Neue Richtungen einschlagen und über sich hinauswachsen
Ohne technischen Hintergrund ins Wirtschaftsingenieurstudium starten und sich in neue Themen einarbeiten: Taha Amer hat genau das geschafft – in Numerik sogar mit Bravour. An der ZHAW School of Engineering entwickelte er sich fachlich wie auch persönlich weiter und fand seinen Platz in der datengetriebenen Arbeitswelt. Sein Beispiel zeigt, wie vielfältig die Möglichkeiten im Wirtschaftsingenieurwesen sind.
Taha, wenn du heute auf deine Studienwahl zurückblickst: Was würdest du deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben?
Insgesamt war ich mit meiner Studienwahl sehr zufrieden, weshalb ich rückblickend nichts daran ändern würde. Meinem jüngeren Ich würde ich jedoch einen Tipp zur Lernstrategie geben, nämlich den Stoff früher und regelmässiger zu wiederholen. Dadurch bleibt mehr im Langzeitgedächtnis hängen und der Stress in der intensiven Lernphase vor den Prüfungen lässt sich deutlich reduzieren.
Du bist über eine Lehre im Detailhandel und die kaufmännische Berufsmatura ins Wirtschaftsingenieurstudium eingestiegen. Wie hast du diesen Wechsel in ein technisches Umfeld erlebt?
Gleich zu Beginn wurde mir bewusst, dass ich mit gewissen Defiziten startete. Mitstudierende kannten bereits Inhalte, die für mich mit meinem Werdegang Neuland waren. Nachdem ich das Assessment bestanden hatte, legte sich diese Unsicherheit aber zunehmend.
Was ist dir aus der Zeit an der ZHAW besonders geblieben?
Der Zusammenhalt unter den Kommiliton:innen. Alle ziehen am selben Strang, das gibt viel Motivation. Ich erinnere mich gerne an die Hackysack-Matches vor dem Technikum. Und natürlich die sehr gute Ausbildung, die Zeit im Studium hat mich sowohl fachlich als auch persönlich sehr positiv geprägt.
In einem anspruchsvollen Modul hast du dir viel vorgenommen. Was hat dich angetrieben?
Es gab viele spannende Module, aber besonders geblieben ist mir die Vorlesung in Numerik. Von älteren Studierenden hörte ich, dass es die schwierigste Prüfung sei. Deshalb setzte ich mir das Ziel, sie mit Bravour zu bestehen. Ich habe mich intensiv mit dem Stoff beschäftigt – so sehr, dass ich abends sogar telefonisch Fragen von Mitstudierenden beantworten konnte, ohne Unterlagen zur Hand zu haben.
Gab es für dich auch Herausforderungen?
Die Kommunikationsfächer lagen mir damals weniger – heute sehe ich allerdings, wie wichtig sie im Berufsalltag sind. Wenn ich das dort schon gewusst hätte, hätte ich wahrscheinlich besser aufgepasst. (lacht)
Du arbeitest heute als ICT Data Engineer bei der Callpoint AG – einem Unternehmen, das du bereits aus deiner Studienzeit kennst. Wie hat sich dieser Weg entwickelt?
Genau, bereits während meines Studiums arbeitete ich bei der Callpoint AG – sie boten mir später die Stelle als ICT Data Engineer an. Wie es der Zufall wollte, habe ich mich auch hier in eine Richtung entwickelt, in der ich noch Entwicklungspotenzial hatte. Da ich heute in einem Informatikteam arbeite, musste ich mir zusätzliche ICT-Kompetenzen aneignen. Meine Schwerpunkte liegen aber weiterhin auf mathematischen und datenorientierten Aufgaben.
Welche Inhalte aus dem Studium helfen dir heute konkret im Berufsalltag?
Ich schreibe unter anderem komplexe Queries, arbeite an ETL-Prozessen in der Datenintegration und bin für die Business Intelligence- und Reporting-Engine verantwortlich. Vieles aus dem Studium kann ich direkt anwenden – etwa bei der Prozessoptimierung, in Projekten oder bei der Erstellung von Prozessdiagrammen.
«Ich bin auf meinem Weg mehrmals in Bereiche gestartet, die für mich neu waren. Aber genau das hat mich weitergebracht – wenn man dranbleibt, eröffnen sich oft ganz neue Möglichkeiten.»
Ein Blick nach vorne: Künstliche Intelligenz gewinnt auch in deinem Arbeitsfeld an Bedeutung. Wie verändert das deine Tätigkeit?
In Zukunft wird sich vieles in Richtung KI-gestützter Lösungen entwickeln. Bei uns geht es zum Beispiel um Chatbots für Analysezwecke, KI-unterstützte BI-Lösungen oder die Erstellung von KI-basierten Simulationen. Darauf bin ich mit meinem gut gefüllten «Lebensrucksack» und meinem fundierten Wissen vorbereitet.
An wen würdest du das Wirtschaftsingenieur:innenstudium weiterempfehlen?
Ich empfehle das Studium allen Zahlenbegeisterten. Und jenen, die sich noch nicht ganz sicher sind, in welche berufliche Richtung sie sich entwickeln möchten. Der Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen eröffnet zahlreiche Möglichkeiten und Perspektiven. Ob in der Optimierung von Geschäftsprozessen, als Quereinsteiger:in in die Informatik, im Projektmanagement oder in vielen weiteren Bereichen – die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und bieten viel Gestaltungsspielraum.
Taha Amer
Unternehmen: Callpoint AG
Position: ICT Data Engineer
Bachelorstudium: Wirtschaftsingenieurwesen
Abschlussjahr: 2021
Spezialisierung: Service Engineering and Marketing
Vollzeit / Teilzeit: Teilzeit
Erstausbildung: Detailhandelsfachmann EFZ