auf die föderalen Ebenen in der Schweiz, Deutschland und Österreich.
Am 27.3.2026 fand im Bernerhof in Bern die Dreiländertagung der Schweizerischen Gesellschaft für Verwaltungswissenschaften (SGVW) in Zusammenarbeit mit dem Forschungsprojekt DIGILOG statt. Im Zentrum standen Fragen der staatlichen Handlungsfähigkeit, des Vertrauens sowie der konkreten Umsetzung von Digitalisierungsprojekten.
Bundeskanzler Viktor Rossi betonte in seiner Keynote, dass der Umgang mit Künstlicher Intelligenz eine staatspolitische Aufgabe sei, mit der es sich auseinanderzusetzen gilt. Allein die technische Leistungsfähigkeit reiche nicht. Entscheidend sei ein verantwortungsvoller Einsatz, bei dem die staatliche Handlungsfähigkeit und das Vertrauen gewahrt werden. Dabei müssen auch klare Grenzen gesetzt werden, indem die Verantwortung stets beim Menschen verbleiben müsse.
Einblicke aus dem DIGILOG-Projekt verdeutlichen, dass die Digitalisierung europäischer Gemeinden unterschiedlich weit fortgeschritten ist. DIGILOG untersuchte die digitale Transformation der Gemeinden Europas und wurde in Kooperation zwischen der ZHAW, der Universität Potsdam und der WU Wien durchgeführt. Das «DIGILOG-Index» misst das Digitalisierungslevel in den Europäischen Gemeinden und zeigt, dass die nordischen Länder bei der Digitalisierung meist führend sind, während Deutschland, Österreich und die Schweiz (die sogenannten DACH-Länder) im Mittelfeld liegen. Rund die Hälfte der Gemeinden nutzen KI bislang kaum. Dennoch ist die externe (d.h. bürgerorientierte) Digitalisierung beispielsweise bei Online-Formularen vielerorts bereits relativ weit fortgeschritten, während die Gemeinden z.B. bei Chatbots oder Online-Zahlungen noch nicht sehr weit sind. Bei der internen (d.h. organisationaler) Digitalisierung ist die Implementierung bei den Basiskomponenten fortgeschritten, aber komplexere Komponenten sind unterentwickelt, z.B. der Datenabtausch in Deutschland.
Dr. Daniel Markwalder, Delegierter des Bundesrates für digitale Transformation und IKT-Lenkung, führte aus, dass der Staat eine Doppelrolle einnimmt, indem er KI sowohl reguliert als auch selbst anwendet. Die Länderberichte aus der Schweiz, Österreich und Deutschland verdeutlichten des weiteren, dass Schwierigkeiten oftmals bei der konkreten Umsetzung bestehen. Als mögliche Lösungsansätze wurden der Aufbau von Wissen und Kompetenzen bei Mitarbeitenden, eine strategische Steuerung, verbesserte Koordination und klare Zuständigkeiten sowie eine Bündelung von Aufgaben hervorgehoben.
Europaratsvertreter Dr. Matthias Kloth und Prof. Dr. Reto Steiner, Dean der ZHAW School of Management and Law, diskutierten inwiefern eingesetzte KI-Systeme klare Standards erfüllen sollten und ob entsprechende Regulierungen innovationshemmend wirken können. Während der EU AI Act verbindliche Vorgaben macht und Sanktionen vorsieht, setzt die Konvention des Europarats auf Prinzipien wie Transparenz, Verantwortlichkeit und Nichtdiskriminierung und verwendet dabei eine technologieneutrale Sprache. Ziel ist ein globales Rahmenabkommen, das Innovation ermöglicht.
Abschliessend wurde eine Verschiebung der Kompetenzen betont: Während KI Wissen und Analyse dominiert, gewinnen menschliche Fähigkeiten wie Reflexion und Urteilsvermögen an Bedeutung.
Key Takeaways
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist nicht rein von der technischen Machbarkeit abhängig, sondern vielmehr davon, was wir als Gesellschaft wollen, was dem Gemeinwohl dient und wie der kulturelle sowie organisatorische Wandel im öffentlichen Sektor gestaltet wird.
Künstliche Intelligenz im Sinne der Unterstützung der Arbeit, aber nicht als Ersatz menschlicher Arbeit. Dabei soll Künstliche Intelligenz als Gewinn betrachtet werden. Gleichzeitig gewinnt auch der Mensch an Bedeutung, da gewisse Aufgaben nicht ersetzt werden können.
Erfolgreicher KI-Einsatz erfordert Transparenz, klare Verantwortlichkeiten und geeignete Rahmenbedingungen. Dabei wurde diskutiert, dass Standards Innovation und Individualität ermöglichen.
Die Ländervergleiche zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen, dass diese drei Länder im Vergleich zu den rund 40 untersuchten Ländern sehr ähnlich sind und die Unterschiede eher im Vergleich zu den anderen Ländern bestehen.
Viele digitale Dienstleistungen und Tools werden bereits intern sowie extern in den europäischen Verwaltungen genutzt. Dabei liegt die Herausforderung darin, analoge Prozesse nicht nur zu digitalisieren, sondern den gesamten Prozess bzw. das System neu zu denken. Dies zeigt sich auch in den Ergebnissen zur Wirkung, da hier noch viel Potenzial besteht.
KI verändert die Verwaltung spürbar, aber der grösste Wandel liegt nicht in der Technologie, sondern in Organisation, Governance und Vertrauen.
Einen ausführlicheren inhaltlichen Rückblick zur Dreiländertagung finden Sie hier auf der SGVW-Webseite.