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KI im Marketing: Wie Unternehmen künstliche Intelligenz sinnvoll und sicher einsetzen

Stand: Juli 2026 · Autor: Roger Basler de Roca

Künstliche Intelligenz (KI) im Marketing ist der Einsatz generativer KI-Werkzeuge für Texte, Recherche, Design, Analyse und Automatisierung. Entscheidend ist nicht das Modell, sondern der Kontext: eigene Daten, eigenes Wissen, klare Regeln. Wirksam wird KI im Marketing durch drei Kompetenzen, nämlich Datenkompetenz, Promptkompetenz und Prüfkompetenz.

Was bedeutet KI im Marketing konkret?

KI im Marketing verändert weniger die Ziele als die Arbeitsweise. Routineaufgaben wandern an die Maschine, Urteil und Verantwortung bleiben beim Menschen. In der Praxis scheitert der Einsatz selten an der Technik, sondern an fehlenden Grundlagen. Fünf Bausteine bilden das Fundament:

Warum ist der Kontext wichtiger als das KI-Modell?

Weil das Modell fast alles kennt, nur nicht das eigene Geschäft. Ein Sprachmodell wie GPT (Generative Pre-trained Transformer) kann Sprache zuverlässig imitieren, weiss aber nicht, was es nicht weiss. Erst der Kontext, also die Verbindung zu eigenen Unterlagen, Zahlen und Regeln, macht Ergebnisse brauchbar. Die eigenen Kontextdaten sind damit der eigentliche Wettbewerbsvorteil, nicht das Grundmodell.

Als Faustregel aus der Praxis, nicht als Messwert: Arbeitsmaterialien wie aktuelle Fakten und unternehmensspezifisches Wissen bestimmen rund die Hälfte der Ergebnisqualität, das allgemeine Modellwissen rund ein Drittel, der Prompt den Rest. Daraus folgt die Arbeitsformel: Datenkompetenz plus Promptkompetenz plus Prüfkompetenz. Was danach noch übrig bleibt, übernehmen Agenten.

Welche Use Cases und Tools gibt es für KI im Marketing?

Im Marketing haben sich sechs wiederkehrende Anwendungsfelder etabliert. Die genannten Tools sind Beispiele und keine Empfehlung; der Markt verändert sich schnell (Stand: Juli 2026).

Use Case Beispiel-Tools Wofür
Texte Langdock, Claude Texte, Dokumente, E-Mails
Recherche Perplexity, Gemini Recherche inklusive News¹
Design Canva, Adobe Grafik und Social Media
«Vibe Coding» Lovable, Claude Code einfache Anwendungen und Prototypen
Automation Make.com Abläufe automatisieren
Data Layer Google Workspace, Obsidian Ablage als Wissensgrundlage

KI-Agenten (englisch AI agents) sind Systeme mit delegierter Handlungsmacht. Sie eignen sich, um Daten einzugeben, abzugleichen und zu ordnen und um wiederkehrende Aufgaben zu erledigen, die sonst manuell über Interfaces erledigt werden. Entscheidend bleibt der Kontext, der ihnen mitgegeben wird. Ein typisches Beispiel aus dem Marketing: ein Agent, der eingehende Leads anreichert, im CRM anlegt und dem zuständigen Team meldet.

Wie schreibt man einen wirksamen Prompt?

Ein wirksamer Prompt beantwortet vier Fragen, bevor die KI zu arbeiten beginnt:

Baustein Leitfrage
Ziel Wohin soll es gehen? Was soll konkret erreicht werden?
Kontext Was ist wichtig zu wissen (z. B. Region, Zielgruppe, Aufgabe)?
Erwartung In welchem Format soll die Antwort sein?
Quelle Welche Daten, Dokumente oder Referenzen sollen einfliessen?

Dieses Schema lässt sich auf typische Marketingaufgaben anwenden, etwa Content-Strategie, Zielgruppen-Personas, SEM/SEO-Strategie, Conversion-Funnel, E-Mail-Serien oder ein Social-Media-Playbook.

Beispiel: «Erstelle einen Redaktionsplan für vier Wochen (Ziel). Wir sind ein Schweizer KMU im Maschinenbau und sprechen technische Einkäufer an (Kontext). Liefere eine Tabelle mit Datum, Kanal, Thema und Kernbotschaft (Erwartung). Nutze ausschliesslich die angehängte Positionierung und die letzten drei Newsletter (Quelle).»

Wie prüft man KI-Antworten auf Qualität? Der CRAP-Check

KI-Antworten sind nicht automatisch korrekt. In der Studie «News Integrity in AI Assistants» der Europäischen Rundfunkunion (EBU) und der BBC prüften rund 270 Journalistinnen und Journalisten aus 18 Ländern über 3000 Antworten von ChatGPT, Copilot, Gemini und Perplexity. 45 Prozent enthielten mindestens einen erheblichen Fehler, rund ein Drittel wies Mängel bei den Quellenangaben auf.2 Die Zahlen beziehen sich auf Nachrichtenfragen, das Muster gilt aber ebenso für Marktrecherchen und Wettbewerbsanalysen. Entsprechend gehören KI-Resultate erst nach Prüfung in die Öffentlichkeit. Für die Quellenprüfung dient der CRAP-Check:3

Was gilt beim Datenschutz und beim EU AI Act?

Im Umgang mit KI-Tools gilt der Schutz von VIP-Daten, also vertraulichen, internen und personenbezogenen Daten. Solche Daten gehören nicht in offene KI-Tools; im Zweifel werden Personen, Firmen und Kennzahlen anonymisiert. Für Schweizer Unternehmen gilt das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG), in Kraft seit 1. September 2023; wer Personendaten aus dem EWR bearbeitet, fällt zusätzlich unter die DSGVO. Ergänzend regelt der EU AI Act den Einsatz von KI risikobasiert.

Experteninterview mit Roger Basler de Roca

Roger Basler de Roca

Unternehmer, Keynote-Speaker und Dozent, MSc Digital Business, PhD Candidate mit Forschungsschwerpunkt Cognitive Offloading. Er begleitet über 60 Unternehmen beim praktischen Einsatz von KI, von Use Cases und Prompting über Agenten bis zu Datenschutz und Governance, und lehrt unter anderem an HWZ, ZHAW und FHNW. Im CAS Digital Marketing der ZHAW unterrichtet er das Thema KI im Marketing und reichert den Kurs mit seinem Praxiswissen an.

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