Vorgestellt: Trends und Entwicklungen bei Unternehmenskooperationen
Ein Interview mit unserem neuen Dozenten Alex Hochuli zum Thema «Unternehmenskooperationen» am Beispiel der ETH Foundation.

Alex Hochuli ist Dozent im CAS Fundraising Strategies, stellvertretender Geschäftsführer der ETH Zürich Foundation und Leiter Partnerschaften International. Er ist verantwortlich für die Gewinnung privater Fördermittel sowie der Beziehungspflege von Stiftungen, Unternehmen und Privatpersonen aus dem In- sowie Ausland zur Förderung von Forschung, Lehre und Unternehmertum an der ETH Zürich.
Was macht Ihre Begeisterung für das Thema Unternehmenskooperationen aus?
Mich begeistert an Unternehmenskooperationen vor allem die Möglichkeit, gesellschaftliche Herausforderungen gemeinsam mit Partnern aus unterschiedlichen Welten anzugehen. Universitäten verfügen über wissenschaftliche Exzellenz, Unabhängigkeit und langfristige Perspektiven. Unternehmen bringen konkrete Herausforderungen, aktuelle Relevanz, Umsetzungskompetenz, Marktzugang und die Fähigkeit zur Skalierung mit. Dort, wo diese Stärken zusammenkommen, entsteht oft ein Mehrwert, den keine Seite allein erreichen könnte. Im Bereich der Wissenschaft sprechen wir bspw. oft von anwendungsorientierter Forschung.
Besonders spannend finde ich, dass sich Unternehmenskooperationen in den letzten Jahren weiterentwickelt haben. Früher standen häufig Sponsoring oder zweckungebundene Beiträge im Vordergrund. Heute suchen viele Unternehmen nach strategischen Partnerschaften, die Forschung, Talentförderung, Innovation und gesellschaftliche Wirkung miteinander verbinden. Sie möchten nicht nur finanzieren, sondern aktiv dazu beitragen, Lösungen für Themen wie künstliche Intelligenz, Klimawandel, Gesundheit oder Nachhaltigkeit zu entwickeln.
Für mich liegt der Reiz deshalb darin, Brücken zu bauen, um wissenschaftliche Ideen und disruptive Technologien mit praktischer Umsetzung zusammenzubringen, zwischen langfristigen gesellschaftlichen Zielen und unternehmerischen Interessen zu vermitteln. Erfolgreiche Kooperationen schaffen Wissen, fördern Talente und erzeugen messbaren Impact.
Darüber hinaus sind jedoch langfristige und weitsichtige Partnerschaften nach wie vor enorm wichtig und ermöglichen – gerade im Hochschulumfeld – weiterhin transformative Entwicklungen.
Welche Eigenschaften und Kompetenzen werden künftig für Fundraiser:innen im Bereich Unternehmenskooperationen besonders wichtig sein?
Die Rolle von Fundraiserinnen und Fundraisern entwickelt sich zunehmend von der Mittelbeschaffung hin zum Management von persönlichen Beziehungen und Partnerschaften. Deshalb werden strategisches Denken und die Fähigkeit, Wertschöpfung zu entwickeln, immer wichtiger. Unternehmen erwarten heute Partner, die ihre Herausforderungen verstehen und daraus überzeugende Ansätze für eine Partnerschaft ableiten können.
Am Beispiel einer Hochschule wird eine zentrale Kompetenz die Fähigkeit sein, wissenschaftliche Exzellenz in relevante Wirkungsgeschichten zu übersetzen. Viele Unternehmen fragen heute nicht mehr primär „Was fördern wir?“, sondern „Welche Wirkung können wir damit erzielen?“ Wirkungsmessung, Ergebnisorientierung und das so vieldiskutierte Reporting gewinnen weiter an Bedeutung.
Gleichzeitig wird das Beziehungsmanagement anspruchsvoller. Fundraiserinnen und Fundraiser bewegen sich zwischen Forschenden, Hochschulleitungen, Unternehmen, Stiftungen und fallweise auch der Öffentlichkeit. Dafür braucht es ausgeprägte Kommunikations- und Verhandlungskompetenz sowie die Fähigkeit, unterschiedliche Interessen auszubalancieren.
Schliesslich werden Datenkompetenz und der sinnvolle, vertrauenswürdige Einsatz von KI wichtiger. Technologie ermöglicht eine präzisere Analyse von Partnerschaftspotenzialen. Die menschliche Fähigkeit, Vertrauen zu Entscheidungsträgern aufzubauen und langfristige Beziehungen zu gestalten, bleibt jedoch der entscheidende Erfolgsfaktor.
Was machen erfolgreiche Unternehmenskooperationen heute anspruchsvoller und Welche Entwicklungen und Trends werden in näherer Zukunft für NPO zentral?
Sie sind heute anspruchsvoller, weil die Erwartungen auf beiden Seiten gestiegen sind. Unternehmen möchten einen klaren strategischen Nutzen erkennen, gleichzeitig aber auch glaubwürdige gesellschaftliche Wirkung erzielen. Universitäten und Non-Profit-Organisationen müssen deshalb stärker als früher zeigen können, welchen konkreten Beitrag eine Partnerschaft zur Lösung eines Problems, zur Weiterentwicklung einer Idee oder positiven gesellschaftlichen Veränderung leistet.
Hinzu kommt, dass Reputations- und Governance-Fragen stärker in den Fokus gerückt sind. Themen wie Forschungsfreiheit, ethische Standards, Nachhaltigkeit und Transparenz werden heute genauer geprüft. Für Hochschulen bedeutet dies, sorgfältige Due-Diligence-Prozesse und klare Leitplanken (Gift Acceptance Policies) für Kooperationen zu etablieren.
Ein weiterer Trend ist die Verschiebung hin zu mehr transformativen Partnerschaften und der Identifikation gemeinsamer Werte. Statt einzelner Förderprojekte entstehen zunehmend langfristige Kooperationen, die Forschung, Nachwuchsförderung, Innovation, Unternehmertum und gesellschaftliche Wirkung miteinander verknüpfen. Dadurch werden die Beziehungen strategischer, aber auch komplexer. Des Weiteren wird – insbesondere bei langfristigen Partnerschaften – das Existieren von gemeinsamen Werten als Grundbedingung vorausgesetzt.
Für NPO und Hochschulen sehe ich insbesondere die folgenden Entwicklungen als zentral an: Erstens reicht Geld nicht mehr als alleiniger Erfolgsindikator. Förderpartner erwarten Nachweise über gesellschaftliche Wirkung und Fortschritte. Zweitens werden Partnerschaften stärker wertebasiert aufgebaut. Unternehmen suchen Kooperationen, die zu ihren strategischen Schwerpunkten und ihrem gesellschaftlichen Selbstverständnis passen. Und nicht zuletzt Drittens, KI und datenbasierte Steuerung verändern das Fundraising in der ganzheitlichen Beziehung von Unternehmenskooperationen. Sie werden die Identifikation, Entwicklung und Betreuung von Partnern effizienter machen. Gleichzeitig steigt der Wert von persönlichem Vertrauen, strategischer Beratung und authentischen Beziehungen.
Das Zentrum für Kulturmanagement bedankt sich herzlich für das ausführliche und aufschlussreiche Gespräch.