In Rekordzeit zur abbaubaren Schuhsohle
Gestalten wir eine Schuhsohle aus biologisch abbaubarem Material, lautete die Anfrage ans ZHAW Institute of Materials and Process Engineering. Das Projekt wurde dank hervorragender Zusammenarbeit mit dem Projektpartner und dem Team in nicht mal zwei Jahren zum Erfolg und geht nun weiter. Mehr Infos dazu gibt’s auch am Thurgauer Technologietag 2026.
Schuhsohlen werden verbraucht – ob beim Spazieren im Wald, auf dem Weg zur Arbeit oder beim Wandern in den Alpen. Sie nutzen sich ab und hinterlassen Spuren in Form von Mikroplastik in der Natur. Mit jedem getragenen Paar Schuhe summiert sich diese Menge an Mikroplastik, auch wenn sie nicht sichtbar ist. Um dem entgegenzuwirken, kontaktierte die Firma Step Zero aus Flawil das ZHAW Institute of Materials and Process Engineering (IMPE) für die Entwicklung einer kreislauffähigen Aussensohle für Schuhe. Mit dieser Sohle wird der Abrieb statt zu Mikroplastik zu einem Material, das sich mit der Zeit in der Natur abbaut. Dadurch entstand am IMPE das Projekt «Kreislauffähige Aussensohle» unter der Projektleitung von Christof Brändli, Dozent und Leiter Labor für Klebstoffe und Polymere Materialien am Institut. Zur Finanzierung des Projekts stellten Step Zero und IMPE einen Antrag bei Innosuisse und erhielten die Förderung bewilligt.
Hunderte von Mischungen testen
Christof Brändli und sein Team rund um Bettina Vetterli Hanimann und Massimo Zambito Marsala erhielten vom Partnerunternehmen einen Anforderungskatalog an die kreislauffähige Sohle bezüglich Härte, Flexibilität, Rebound, Abrieb und weiteren Eigenschaften. Danach suchten sie nach Biopolymeren, die diese Kriterien erfüllen. Im Labor wurden einzelne Komponenten zusammengemischt, aufgeschmolzen und zu Granulat zerhäckselt. Aus dem Granulat wurden anschliessend im Spritzgussverfahren Prüfkörper erstellt und getestet. Über hunderte Mischungen hinweg gelangte das Team so Schritt für Schritt zum finalen Produkt. Die grösste Herausforderung dabei war, ein bioabbaubares Material zu finden, das die Anforderungen an Flexibilität erfüllte. «Harte, bioabbaubare Materialien gibt es einige, aber eine weiche Komponente zu entwickeln, war schwierig», sagt Christof Brändli.

«Die Zusammenarbeit mit Step Zero war sehr konstruktiv und wir haben uns regelmässig ausgetauscht. Das und die fantastische Arbeit der Teammitglieder am IMPE, die hervorragende Ideen generiert und umgesetzt haben, waren die grössten Erfolgskriterien fürs Projekt.» – Christof Brändli
Ergebnis des Projekts ist eine Aussensohle, mit der ein Schuhhersteller aus Deutschland einen Hausschuh erstellt hat, der heute im Verkauf ist. «Das Projekt ist ein Vorzeigebeispiel, wie gut die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Wissenschaft funktionieren kann. In eindreiviertel Jahren haben wir gemeinsam aus der Idee von Step Zero ein marktfähiges Produkt entwickelt. Wir haben noch nie in so kurzer Zeit von Grund auf ein so erfolgreiches Projekt umgesetzt», sagt Christof Brändli. Der Erfolg des Materials zeigt sich auch anhand mehrerer gewonnenen Preise wie dem Global Footwear Award, dem Circular Design Preis Schweiz und dem Eco Award Footwear bei den Performance Days in München.
«Wir wollen die Sohle outdoortauglich machen»
Für Christof Brändli hat die entwickelte Aussensohle auch kleine Schwachstellen: «Sie ist braun und lässt sich damit nicht so gut einfärben.» Unter anderem deshalb arbeitet das Team am IMPE an einer Sohle der 2. Generation, die weiss ist und noch bessere Produkteigenschaften besitzt. Für die Weiterentwicklung haben IMPE und Step Zero ein Folgeprojekt gestartet und die Folgeförderung bei Innosuisse beantragt und bewilligt erhalten. Im Februar 2026 startete das auf zwei Jahre ausgelegte Projekt. «Im Folgeprojekt wollen wir das Verständnis des Materials vertiefen und uns farblich an Weiss orientieren, was aber auch vom Biopolymer abhängig ist», sagt Christof Brändli. Für die Zeit nach dem Folgeprojekt sieht Christof Brändli für das Material auch Potenzial in anderen Anwendungsbereichen.
Mehr erfahren am Thurgauer Technologietag
Am Thurgauer Technologietag 2026 am 30. April stellt Christof Brändli das Projekt und die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Hochschule im Vortrag «Die Schuhsohle neu gedacht – Entwicklung einer kreislauffähigen Aussensohle für die Schuhindustrie» vor. Dabei zeigt er den Weg von der Idee zum marktfähigen Produkt und wie Unternehmen Innosuisse-Projekte beantragen und umsetzen können.