Soziale Integration messbar machen
Wie misst man soziale Integration von Geflüchteten? Diese Frage hat die ZHAW Soziale Arbeit untersucht und plädiert dafür, der Perspektive und Expertise der Betroffenen mehr Raum zu geben.
Die Schweiz konzentriert sich vor allem auf die berufliche Integration von Geflüchteten. Die soziale Integration findet dagegen wenig Beachtung. Doch wie gut lässt sich diese überhaupt messen? Die ZHAW hat im Auftrag des Bundes ein Erhebungskonzept für das Monitoring im Förderbereich Zusammenleben entwickelt, das auf diese Integration fokussiert.
«Will man soziale Integration messen, begibt man sich schnell auf ethisch heikles Terrain», sagt Eva Mey, Professorin am Institut für Vielfalt und gesellschaftliche Teilhabe der ZHAW und Co-Projektleiterin. Mit blossem Zählen gesellschaftlicher Interaktionen komme man ausserdem nicht weit. Ein einfaches Monitoringinstrument mit ein, zwei Indikatoren reicht entsprechend nicht. Das Projektteam entwickelte stattdessen zwei unterschiedliche Erhebungskonzepte. Als ersten Schritt ersetzte es aber den Begriff «soziale Integration» durch «gesellschaftliche Teilhabe» und fasste deren Aspekte in Gruppen wie Wohnsituation oder Erfahrungen im Kontakt mit staatlichen Behörden.
Geflüchtete als Expertinnen und Experten auf Augenhöhe
Das erste Erhebungskonzept sieht eine standardisierte Befragung von Geflüchteten mit Fragebogen vor. Innovativ ist, dass die Wahrnehmung der betroffenen Person im Zentrum steht. Der zweite Ansatz ist qualitativer Natur. In allen Regionen sollen Fokusgruppen gebildet werden, die anhand eines Fragenkatalogs diskutieren, wie gesellschaftliche Teilhabe gelingt. Das Besondere: Die Geflüchteten machen nicht nur eine der Fokusgruppen aus und teilen ihre Erfahrungen als Betroffene. Sie schätzen die Lage auch als Expertinnen und Experten ein und steuern Verbesserungsvorschläge bei, wie Mey sagt. «Nur so begegnet man den Personen auf Augenhöhe.»