Wort des Jahres Schweiz

#metoo und harcèlement – die Wörter des Jahres Schweiz 2017 sind gekürt. Solche Wörter zeigen, was uns 2017 bewegt hat. Zur Wahl nutzten ZHAW-Forschende die grösste Textdatenbank der Schweiz – und die Jury ihr Sprachgefühl.

Wort des Jahres Schweiz – Deutsch

Platz 1: #metoo
Das Wort wirkt 2017 wie kein zweites. Es zeigt an; es zieht lange Verdrängtes ins Licht, es schliesst soziale Medien und öffentlichen Diskurs kurz. So findet es innert Tagen vom Filmgeschäft in Hollywood in den Alltag hier und jetzt – auch in der Schweiz. Hier ist #metoo das Wort, das sich 2017 viral verbreitet hat.

Platz 2: weglachen
Lachen, wo andere ernst sein oder weinen möchten; mit gespielter Heiterkeit ablenken vom Unbequemen – “weglachen” bezeichnet sozusagen die Wurzel von Problemen der Machart #metoo. Wer etwas weglacht und damit ins Lächerliche zieht, versucht, sich der Sache nicht stellen zu müssen. Das Wort ist noch jung und hat 2017 Eingang in den mündlichen Diskurs gefunden.

Platz 3: Influencer
Bis vor kurzem galt es als hip, “Influencer” zu sein. Man bezeichnete sich selbst öffentlich inflationär als Influencer. 2017 wird deutlich: Wer seine Follower auf Social Media bewusst beeinflusst und damit Geld verdient, missbraucht Vertrauen und manipuliert. Das Wort bleibt zwar, sein Beigeschmack aber hat sich 2017 zum Negativen verschoben.

Mots romands de l’année

Première place : harcèlement
Sans conteste le mot qui a marqué le plus les esprits tout au long de 2017 : harcèlement de rue ou de producteurs hollywoodiens, harcèlement moral et cyber-mobbing. L’omniprésence de ce terme porte à la fois le terrible constat de jeux de pouvoir insidieux et la force libératrice de la parole : mettre enfin un mot sur des situations où la société était, jusqu’ici, restée silencieuse.

Deuxième place : congé paternité
Le terme n’est pas nouveau, le débat non plus. Pourtant, le congé paternité a fait couler beaucoup d’encre en 2017. L’initiative lancée en 2016 et les vives réactions face à son rejet par le Conseil fédéral laissaient déjà entrevoir cette évolution des mentalités. Nul doute alors que si ce terme revient, en 2017 encore, inlassablement sur le devant de la scène, c’est qu’il contribue lentement mais sûrement à redessiner la représentation traditionnelle du modèle familial suisse.

Troisième place : influenceur / influenceuse
La gloire à la portée de n’importe quel quidam équipé d’une webcam : il y avait les youtubeurs et autres blogueuses, l’heure est désormais aux influenceurs et influenceuses. Si le concept, en 2017, n’est pas nouveau, le glissement terminologique n’est pas anodin. Il traduit la prise de conscience et de recul face à la nature jusqu’ici allègrement ignorée du rôle de ces célébrités du web : il s’agit aussi (et surtout ?) d’une nouvelle technique de placement de produits, ce qui soulève bon nombre d’interrogations.

Jury

Von links nach rechts: Johanna Decurtins (ZHAW), Georg Eggenschwiler (Literatur- und Filmkritiker), Remo Zumstein (Schweizer Meister Poetry Slam 2016), Marlies Whitehouse (ZHAW), Daniel Quaderer (Wort des Jahres Schweiz bis 2016), Patrick Tschirky (ZHAW), Daniel Perrin (ZHAW), Tania Araman (Journalistin Migros Magazin), David Lobsiger (ZHAW), Anne Darmstätter (ZHAW), Elsa Liste (ZHAW), Rebekka Häfeli (Journalistin, Radiomoderatorin, Autorin), Sandrine Fabbri (Gymnasiumlehrerin, ehemalige Journalistin, Schriftstellerin), Josefa Haas (Kommunikationsexpertin swissuniversities), Selina Wiederkehr (Junge Journalisten Schweiz), Matthias Strasser (Junge Journalisten Schweiz), Cédric Luisier (ZHAW).

Ihr Vorschlag kann das nächste Wort des Jahres beeinflussen

... denn zusammen mit der Öffentlichkeit, JournalistInnen, SprachkritikerInnen, BloggerInnen und Literaturschaffenden ermitteln SprachwissenschaftlerInnen der ZHAW ab 2017 das Wort des Jahres.

Wie wird das Wort des Jahres ermittelt?

Die ZHAW sammelt Daten zum öffentlichen Diskurs (Korpus swiss-AL) sowie Vorschläge, die bis zum 15. November über Twitter eingesandt werden. Gestützt auf diese Daten diskutieren VertreterInnen der ZHAW und Sprachschaffende in einer Jury die Ergebnisse aus dem Korpus und die Vorschläge aus der Öffentlichkeit. Gekürt und publiziert als Wort des Jahres wird der Ausdruck, der den Wandel des gesellschaftlichen Diskurses am treffendsten veranschaulicht – einfach gesagt: der zeigt, wie die Schweiz neu tickt.

Ihre Vorschläge erreichen uns über Twitter, wenn Sie folgende Hashtags verwenden:

  • #WortdesJahresCH
  • #MotDeLAnnéeCH
  • #ParolaDellAnnoCH

Über Neuigkeiten informieren wir regelmässig auf dieser Seite und über unseren Twitter-Account @ZHAWLinguistik.

Das Wort des Jahres – für alle vier Landessprachen

Das Wort des Jahres steht für wesentliche gesellschaftliche Entwicklungen, die sich in den Diskursen der Schweiz spiegeln. Ab 2017 wird es deshalb für die deutsch- und französischsprachige Schweiz bestimmt, ab 2018 kommt Italienisch dazu, ab 2019 ein Wort des Jahres aus der rätoromanischen Sprachgemeinschaft.

Wort des Jahres Schweiz auf Wikipedia

Aktuelles

Medienbeiträge

Bisherige Wörter des Jahres

Jahr Wort des Jahres Unwort des Jahres Satz des Jahres
2016 Filterblase Inländervorrang light Vielleicht müssen wir die Granaten in Zukunft ohne Logo liefern, damit niemand weiss, woher sie stammen. (Andreas Glarner)
2015 Einkaufstourist Asylchaos Eine WM kann man nicht kaufen. (Sepp Blatter)
2014 # (Hashtag) Dichtestress Es bleibt unbeständig. (Metereologenspruch und gleichzeitig Einschätzung für die politische Grosswetterlage in der Schweiz)
2013 Stellwerkstörung Systemrelevant Aff (BR Ueli Maurer zu TV-Journalist)
2012 Shitstorm Bio Vada a bordo, cazzo! (Schiffslotse zum Kapitän des sinkenden Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia)
2011 Euro-Rabatt Technologieverbot Das Leben ist kein Bonihof. (Protest-Tafeln bei linken Demos gegen das System)
2010 Ausschaffung FIFA-Ethikkommission Die Schweiz ist eine frustrierende Alpendemokratie. (US-Botschafter Peter Coneway)
2009 Minarettverbot Ventilklausel Ich bin nicht gut integriert in der Schweiz, ich bin Schweizer. (Granit Xhaka)
2008 Rettungspaket Europhorie Wir müssen nicht nur das Zuckerbrot benutzen, sondern auch die Peitsche. (D-Finanzminister Peer Steinbrück)
2007 Sterbetourismus Klimakompensation Das Rütli ist nur eine Wiese mit Kuhdreck. (SVP-Präsident Ueli Maurer)
2006 Rauchverbot Erweiterter Selbstmord «Ich kann das!» (Doris Leuthard als neue BR)
2005 Aldisierung Erlebnisorientierte Fans Deutschland, wir kommen! (Fussball-Nati an WM 2006 in D)
2004 Meh Dräck Ökoterror Switzerland - zero Points (Eurovision Song Contest)
2003 Konkordanz Scheininvalide Wählt Blocher! Er hat diese Strafe verdient. (Franz Hohler)

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