«Bleibt dran!»: Was Pionier:innen der Kreislaufwirtschaft Lernenden mitgeben
Im Lernspiel ZIRKULAR lösen die Spielenden Detektivfälle zur Kreislaufwirtschaft. Am Ende jedes Falls treffen sie auf echte Praktiker:innen, die solche Ansätze umsetzen. Ihre Geschichten zeigen: Pionierarbeit verläuft selten geradlinig.
Vom Wimmelbild zum Betrieb
Ein Regenwassertank, eine Biogasanlage, ein Wochenmarkt: Auf dem grossen Spielplan von ZIRKULAR spüren Lernende Szenen auf und entdecken nach und nach, was vor sich geht. Das kooperative Lernspiel hat die Forschungsgruppe Geography of Food der ZHAW gemeinsam mit der Fachrichtung Game Design an der Zürcher Hochschule der Künste für die Ausbildung Landwirt:in EFZ entwickelt und lässt sich auch in anderen Bildungskontexten einsetzen, etwa an Hochschulen. Die acht Fälle sind erfunden, die Lösungen dahinter nicht: Am Ende jedes Falls führt ein QR-Code zu einem Interview-Video mit einer Person aus der Praxis.
Wenn der Plan nicht aufgeht
Peter Trachsel vom Chrumbacherhof in Seon (AG) hält Milchkühe auf Vollweide. Nach der Umstellung auf Bio gingen die Erträge markant zurück, mehrere trockene Jahre verschärften die Lage. «So legte ich einen Kurswechsel ein, da wir sonst den Betrieb an die Wand fahren würden», erzählt er im Interview. Deshalb separiert er seit einigen Jahren die Gülle: Die Dünngülle zieht sofort in den Boden ein, die Feststoffe kompostiert er. Zehn Jahre nach der Umstellung liegen die Erträge fast wieder auf dem früheren Niveau.
Auch Michael Müller aus Eschlikon (TG) kennt Rückschläge. Das Projekt einer gemeinsamen Biogasanlage von vier Bauern und einem Käser lag zunächst auf Eis, weil es sich nicht rechnete. Heute betreibt er die Anlage der öko-energie gmbh als Geschäftsführer. Sie verwertet Gülle aus der Nachbarschaft und versorgt einen Wärmeverbund.
Den eigenen Weg gehen
Pirmin Adler vom Betrieb Adlerzart in Oberrüti (AG) reduzierte seinen Rinderbestand, weil ihm der Nährstoffanfall zu hoch erschien. Dadurch eröffneten sich ihm neue Betriebszweige. Aus seinen Mehrnutzenhecken verfüttert er Laub, das Holz häckselt er zu Schnitzeln und mischt sie unter den Mist. So verbessert er Stallklima und Mistqualität und das Holz gelangt als Dünger zurück aufs Feld. «Es braucht hohe Eigeninitiative», sagt Adler.
Antonia Bischof von der Domaine Sous-le-Mont in Les Bois (JU) füttert ihre Mutterkühe nur mit Gras und Heu vom eigenen Hof. Die Hoftötung war für sie der nächste logische Schritt. In Zukunft möchte sie auch das Stroh selbst produzieren.
Acht Wege, eine Botschaft
Auch die weiteren Interviews enden mit einem Rat an die Lernenden. «Wir machen aus Überzeugung Kreislaufwirtschaft und dann geht das viel einfacher», sagt Fritz Meier, der bei der Gebr. Meier Gemüsekulturen AG in Buchs (ZH) Regen- und Waschwasser mehrfach nutzt. Ueli Ammann aus Schlatt (TG), der auf regenerative Landwirtschaft setzt, rät: «Immer ausprobieren und nie verzweifeln!» Sven Wilms vom Herterenhof in Wettingen (AG), der Wege für die Molke aus der Hofkäserei sucht, ermutigt zum Selberdenken. Und Michael Birrer von SCHAUER Agrotronic, der sich mit Kot-Harn-Trennung im Stall befasst, gibt den Lernenden ein schlichtes «Bleibt dran!» mit.
Genau hier setzt ZIRKULAR an. Das Spiel macht Kreislaufwirtschaft greifbar und die Interviews zeigen, dass sie gelebt wird, mit allen Umwegen. Spiel, Videos und Unterrichtsmaterial: play-zirkular.ch