Fund alter Dokumente ermöglicht Erkenntnisse zu Biodiversität
ZHAW-Forschende haben die Artenvielfalt auf Weiden und Wiesen mit derjenigen vor gut hundert Jahren verglichen. Mehr als ein Viertel der Pflanzen ist verschwunden.
Fast wären die Unterlagen im Altpapier gelandet. Im landwirtschaftlichen Forschungsinstitut Agroscope wurden 2003 im Zuge von Renovierungsarbeiten alte, handschriftlich erstellte Listen von Pflanzen entdeckt, die Ende 19. und Anfang 20. Jahrhundert auf Wiesen und Weiden wuchsen. Ein wichtiger Fund für die Erforschung der Artenvielfalt. Denn die meisten bisher verfügbaren Vegetationsaufnahmen, die nicht nur ein kleines Gebiet umfassen, sind höchstens 50 Jahre alt und stammen somit aus der Zeit nach der Intensivierung der Landwirtschaft mit Maschinen und Düngemitteln, die etwa um 1900 einsetzte.
Pflanzen innerhalb Rahmen erfasst
Die gut hundert Jahre alten Unterlagen stammen von zwei Botanikern, welche die Vegetation an rund 600 Standorten handschriftlich dokumentiert haben. Zwischen 2021 und 2022 wiederholten Forschende des Instituts für Umwelt und Natürliche Ressourcen und von Agroscope diese Beobachtungen. Mit einem quadratischen Rahmen von 30 mal 30 Zentimeter – deshalb der Projektname «Squarefoot» – erhoben sie im Umfeld derselben Standorte sämtliche Pflanzenarten. Das Projekt wurde vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert.
Intensive Landwirtschaft bedroht Biodiversität
Fanden die Forschenden die früheren Gräser und Kräuter nicht am selben Standort, weiteten sie die Suche teilweise auf einen Radius von 500 Metern aus. Häufig stiessen sie so auf extensiv genutzte Flächen, auf denen die Biodiversität gefördert wird. «Viele der ehemaligen Pflanzen haben dort ein Überleben gefunden», stellt Studienleiter Jürgen Dengler fest.
Die Auswertung wies einen Verlust pflanzlicher Arten von insgesamt 26 Prozent aus. Während es im Unterland fast 40 Prozent sind, haben Alpweiden lediglich 11 Prozent eingebüsst. «Die grösste Bedrohung für die Vielfalt einheimischer Pflanzen sind die intensive Landwirtschaft und die Nährstoffeinträge aus der Luft», schliesst Jürgen Dengler aus den Ergebnissen. Der Klimawandel spiele bis jetzt nur eine untergeordnete Rolle.