Future Skills, Innovation und Wertschöpfung
Welche Rolle spielt der Praxisbezug der ZHAW für die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Region Zürich? Diese Frage stand im Zentrum des Hochschultags 2026 im Zürcher Volkshaus.
Die positiven Auswirkungen des Praxisbezugs der ZHAW lasse sich in ansehnlichen Zahlen quantifizieren, sagte Rektorin Regula Jöhl in ihrer Begrüssungsrede. Etwa, dass die Erwerbslosenquote von ZHAW-Absolvent:innen ein Jahr nach Bachelorabschluss bei 3,8 Prozent liegt, während sie im Durchschnitt der Schweizer Fachhochschulen bei 4,9 Prozent liegt. Neben Zahlen sei es aber genauso wichtig, dass die Arbeit der ZHAW dort ankomme, wo Menschen leben, lernen und arbeiten. Dass dies der Fall sei, werde sich im Laufe des Abends eindrücklich zeigen, kündigte sie an.
Anlässlich ihres letzten Hochschultags als Bildungsdirektorin und Präsidentin des Fachhochschulrats blickte Regierungsrätin Silvia Steiner in ihrem Grusswort auf die letzten Jahre zurück. Sie betonte, dass die thematische Breite der ZHAW ihre Stärke sei. Die interdisziplinären Studiengänge, die sie dank dieser Breite anbieten kann, seien ein gutes Beispiel dafür, wie die Hochschule auf die Nachfrage des Arbeitsmarkts nach Fachkräften an Schnittstellen zwischen Fachbereichen reagiert hat, etwa im Bereich Digital Health. Sie gebe ihr Amt im nächsten Jahr mit einem guten Gefühl in neue Hände, denn die ZHAW sei auf gutem Kurs.
Im Anschluss wurde der Praxisbezug durch fünf Projektvideos exemplarisch verdeutlicht und in einem Podiumsgespräch eingeordnet. Moderatorin Claudia Sedioli diskutierte mit
- Andreas Gerber-Grote, Direktor ZHAW Gesundheit und Ressortleiter F&E
- Ulrich Looser, Fachhochschulrat
- Eva Bergman, Praxispartnerin, StepZero
- Michael Grass, BAK Economics, der 2025 in einer Studie untersuchte, wie viel Wertschöpfung die ZHAW in der Region Zürich generiert
- Petra Moog, Institute für Innovation & Entrepreneurship, ZHAW School of Management and Law
über die Bedeutung der Praxisnähe im Studium und die Forschungszusammenarbeit zwischen Hochschule und Industrie. Bei jedem vorgestellten Projekt gesellten sich jeweils Beteiligte zum Podium hinzu und gaben Einblicke.
Eine biologisch abbaubare Schuhsohle
In einer Kooperation zwischen der ZHAW School of Engineering und dem Unternehmen StepZero wurde eine Schuhsohle entwickelt, deren Abrieb biologisch abbaubar ist. Nach eineinhalb Jahren ist das Ergebnis bereits auf dem Markt verfügbar – vorerst nur als Hausschuh, das Team tüftelt jedoch bereits in einem Folgeprojekt an Sneakers. Michael Grass betonte, das Projekt zeige, wie dank der Zusammenarbeit zwischen KMU und Hochschulen Innovationen schneller reifen können, nicht zuletzt dank Fördergeldern von Innosuisse. Beide Parteien profitieren vom Knowhow-Gewinn und dadurch, dass die ZHAW diesen Gewinn in die Lehre einspeist, profitiere schlussendlich die ganze Volkswirtschaft von solchen Kooperationen.
Beteiligte: Christof Brändli, ZHAW School of Engineering und Eva Bergman, StepZero
Kreislaufwirtschaft von Medizinalabfällen
Albena Björck von der School of Management and Law fördert in ihrer Lehre praxisnahe Erfahrungen ihrer Management-Masterstudierenden. Gemeinsam mit Studierenden aus den USA und Schweden entwickeln sie in interdisziplinär aufgestellten Teams handfeste Lösungen für reale Fragestellungen aus der Praxis. Aus einer solchen Zusammenarbeit mit der Stanford University entstand ein Konzept für die Rückgewinnung von Medizinalabfällen durch Machine Vision und Automatisierung. Gemeinsam mit der Non-Profit-Organisation Be Circular wird das Konzept in einer Pre-Engineering-Studie weiterentwickelt. In Zeiten, in denen globale Lieferketten stark unter Druck stehen, könnte diese Lösung einen wichtigen Beitrag zur Unabhängigkeit von Ressourcen leisten, sagte Cedric Gysel, CEO von Be Circular.
Beteiligte: Albena Björck, ZHAW School of Management and Law und Cedric Gysel, Be Circular
Die Mensa als Reallabor
Die ZHAW und ihre Gastronomiedienstleiterin ZFV haben die Mensen der beiden Campusse in Wädenswil genutzt, um zu untersuchen, wie die Gemeinschaftsverpflegung nachhaltiger werden kann. Im laufenden Betrieb wurden verschiedene Massnahmen getestet, etwa einer Reduzierung der Fleischmenge in Mittagsmenüs oder eine Preiserhöhung bei Mahlzeiten mit einem hohen ökologischen Fussabdruck. Das Projekt hat gezeigt, dass nachhaltige Ideen auch wirtschaftlich umsetzbar sein müssen und nicht an der Zielgruppe vorbei entwickelt werden dürfen. Christian Gerber, Head of Innovation bei ZFV, sagte, dass die Erfahrungen aus diesem Projekt in ihre Produktentwicklung einfliesse und bis zu 11 Millionen Mittagsmenüs beeinflussen könne.
Beteiligte: Gianna Lazzarini, ZHAW Life Sciences und Facility Management und Christian Gerber, ZFV
Bessere Böden für die Landwirtschaft
ZHAW-Alumnus Philippe Schläpfer entwickelt mit seinem Start-up Symactiv einen biologischen Dünger aus Abfällen der Pilzproduktion, der die Erträge in der Landwirtschaft erhöhen und die Böden widerstandsfähiger macht. Gemeinsam mit der Jucker Farm AG haben sie das Produkt erfolgreich in der Praxis getestet. Seither werden auch weitere Grosskunden wie Landschaftsgärtnereien und Landwirtschaftsbetriebe damit beliefert und Landwirtschaftsschulen trainiert. Fachhochschulrat Ulrich Looser lobte das Projekt als Beispiel dafür, dass es nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch nachhaltig ist.
Beteiligte: Philippe Schläpfer, ZHAW Life Sciences und Facility Management und Theresa Jacobs, Jucker Farm AG
Besserer Lehrabschluss dank VR
Der Einsatz von Virtual Reality in der Lehre kann Studierenden und Auszubildenden helfen, reale Situationen ohne Druck und Risiko zu üben. Elke Bruckner-Kley von der ZHAW School of Management and Law hat gemeinsam mit der Bandara VR GmbH eine Virtual-Reality-Applikation entwickelt, mit der angehende Elektroinstallateure Messungen unter Spannung simulieren können. Norbert Büchel von der Elektrobranchenorganisation EIT.swiss lobte die Anwendung und betonte, dass die Auszubildenden die VR-Applikation mit grossem Interesse nutzen und ihr Leistungen bei der Lehrabschlussprüfung deutlich verbessern konnten. In einer Feldstudie schnitten diejenigen, die sich damit auf die LAP vorbereiteten, im Durchschnitt um eine ganze Note besser ab als die Lernenden, die es nicht verwendeten. Andreas Gerber-Grote fügte an, dass an der ZHAW Virtual und Augmented Reality für 53 Anwendungen in der Ausbildung genutzt werden, etwa um Gesprächsführung zu trainieren oder Pflegende auf den Umgang mit unbekannten Alltagssituationen vorzubereiten.
Beteiligte: Elke Brucker-Kley, ZHAW School of Management and Law, und Norbert Büchel, EIT.swiss und STFW