Klimaerwärmung: Regionale Netzwerke stärken Resilienz und Zukunftsfähigkeit
Eine Studie des Departements Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen sowie der Architekturbüros HILDEBRAND und ITER zeigt anhand von drei Schweizer Fallbeispielen, wie sich mit Holz Wirtschaft, Ökologie und Baukultur verbinden lassen.
Der diesjährige Sommer hat die Auswirkungen der Klimaerwärmung spürbar gemacht. Anpassung und eine konsequente Reduktion der CO₂-Emissionen sind dringlich. Bauen und Gebäude verursachen rund 37 % der globalen CO₂-Emissionen und sind damit ein zentraler Hebel für das Netto-Null-Ziel der Schweiz bis 2050. Die notwendige Veränderung entsteht jedoch nicht durch ein einzelnes Produkt, eine Technologie oder ein Gebäude. Sie entsteht dort, wo Menschen, Landschaften, Ressourcen, Unternehmen, Wissen und Infrastrukturen miteinander in Beziehung treten, und tragfähige Systeme bilden.
Holz als gemeinsames Kapital
Die Studie «MEHRwert HOLZ – Wertschöpfung Holzindustrie», unterstützt durch den Aktionsplan Holz des BAFU, untersucht an drei Schweizer Regionen, wie solche Beziehungen bereits funktionieren und welches Potenzial in ihnen für die Zukunft liegt. Im Zentrum stehen die schaerholzbau AG im Kanton Luzern, die Robert Schaub AG im Kanton Zürich und die Uffer Holz AG in Graubünden. Die Studie folgt der Ressource Holz vom Wald bis zum fertigen Gebäude und macht die vielfältigen Beziehungen entlang dieser Wertschöpfungskette sichtbar.
«Gute Lösungen für alle Akteure entstehen, wenn wir Zusammenhänge verstehen, Bedürfnisse erkennen und daraus eine klare Geschichte entwickeln. Ein Projekt ist wie ein Schachspiel: strategisch denken, die Flughöhe behalten und trotzdem flexibel bleiben.» Enrico Uffer, Uffer Gruppe, Savognin GR
Fünf Visionen für Wirtschaft und Landschaft
Aus den bestehenden Strategien und Beziehungen leitet die Studie fünf Visionen ab. Sie zeigen, wie sich Wirtschaft und Region im Zusammenspiel von Ressourcen, Produktion, Landschaft und Gesellschaft transformieren lassen.
1 Holz als gemeinsames Kapital — Regionale Netzwerke verbinden Rohstoffe, Verarbeitung, Wissen und Arbeitsplätze. Ein grosser Teil der Projekte, Mitarbeitenden, Rohstoffe und Partner der untersuchten Unternehmen liegt im Umkreis von etwa 10–25 km; zugleich reichen einzelne Beziehungen über 50 km hinaus. Holz wird so zum verbindenden Element zwischen Landschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.
2 Natur, Produktion und Lebensräume zusammendenken — Die Uffer Holz AG zeigt, wie Wald, Forstbetriebe, Gemeinden, Verarbeitung und Nutzung miteinander verbunden werden können. Durch die Zusammenarbeit mit der Resurses SA, dem angeschlossenen Sägewerk, und die Etablierung langfristiger Lieferverträge stärken sie die regionalen Verarbeitungskapazitäten. Ein grosser Teil der Wertschöpfung bleibt vor Ort.
3 Verwertung schafft neue Kreisläufe — Restprodukte aus Wald und Verarbeitung werden zu Energie, Pflanzenkohle oder neuen Materialien. Die Holzschnitzelheizung der Robert Schaub AG in Andelfingen versorgt seit 1984 einen wachsenden Nahwärmeverbund mit Restholz aus dem Betrieb und Waldschnitzeln aus dem lokalen Forst. So wird aus Verwertung regionale Wertschöpfung.
4 Baukultur als Teil des regionalen Netzwerks — Ein Gebäude beginnt nicht auf der Baustelle. Es ist Teil eines Geflechts aus Wald, Menschen, Unternehmen, Materialien, Energie, Infrastruktur und kulturellem Kontext. Architekturschaffende können dabei zwischen Akteuren vermitteln, Ressourcen verbinden und Baumaterialien fügen. Architektur macht regionale Beziehungen sichtbar und stärkt vorhandene Potenziale.
5 Wissen als Ressource teilen — Resiliente Systeme entstehen durch die Fähigkeit, Wissen zu verknüpfen und gemeinsam anzuwenden. Die schaerholzbau AG zeigt dies exemplarisch als Vorreiterin für digitale Innovation: In Zusammenarbeit mit Forschung und Planung verbindet sie traditionelles Handwerk mit Technologien wie BIM und Mixed Reality und entwickelt ihre Planungs- und Produktionsprozesse kontinuierlich weiter.
Regionale Netzwerke als Zukunftsmodell
Die fünf Visionen zeigen Wege zu mehr wirtschaftlicher, ökologischer, sozialer und kultureller Nachhaltigkeit. Holzbaukultur wird zur verbindenden Kraft zwischen Menschen, Ressourcen, Wissen und Produktion – und schafft Raum für Innovation. Starke Netzwerke und gemeinsames Handeln können damit die Grundlage für resiliente und zukunftsfähige Systeme bilden.
Kontakt
Tibor Joanelly, Verantwortlicher Kommunikation, ZHAW Departement Architektur und Gestaltung, +41 58 934 67 19, tibor.joanelly@zhaw.ch
Thomas Hildebrand, Dozent ZHAW Departement Architektur und Gestaltung, Partner HILDEBRAND, Wasserwerkstrasse 129, 8037 Zürich, +41 44 350 24 32, thomas@hildebrand.ch