Zu trockene Keller belasten die Stromrechnung
Falsch eingestellte Luftentfeuchter verursachen unbemerkt hohe Stromkosten. Eine Studie der ZHAW School of Engineering im Auftrag des Bundesamts für Energie zeigt: Der entscheidende Faktor dabei ist oft nicht die Gerätetechnik, es ist das Benutzerverhalten. Wenn die Ziel-Luftfeuchtigkeit zu tief eingestellt wird, steigt der Stromverbrauch von mobilen Luftentfeuchtern um ein Vielfaches.
Luftentfeuchter sorgen in Kellern, Archiven oder Lagerräumen für trockene Luft und schützen Gebäude vor Feuchtigkeit und Schimmel. Doch wie stark beeinflussen die Wahl des Geräts und insbesondere die richtige Einstellung den Stromverbrauch? Dieser Fragestellung gingen Forschende der ZHAW School of Engineering im Auftrag des Bundesamts für Energie nach und untersuchten die in der Schweiz erhältlichen Luftentfeuchter.
Die Studie zeigt: Der Schweizer Markt für Luftentfeuchter wächst stark. Während vor rund 15 Jahren noch etwa 8’000 steckerfertige Geräte pro Jahr verkauft wurden, dürften es heute weit über 60’000 Geräte sein. Gründe dafür sind dichtere Gebäudehüllen, besser gedämmte Heizsysteme und damit kühlere Keller, häufigere Starkregenereignisse sowie sinkende Gerätepreise. Der jährliche Stromverbrauch aller Luftentfeuchter wird auf rund 100’000 MWh geschätzt. Hinzu kommen etwa 85’000 MWh für Raumluftwäschetrockner.
Die Studie zeigt jedoch auch: Der wichtigste Hebel zur Senkung des Energieverbrauchs liegt oft nicht in der Technik, sondern im Benutzerverhalten. Viele Menschen wählen die Luftfeuchtigkeit nach persönlichem Empfinden und stellen die Geräte unnötig tief ein. Genau dies kann den Stromverbrauch massiv erhöhen.
Das zeigen die Forschenden des Instituts für Energiesysteme und Fluid-Engineering (IEFE) mit der dynamischen Simulation eines typischen Kellerraums: Sobald die Luftfeuchtigkeit unter 60 % relative Feuchte abgesenkt wird, steigt der Energiebedarf stark an, weil sich die Laufzeit der Geräte deutlich verlängert. Wenn die Luft zum Beispiel auf 35 % relative Feuchte entfeuchtet wird statt auf 65 %, steigt der Jahresenergieverbrauch um das 30-Fache. Denn je trockener die Luft ist, desto schwieriger und ineffizienter wird es, weiteres Wasser zu «entfernen».
Die Autoren empfehlen deshalb, die Luft nur so stark zu entfeuchten, wie es tatsächlich notwendig ist. Damit Benutzerinnen und Benutzer die energetisch optimale relative Luftfeuchtigkeit einstellen können, sollten Hersteller und Handel nicht den gesamten zulässigen Feuchtebereich kommunizieren – beispielsweise 40 bis 60 % relative Feuchte für einen Keller –, sondern den eigentliche Zielwert der Entfeuchtung. In vielen Fällen muss ein Keller nicht unter 60 % Luftfeuchtigkeit entfeuchtet werde, um gelagerte Gegenstände und das Gebäude vor Feuchtigkeitsschäden zu schützen.
Auch die Genauigkeit der Hygrostaten spielt eine wichtige Rolle. Bereits kleine Messabweichungen können dazu führen, dass ein Gerät häufiger und länger läuft als nötig. Simulationen zeigen, dass bereits eine Abweichung von nur gerade 2 % beim Hygrostaten den Energieverbrauch im Extremfall um bis zu 40 % erhöhen kann.
Zusätzlich empfiehlt die Studie, die bestehende Prüfnorm EN 810 zu überarbeiten. Denn heute werden viele Geräte unter Laborbedingungen getestet (30 °C, 80 % relative Feuchte), die wenig mit den tatsächlichen Betriebsbedingungen in der Schweiz und in Mitteleuropa gemeinsam haben. Deshalb schlagen die Autoren vor, praxisnähere Prüfbedingungen – zum Beispiel 15 °C und 60 % relative Feuchte – zu verwenden. Für eine bessere Vergleichbarkeit des Energieverbrauchs sollten zudem alle Geräte unter denselben Bedingungen geprüft werden.
Schliesslich schlagen die Autoren vor, effiziente Geräte klarer zu deklarieren und Förderkriterien stärker an der tatsächlichen Effizienz auszurichten. Damit könnten Nutzerinnen und Nutzer einfacher erkennen, welche Geräte im Alltag wirklich energieeffizient arbeiten.
https://pubdb.bfe.admin.ch/de/publication/download/12639
Projektname
Studie zur Energieeffizienz von Luftentfeuchtern
Auftraggeberin
Bundesamt für Energie, Eva Geilinger
Beteiligte
Projektleiter: Mirco Ganz, ZHAW
Projektmitarbeitende: Frank Tillenkamp, ZHAW, Niels van Meurs, ZHAW
Projektpartner: Thomas Lang, zweiweg gmbh
Projektdauer
April 2025 bis April 2026