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Angewandte Linguistik

8. DaZ-Expert:innen-Forum: Sprachliche Repertoires in der postmigrantischen Gesellschaft

Wie können sprachliche Repertoires in einer postmigrantischen Gesellschaft sichtbar gemacht, gefördert und als Ressource genutzt werden?

Wie können sprachliche Repertoires in einer postmigrantischen Gesellschaft sichtbar gemacht, gefördert und als Ressource genutzt werden? Mit dieser Frage stand das 8. DaZ Expert:innen Forum an der ZHAW Angewandte Linguistik ganz im Zeichen aktueller Herausforderungen und Chancen im Bereich Deutsch als Zweitsprache. Rund 70 Expert:innen aus der ganzen Schweiz kamen zusammen, um ihre Perspektiven, Erfahrungen und Ansätze zu teilen.

In ihrer Keynote zeigte Brigitta Busch eindrücklich, was passiert, wenn sprachliche Repertoires nicht anerkannt oder gar unterdrückt werden: Rückzug, Verschweigen, sogar Traumatisierung. Und umgekehrt, welches Potenzial sich entfaltet, wenn Sprachen gesehen, wertgeschätzt und erlaubt werden – für Individuen wie für Institutionen. Ihre Beispiele aus Österreich boten einen starken Auftakt für die Workshops.

In drei Workshops wurde Plurilingualität aus verschiedenen Perspektiven vertieft. Geleitet von Expert:innen aus Forschung und Praxis griffen sie zentrale Fragestellungen auf und diskutierten diese gemeinsam mit den Teilnehmenden:

  • Workshop 1: «Sprachenpolicies: den Rahmen gestalten» (Annina Schmid und Marco Gähler mit Mi-Cha Flubacher) widmete sich der Frage, wo Chancen und Grenzen mehrsprachiger Services liegen und wer Verantwortung für die Förderung plurilingualer Ressourcen trägt.
  • Workshop 2: «Lehren und Lernen: sprachliche Repertoires fördern» (Brigitte Federi und Melanie Würth mit Liana Konstantinidou) zeigte auf, wie plurilinguale Kompetenzen im Unterricht gezielt gefördert werden können – und welche Rolle digitale/KI-Tools dabei spielen.
  • Workshop 3: «Zusammen leben – zusammen arbeiten» (Tamara Iskra-Badrutt mit Patrick Studer) führte am Beispiel der Stadt Biel aus, wie gelebte Zweisprachigkeit Räume für weitere Sprachen öffnet – inklusive der nötigen Portion «kreatives Chaos», das Aushandlung und Toleranz erst möglich macht.

Die Schlussrunde zeigte: Die Anerkennung von mehrsprachigen Realitäten und die Förderung plurilingualer Kompetenzen sind keine Nice-to‑haves, sondern entscheidend für die zielführende Kommunikation in mehrsprachigen Gesellschaften, für Teilhabe, und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gleichzeitig braucht es einen realistischen Blick auf die Möglichkeiten, die sich zwischen hierarchischen Wertungen von Sprachen und Sprecher:innen, politischen Aushandlungen und globalen Ereignissen ergeben – oft noch im Rahmen von kleinen Initiativen, künstlerischen Interventionen und kreativen Räumen.

«Wir stehen noch - oder wieder - am Anfang dieses Weges, bleiben aber dran, bis die institutionellen (Bildungs-)Kontexte die plurilingualen Kommunikationspraktiken im Alltag und im Beruf reflektieren.» – Liana Konstantinidou

Das 8. DaZ-Expert:innen-Forum hat zwar erst letzten Freitag, am 20. März 2026, stattgefunden, doch freuen wir uns jetzt schon auf die nächste Durchführung.

Herzlichen Dank an alle Teilnehmenden für die spannenden und wertvollen Impulse!