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Angewandte Psychologie

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Wer mit Fehlern umgehen kann, wird besser auf Veränderungen reagieren

Lernen ist ein wichtiger Prozess, damit ein Unternehmen erfolgreich bleibt. Doch wie gelingt es, Mitarbeitende zu motivieren, Neues zu lernen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln? Die Analyse des IAP liefert erstmals Antworten zur Lernkultur in Schweizer Organisationen.

Wer ständig Angst hat, kritisiert zu werden oder etwas falsch zu machen, probiert selten Neues aus. «Damit ein Unternehmen jedoch mit den laufenden Entwicklungen mithalten kann, braucht es die Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen und das bestehende Wissen zu erweitern», sagt Jürg Gabathuler. Er ist Dozent und Berater am Institut für Angewandte Psychologie der ZHAW sowie Co-Autor der schweizweit ersten Lernkulturanalyse.

Eine allgemeingültige Definition, was eine Lernkultur ist, gibt es nicht. Laut Gabathuler prägt sie jedoch massgeblich, wie Mitarbeitende gemeinsam Lösungen entwickeln und auf herausfordernde Situationen reagieren. «Lernen bedeutet am Ende nichts anderes, als sich an die Veränderungen anzupassen, die auf ein Unternehmen zukommen.» Dazu gehören etwa die zunehmende Technologisierung, der Fachkräftemangel oder veränderte Arbeitsweisen.

Ausgewählte Ergebnisse aus der Studie

Die Zufriedenheit mit der Lernkultur in Schweizer Organisationen ist insgesamt hoch, wie die Ergebnisse der IAP-Studie zeigen. «Uns hat besonders überrascht, dass dies unabhängig von Branche und Position gilt», sagt Gabathuler. So wurden für die Analyse von 2023 bis 2025 insgesamt 1966 Personen aus den Bereichen Gesundheitswesen, Dienstleistungen und Technologie sowie Produktion, Handel und Logistik befragt. Sowohl Mitarbeitenden wie auch Führungspersonen bewerteten die Lernprozesse innerhalb ihrer Organisationen grundsätzlich positiv.

«Es braucht eine Kultur, in der Mitarbeitende Kritik offen äussern können, eigene Ideen einbringen und selbst dann keine negativen Konsequenzen befürchten müssen, wenn sie scheitern.»
Jürg Gabathuler, Co-Studienautor

Allerdings schwanken die Werte über die Zeit. Da die Umfragen jeweils in verschiedenen Organisationen durchgeführt wurden, vermuten die Forschenden, dass die Unterschiede vor allem auf die internen Rahmenbedingungen zurückzuführen sind. So könnten etwa Restrukturierungen, neu eingeführte Tools oder veränderte Prozesse dazu führen, dass die Zufriedenheit vorübergehend sinkt. «Lernen sollte deshalb als fortlaufender Prozess verstanden werden, der über einzelne Weiterbildungen hinausgeht», so Gabathuler.

Offen über Fehler sprechen

Über alle Branchen hinweg erwies sich ein Faktor als besonders wichtig: der konstruktive Umgang mit Fehlern. «Es braucht eine Kultur, in der Mitarbeitende Kritik offen äussern können, eigene Ideen einbringen und selbst dann keine negativen Konsequenzen befürchten müssen, wenn sie scheitern», sagt Gabathuler.

Eine solche Fehlerkultur entsteht jedoch nicht von selbst. Organisationen müssen kreative Strukturen schaffen und genügend Ressourcen zur Verfügung stellen, damit gemeinsames Lernen möglich wird. Auf Teamebene können dies beispielsweise Mentoring- oder Begleitprogramme sein, die den Austausch zwischen den Mitarbeitenden fördern. Auch kurze Wissensinputs in Teamsitzungen, regelmässige Check-ins oder Feedbackrunden helfen dabei, Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen. Einen Schritt weiter gehen organisationsübergreifende Fuck-up-Sessions, in denen Mitarbeitende sowie Vorgesetzte offen über Fehler sprechen und gemeinsam reflektieren, was sie daraus lernen.

Vorgesetze als Vorbilder und Motivatoren

Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Führungspersonen zu. «Sie sollten als gute Beispiele vorangehen, den Mitarbeitenden Wertschätzung entgegenbringen und sie ermutigen, eigene Projekte zu verfolgen», sagt Gabathuler. Ebenso wichtig ist es, Ziele und Prozesse transparent zu kommunizieren, damit Mitarbeitende Entscheidungen nicht nur verstehen, sondern auch nachvollziehen und bei Bedarf hinterfragen können. 

Bis eine solche Lernkultur etabliert sei, brauche es jedoch Zeit, so Gabathuler. Mitarbeitende müssen erst lernen, dass ihre Meinung tatsächlich gefragt ist, sie auch schwierige Themen ansprechen und Veränderung aktiv mitgestalten können. Gabathuler ist jedoch überzeugt, dass sich dieser Prozess auszahlt: «Gelingt es einer Organisation, eine gute Lernumgebung zu schaffen, kann sie schneller auf Veränderungen reagieren, Innovationen voranzutreiben und langfristig erfolgreich bleiben.»

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