Umgang mit klimabedingten Risiken und Chancen in Schweizer Gemeinden und Städten
Wie gehen kleinere und mittelgrosse Schweizer Gemeinden mit klimabedingten Risiken und Chancen um? Welche Herausforderungen bestehen – und wo liegen konkrete Ansatzpunkte für die Praxis?
Info zur Studie
Die Studie untersucht den Umgang mit klimabedingten Risiken und Chancen in kleineren und mittelgrossen Gemeinden der Deutschschweiz. Grundlage bilden zwölf leitfadengestützte Interviews mit Gemeinden zwischen 5'000 und 10'000 Einwohner aus sieben Kantonen. Befragt wurden insbesondere Gemeindeschreiber sowie Verantwortliche aus den Bereichen Umwelt, Bau und Infrastruktur.
Die Analyse orientiert sich an vier zentralen Dimensionen eines ganzheitlichen Klimamanagements: Governance, Gesetz & Strategie, Risikomanagement sowie Reporting & Controlling. Als konzeptioneller Bezugsrahmen dient der internationale Standard IPSAS SRS 1, angepasst an den kommunalen Kontext in der Schweiz.
Ergebnisse in Kürze
Die Studie zeigt: Das Bewusstsein für klimabedingte Risiken und Chancen ist in den Gemeinden hoch – bei der systematischen und verwaltungsübergreifenden Umsetzung besteht jedoch noch Potenzial.
- Strategische Verankerung ist vielerorts vorhanden. Viele Gemeinden sind bereits direkt von Folgen des Klimawandels wie Trockenheit oder Starkregen betroffen. Klimaschutz und Klimaanpassung sind deshalb in den meisten Gemeinden strategisch verankert – auch wenn häufig keine eigene kommunale gesetzliche Grundlage besteht.
- Zusammenarbeit und Fachwissen können gestärkt werden. Optimierungspotenzial besteht insbesondere bei der verwaltungsübergreifenden Zusammenarbeit. Auch das notwendige Fachwissen ist teilweise nur punktuell vorhanden und wird durch externe Expertise ergänzt.
- Ressourcen sind ein entscheidender Faktor. Für die Umsetzung proaktiver Massnahmen fehlen teilweise ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen sowie die entsprechende politische Unterstützung.
- Der Umgang mit Klimarisiken erfolgt häufig reaktiv. Viele Massnahmen entstehen als Reaktion auf bereits eingetretene Ereignisse wie Hochwasser, Trockenheit oder Hangrutsche. Ein integriertes und proaktives Risikomanagement ist bislang wenig verbreitet.
- Der Klimawandel wird auch als Chance gesehen. Die Mehrheit der befragten Gemeinden sieht neben Risiken auch Chancen – beispielsweise für Transformation, Sensibilisierung und die Umsetzung neuer Projekte.
Handlungsempfehlungen in Kürze
- Klimarisiken systematisch integrieren: Klimaschutz und Klimaanpassung sollten frühzeitig und systematisch in bestehende Planungs- und Entscheidungsprozesse – beispielsweise die Legislaturplanung – integriert werden.
- Verwaltungsübergreifend zusammenarbeiten: Eine institutionalisierte Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg bündelt Wissen, schafft Synergien und reduziert die Abhängigkeit von Einzelpersonen.
- Regionale und lokale Zusammenarbeit stärken: Kooperationen zwischen Gemeinden ermöglichen die gemeinsame Nutzung von Fachwissen und Ressourcen. Der frühzeitige Einbezug von Bevölkerung, Unternehmen und weiteren lokalen Akteur kann zudem die Akzeptanz von Massnahmen erhöhen.
- Wissen und Daten gezielt nutzen: Bestehende Informationen, Instrumente und Kennzahlen sollten zentral gebündelt und besser genutzt werden. Angebote von Bund, Kantonen, Energiestadt und externen Fachstellen können das interne Wissen ergänzen.
- Klimathemen sachlich und lokal kommunizieren: Eine aktive Klimakommunikation, die konkrete lokale Auswirkungen und zusätzliche Nutzen von Massnahmen sichtbar macht, kann das Verständnis und den Rückhalt in Verwaltung, Politik und Bevölkerung stärken.
- Finanzierung langfristig planen: Neben den Kosten von Massnahmen sollten auch die möglichen Kosten des Nichthandelns berücksichtigt werden. Klimabudgets, Förderprogramme und interkommunale Kooperationen können zusätzliche finanzielle Spielräume schaffen.
Danksagung
Wir danken allen teilnehmenden Gemeinden herzlich für ihr aktives Mitwirken und die wertvolle Zeit, die sie für diese Studie aufgewendet haben. Mit ihren Erfahrungen und Einschätzungen haben sie wesentlich dazu beigetragen, neue Erkenntnisse über den Umgang mit klimabedingten Risiken und Chancen auf kommunaler Ebene zu gewinnen.
Unser Dank gilt zudem Innosuisse für die Forschungsförderung und die Unterstützung dieses Projekts.
Projektteam
Sandro Fuchs (ZHAW), Mirjam Schwarz (ZHAW), Melanie Eberhard (conseil3), Mirja Mätzener (conseil3), Jasmin Odermatt (conseil3)
Mehr Informationen unter
Bei Rückfragen zur Studie melden Sie sich bitte bei Mirjam Schwarz (Projektleitung Studie) unter mirjam.schwarz@zhaw.ch oder 058 934 77 27.