Eingabe löschen

Kopfbereich

Schnellnavigation

Hauptnavigation

Augmented Reality: ZHAW-Absolventin will Museen digitalisieren

Anna-Flurina Kälin hat in ihrer Bachelorarbeit ein digitales Tool entwickelt, mit dem sich Museen fit machen können für das 21. Jahrhundert. Nun gründet die ZHAW-Absolventin ihr eigenes Startup. Das «First Ventures»-Programm der Gebert Rüf Stiftung unterstützt die Geschäftsidee.

Mit «varcu» wird der Museumsbesuch um eine virtuelle Komponente erweitert.

Augmented Reality (AR) ergänzt die reale Welt mit virtuellen Zusätzen. Zu sehen sind diese mittels Apps für mobile Geräte. Solche Anwendungen sind im Museumsbereich bisher kaum anzutreffen, schon gar nicht in einer kombinierten Lösung zusammen mit Virtual Reality (VR), also einer komplett virtuell erstellten Welt. Dies soll sich bald ändern, wenn es nach Anna-Flurina Kälin geht. Die Informatik-Absolventin hat als Bachelorarbeit zusammen mit ihrem Kommilitonen Thomas Stettler eine App entwickelt, mit der Ausstellungen sowohl in VR als auch in AR erstellt, gespeichert, verändert und geteilt werden können. Sie nennen ihre Lösung «varcu»: Virtual and Augmented Reality Curation. Als Startup­-Unternehmen wollen die Absolventin und der Absolvent ihre App nun an Kunden aus dem Museumsbereich verkaufen. Das «First Ventures»-Programm der Gebert Rüf Stiftung unterstützt die Geschäftsidee mit einer Förderung in Höhe von CHF 150'000. Im Interview verrät Anna-Flurina Kälin, wie es nun weitergeht.

ZHAW-Absolventin Anna-Flurina Kälin wagt den Schritt in die Selbständigkeit.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dass man Museen mit AR und VR ergänzen könnte?

Anna-Flurina Kälin: Ich arbeite seit vielen Jahren in der Kunstvermittlung und interessiere mich, wie viele meiner Berufskolleginnen und -kollegen, für digitale, inhaltlich interessante und nachhaltige Projekte. So entstand diese Idee im Austausch mit Kunstvermittlerinnen und Institutionen.

Sie haben die App in Ihrer Bachelorarbeit entwickelt. Wieviel fehlt noch zum fertigen Produkt, das Sie Museen anbieten können?

Es gibt einen funktionierenden Prototyp, der bereits die Basisfunktionalität anbietet und auch verwendet werden kann für Tests und zu Demozwecken. Um nur einige Aspekte zu nennen, die noch fehlen: Es gibt momentan noch keine Lösung, womit die Museen selbständig Bilder ihrer Werke in die Anwendung einfügen können. Das Projekt braucht noch eine solide Architektur, um einfach erweiterbar zu sein und für verschiedene Institutionen eingesetzt werden zu können. Im Augmented Reality-Teil muss noch mehr Stabilität erreicht werden und die Geräteunterstützung ist ein weiteres Thema.

Was sind die grössten Herausforderungen, die Sie bei der bisherigen Entwicklung meistern mussten?

Eine relativ stabile Raumerfassung in AR zu erreichen, war der Hauptfokus in der Bachelorarbeit und auch eine grosse Herausforderung. Einen Fokus zu setzen auf die relevanten Aspekte respektive den Kern der Funktionalität herauszuarbeiten war ein weiterer wesentlicher Teil. Unsere Anwendung wird hauptsächlich mit Tablets verwendet und es braucht je nach Raummodell einiges an Rendering. Insofern ist die Performance ein weiteres herausforderndes Thema, das uns vor allem zukünftig noch beschäftigen wird.

Wann kam Ihnen die Idee, dass ihre Entwicklung die Grundlage für ein Startup-Unternehmen sein könnte?

Wir haben schon beim ersten Prototyp eine Nachfrage und ein Interesse an der Anwendung feststellen können. Beides wurde mit einem Auftrag bestärkt. Da war uns bereits bewusst, dass es eine geschäftliche Lösung braucht, um als Auftragnehmer legitim auftreten zu können.

Wie sollen Museen vorgehen, wenn sie Ihre Anwendung varcu einsetzen möchten?

Das Wichtigste sind die Werke des Museums. Wir brauchen von der Institution die digitalisierten Sammlungsstücke, die anschliessend in der Anwendung verwendet werden können. Es ist möglich, varcu mit einem von der Anwendung automatisch generierten Raummodell zu verwenden. Wenn das Museum eine optimale Wiedererkennung der Räumlichkeiten wünscht, lohnt es sich jedoch, diese zu modellieren. Das Modellieren wird auch von uns übernommen.

Sie bekommen nun eine Finanzspritze durch die Gebert Rüf Stiftung. Wofür planen Sie diese ein?

Ein Teil der Finanzierungshilfe fliesst in die Weiterentwicklung und Finalisierung unserer Anwendung varcu. Der Aufbau einer sich selbst tragenden Firma und das Etablieren im Markt geschieht unabhängig davon und ist auch ein wesentlicher Teil, den wir mit Hilfe der Unterstützung erreichen wollen.

Was sind die nächsten notwendigen Schritte zum erfolgreichen Startup-Unternehmen?

Als erstes gilt es, die Firma mit ihren Regeln und ihrer Identität zu definieren. Anschliessend können wir die notwendigen Unterlagen erstellen für die offizielle Firmengründung. Einen Namen für unser Startup haben wir bereits: «freisicht». Für die erfolgreiche Entwicklung unserer Software halten wir es für wichtig, von Anfang an mit Partnermuseen zusammenzuarbeiten.

Webseite des Startups: www.freisicht.ch