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«Der Mix an Unterrichtsformen wird viel breiter sein als heute»

Die ZHAW School of Engineering entwirft in ihrer Strategie «Bildung und digitale Transformation» entwirft ein Zielbild, um im Hinblick auf die digitale Transformation optimale Rahmenbedingungen in der Lehre zu gewährleisten. Thomas Järmann, Leiter Lehre, und Karin Jakob Grob, Verantwortliche für Digitales Lehren und Lernen, erklären im Interview, wie sich das Studium an der ZHAW School of Engineering durch die zunehmende Digitalisierung verändern wird.

Ein zentraler Inhalt der Teilstrategie «Bildung und digitale Transformation» ist die optimale Integration digitaler Lehrformen in den Präsenzunterricht. Sie sollen dann zum Einsatz kommen, wenn sie einen Mehrwert gegenüber herkömmlichen Lehrformen bieten. Wie sieht dieser Mehrwert aus?
Thomas Järmann: Ein Mehrwert ist sicher die Möglichkeit des kollaborativen Arbeitens, das durch den Einsatz digitaler Lehrformen einfacher zugänglich ist. Auch Virtual Reality im Unterricht kann einen Mehrwert darstellen, z.B. indem man physikalische Felder visualisiert, was bisher nicht möglich war.
Karin Jakob Grob: Wir haben einen Leitfaden verfasst, anhand dessen der Mehrwert eingeschätzt werden kann. Er nimmt Bezug auf das sogenannte SAMR-Modell, das beschreibt, wie sich Unterrichten und Lernen durch den Einsatz von Technik wandeln. Es gibt demnach verschiedene Stufen von Mehrwert. Ein Mehrwert entsteht aber nur dann, wenn die digitalen Lehrformen auch didaktisch eingebettet sind und allenfalls Änderungen am Einsatzszenario vorgenommen werden.

Durch den Einsatz von digitalen Lehrformen soll speziell das individualisierte, selbstgesteuerte Lernen unterstützt. Widerspricht das nicht dem kollaborativen Ansatz?
Jakob: Individualisiert bedeutet nicht zwangsläufig, dass jemand im Selbststudium alleine vor sich hinarbeitet. Gemeint ist eher selbständiges Arbeiten, bei dem man sich eigenständig organisiert und selber Ziele setzt. Das kann auch in Form von Gruppenarbeiten passieren.
Järmann: Für mich hat Digitalisierung schon auch mit Individualisierung zu tun im Sinne von individuell zugeschnittenen Angeboten. In Zukunft wird jede Person eher einen individualisierten Lehrpfad durchs Studium haben, der abhängig ist von ihren Vorkenntnissen.

Aber auch das (autonome) Selbststudium soll mit digitalen Lehrformen von hoher Qualität unterstützt werden. Was für Lehrformen sind das oder könnten das sein?
Jakob: Früher hat man ein Buch aus dem Regal genommen und Kapitel 3-5 zur Vorbereitung gelesen. Heute kann man sich ein PDF herunterladen. Zukünftig werden wir mit anderen Lehrangeboten wie Open Educational Ressources (OER) arbeiten. Und wir werden Erklärvideos oder Quizzes einsetzen. Auch hier wird das kollaborative Arbeiten zunehmen, indem der Student oder die Studentin sich von zuhause aus mit den Dozierenden oder der Klasse austauschen oder an einem Thema arbeiten kann.

Gibt es Trends im Bereich der digitalen Lehrformen?
Jakob: Was Didaktik anbelangt, gibt es immer wieder Trends. Nachdem eine Zeit lang auf MOOCs (Onlinekurse, Zugangs- und Zulassungsbeschränkungen verzichten; A.d.R.) gesetzt wurde, bewegen wir uns momentan wieder auf der Blended Learning Welle, wo die Verzahnung von Präsenz und E-Learning im Fokus steht, die unterschiedlich aussehen kann. Die Forschung sagt, dass es generell der Mix der Lehrformen ist, der es ausmacht – egal welche digitalen Lehrformen ich einsetze. Aber bestimmte digitale Einsatzformen werden sich mit Sicherheit durchsetzen, E-Assessments zum Beispiel.
Järmann: An der ZHAW School of Engineering gibt es regelmässige Ausschreibungen zu Pilotprojekten für die Lehre. Bei der aktuellen Ausschreibung haben wir vier Themen vorgegeben: Wikis mit vernetzten Lerninhalten, interaktive Simulationen, interaktive bzw. individualisierte Lernsettings mit Moodle (ein Kursmanagementsystem und eine Lernplattform; A.d.R.) und Open Educational Ressources.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Wie sieht das Studium an der SoE im Jahr 2025 aus? Was ist anders als heute? Und was wird sich bis zum Jahr 2035 ändern?
Järmann: 2025 ist das neue Studienmodell eingeführt und evaluiert. Wir bieten alle Bachelorstudiengänge auch im Teilzeitmodell an. Es gibt kollaborative Tools, die wir flächendeckend einsetzen. Wir werden dann nur noch eine Lehrplattform haben für den Austausch und um Informationen und Lehrmaterial zur Verfügung zu stellen. Bis 2035 wird das Studium viel orts- und zeitunabhängiger sein und viel individualisierter. Man wird sich die Inhalte nach eigenen Interessen zusammenstellen und einen individuellen Lernpfad erstellen können.
Jakob: Generell wird der Mix an Unterrichtsformen viel breiter sein als heute. Und wir bewegen uns vom Teaching zum Coaching.