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Ambivalente Gefühle: Kinder in stationärer Betreuung

Wie geht es 8- bis 14-Jährigen, die in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe leben? Das SNF-Projekt «Wohlbefinden und Verletzlichkeit in der Kindheit» gibt einen Einblick.

Kinder und Jugendliche können in Institutionen ein sicheres Umfeld finden. Sie können auf Fachleute treffen, die ihnen bei Problemen weiterhelfen, mit Gleichaltrigen zusammen sein oder sich zurückziehen. Junge Menschen, die fremduntergebracht sind, berichten aber auch von belastenden Gefühlen. «Sie leiden unter der Trennung von ihren Familien und Freund:innen sowie der Ungewissheit, wie es weitergeht», sagt Marion Pomey vom Institut für Kindheit, Jugend und Familie des Departements Soziale Arbeit. Ihren Alltag nähmen sie als stark reglementiert war. Sie fühlten sich teilweise nicht ernst genommen oder «wie in einem Gefängnis ohne Gitterstäbe». So formuliert es ein Jugendlicher, der für die SNF-Studie «Wohlbefinden und Verletzlichkeit in der Kindheit» befragt worden ist. Das Projekt ist Teil eines internationalen Forschungsverbunds, in dem weltweit in 26 Ländern das Wohlbefinden von Kindern erforscht wird.

Positive Momente kippen

Viele der 8- bis 14-Jährigen hätten von sich aus von schwierigen Erlebnissen oder Gewalterfahrungen erzählt, sagt Projektleiterin Pomey. «Eine wichtige Rückmeldung war, dass sich Sorgen um die Zukunft auch auf das Wohlbefinden in der Gegenwart auswirken.» Um ins Gespräch zu kommen, brachten die Forschenden jeweils Papier, bunte Stifte und Emoji-Sticker mit und baten die Teilnehmenden, kreativ auszudrücken, was ihnen in ihrem Leben wichtig ist. Daran konnten sie mit offenen Fragen anknüpfen. «Die Befragten erfahren häufig Ambivalenz», sagt Marion Pomey. In stationärer Unterbringung fühlten sie sich gleichzeitig sicher und unsicher; sie erlebten sich handlungsmächtig und ohnmächtig zugleich. Wie das vom Fachverband Integras unterstützte Projekt zeigt, sind für ihr Wohlbefinden drei Phänomene entscheidend: Sicherheit, Zugehörigkeit und Handlungsfähigkeit.