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Alte Fenster rezyklieren statt in der Deponie entsorgen

Fensterglas könnte genau wie Trinkflaschen wiederverwendet werden. Aktuell scheitert dies jedoch am Mehraufwand und den Kosten. Eine ZHAW-Architektin will das ändern.

Während Glasflaschen zu 90 Prozent rezykliert werden, landen über 80 Prozent des Fensterglases in Deponien. Nur ein kleiner Teil wird eingeschmolzen und für neue Trinkflaschen verwendet, was einem Downcycling entspricht. Ähnliches gilt für Fensterglas: In der Schweiz fallen jährlich rund 500 000 Tonnen Flachglas an: Fensterscheiben aus Abbruchliegenschaften sowie solche, die wegen mangelnder Wärmedämmung durch energiesparendere ersetzt werden.

«Leider ist es günstiger, Flachglas zu entsorgen, als es vom Rahmen zu trennen und sauber wiederaufzubereiten», sagt Michelle Schneider vom Institut für Konstruktives Entwerfen des Departements Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen. Dabei gehe viel graue Energie verloren und man müsse immer wieder neue Deponien ausheben. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin hat bereits ihre Masterarbeit an der ZHAW der Wiederverwendung von Fenstern gewidmet, um die Kreislaufwirtschaft voranzubringen. Daraus entstand das Pilotprojekt «Windows of Opportunities».

Verschmutzungen vermeiden

Als in Winterthur ein Mehrfamilienhaus abgerissen wurde, hat Schneider zusammen mit Industriepartnern 375 Fensterflügel gesammelt. Die Firma Glas Trösch schmolz das Material ein und stellte daraus neue Fenstergläser her. Die Verwendung von Altmaterial benötigt im Vergleich zu neuen Rohstoffen deutlich tiefere Temperaturen und stösst somit weniger CO₂ aus. Eine Herausforderung sind jedoch Verunreinigungen wie Klebstoffe, Staub und Fassadenputz. Diese können vermieden werden, wenn das Glas nicht zusammen mit Bauschutt in einer Mulde landet. «Künftig sollte man bereits bei der Herstellung von Bauteilen an die Wiederverwertung denken», sagt Andri Gerber, Leiter des Instituts Konstruktives Entwerfen.

Pflicht würde Recycling voranbringen

Mit der Optimierung der Prozesse dürften die Recyclingkosten sinken, hofft Michelle Schneider. «Wir konnten nachweisen, dass die Wiederverwertung möglich ist. Dies könnte die Tür zu einer Recyclingpflicht öffnen.» Die junge Forscherin wird ihren Ansatz nun im Rahmen einer Doktorarbeit vertiefen und plant bereits die Gründung eins Start-ups.